Alghero, auch Algheri und Algher genannt, feste Hafenstadt und Bischofssitz in der Provinz Sassari an der nördl. Westküste der Insel Sardinien, 25 Km im Südwesten von Sassari, romantisch auf hohem Afenatmt gelegen, hat einen schö nen Dom, ein Arsenal mit vielen Ie. ⸗ orallenfischerei, Indigo⸗ und Weinkultur, Handel und zählt (1871) 8769 (Gemeinde 9839) E. Der Dialekt derselben enthält viel catalonische Elemente. Der Verkehr hat seit dem Aufschwunge von Porto-Torres, dem Hafen von Sassari, abgenommen. Bei A. erfochten 29. Aug. 1353 die Catalonier und Venetianer einen Seesieg über die Genuesen unter Grimaldi. Im Westen von A., an der Spitze des Cap Caccia, liegen die zu den schönsten Grotten Europas gehörigen Neptunsgrotten, welche aber wegen der heftigen Brandung nur an ruhigen Sommertagen, und auch dann nur auf Booten und unter Fackelbeleuchtung zugänglich sind. Algier, frz. Alger, span. Argel, arab. Al-Dschesair (d. f6 die Inseln), die Hauptstadt und zugleich der erste Kriegs⸗ und Handelsplatz von lgerien, das Jcosium der Römer, im arab. Mittelalter Mesrana genannt, liegt dicht am Mitdttelmeer, an der Westseite einer geräumigen, vom Kap Pescada im Westen und Kap Matifu im O. begrenzten, halbmondförmig gegen S. eingetieften, herrlichen Bucht. Unmittelbar hinter der sehr schmalen Strandebene erhebt sich das Hügelland Sahel im Buzaréa (fast 7 km im NW. der Stadt), 402 m hoch, mit subtropischer Vegetation, zahlreichen Gärten, Weinbergen, Kapellen und Grabmälern wunderthätiger Marabuts. Die Stadt feile aus der Ebene amphitheatralisch an einem teilen Hügel in Form eines Dreiecks auf, dessen budtt die Kasbah oder Citadelle (in 124 m Höhe) bildet. Sie besteht aus zwei sehr verschiedenen Stadtteilen: das untere oder europäische und das obere oder maurische Quartier. In der untern Stadt stehen nur noch wenige hervorragende maurische Häuser; fast die ganze Ostseite begrenzt der 1866 vollendete Boulevard de la République, ein 1200 m langer Viadukt, welcher auf einer doppelten Reihe von Bogen ruht. Die von den Bogen gebildeten Hallen sind zu Magazinen und Markthallen benutzt. Auf diesem Boulevard, dem daran gelegenen Gouvernementsplatz, mit einer Reiterstatue des Herzogs von Orléans, und dem zwischen ersterm und dem Nationaltheater sich öffnenden Sgqmuare de la Republique bewegt sich hauptsächlich das Leben der Stadt. Auf dem Boulevard sind die fünf Banken A.s; am Gouvernementsplatze liegt die Moschee Djama-el-Djedid und in unmittelbarer Nähe, auf dem kleinen Platz Bruce, der Winterpalast des Generalgouverneurs, der erzbischöfl. Palast und die kath. Kathedrale. Der Square de la Republique ist von schönen neuen Bauten umgeben; in dessen Gegend befindet sich die Post, der neue Justizpalast, die Kirche St. Augustin. Das ganze uartier ist erst neulich entstanden und das schönste der Stadt. Vom Gouvernementsplatze aus laufen nach Norden die Straße Bab-el-Ued, an deren Ende das an den Jardin Marengo anstoßende Nationallyceum sich befindet, und die Marinestraße, nach Süden die Straße Bab-Asün, alle mit schönen Arkaden, und bilden die Hauptverkehrsadern der Stadt. 98 der Marinestraße befindet sich noch die schönste Moschee Algiers, die Djama-el-Kebir. Die obere maurische Stadt besteht aus einer Menge von winkeligen, mit Treppen versehenen Gassen, welche meist nach der Kasbah hinaufführen; die Häuser sind unscheinbar von außen, im Innern aber oft kostbar ausgestattet. Vor dem Thore Bab-Uéd auf der Nordseite liegt die gleichnamige Vorstadt, ebenso an der Südseite die Vorstadt Agha und weiter das Dorf Mustapha, dessen oberer Teil aus einer reizenden Villenkolonie besteht, wo auch der Generalgouverneur seine Sommerresidenz hat. Die Hauptpromenade bildet außer dem Boulevard der Jardin de Marengo, am Nordende der Straße Bab-⸗el-Ued. Der 95 ha große Hafen wurde unter Napoleon III. durch drei Steindämme von 700, 1235 und 210 m Länge gegen NO., O. und S. geschützt. Er ist für Aufnahme von 40 Kriegs- und 300 Handelsschiffen berechnet und für den ——m A.s mehr als ausreichend. Militärisch gechützt werden Hafen und Stadt durch ein ausgedehntes Befestigungssystem. ö Die Zahl der Einwohner, zur Zeit der Türken-Her l übertrieben bis auf 100000 geschätzt, beief sich 1838 0 30395 (darunter 18387 Eingeborene), 1876 auf 52 702, darunter 11013 Eingeborene. Den Kern der einheimischen Bevölkerung bilden die Mauren, die ihren Lebensunterhalt im Kleinhandel, als Handwerker, Seidenwirker, Goldsticker, Schuhmacher und Sattler suchen. Die Juden (7098), einst Lenter gedrückt, sind jetzt reiche Kaufleute, Hausbesitzer, Fabrikeigentümer, Gutsinhaber. Die Hauptquelle des Erwerbs ist für A. der Handel, da die Stadt der wichtigste Handelsplatz der Küste und der Endpunkt aller Straßen des Binnenlandes ist, zu welchen noch eine 1869 vollendete Eisenbahn nach Oran und eine teilweise vollendete nach Konstantine kommt. Die Ausfuhr zur See besteht hauptsächlich in Getreide, Mehl, Olivenöl, Pferden, Rindvieh, Schafen, rohen Häuten, Wolle, Wachs, Talg, Baumwolle, Tabak, Tafelfrüchten u. s. w. Die Einfuhr gehört größtenteils Frankreich, doch beteiligen sich Spanien mit Weinen und Früchten; Italien mit Reis, Wein, Töpferwaren, Cement; England mit Steinkohlen, Baumwollgeweben und Eisen; Osterreich mit Bauholz und Stahl. Im J. 1878 liefen 1271 Schiffe von 317506 t ein und aus. Als Hauptstadt von ganz Algerien ist A. Sitz des Generalgouverneurs, der obersten Militär⸗ und Civilbehörden sowie der Behörden für die Provinz und das Arrondissement A., der fremden Konsulate, der Bank von Algerien u. . w. Auch residiert hier ein kath. Erzbis 905 und, neben einem prot. und israel. Konsistorium, die höchste Geistlichkeit der Moslems. Die Stadt besitzt, außer der Kathedrale, mehrere andere kath. Kirchen, eine engl. Kirche, eine prot. Kirche, mehrere Synagogen und, außer den vier eigentlichen Moscheen, eine Anzahl Kapellen, die dem Andenken von Heiligen oder Marabuts geweiht sind. Ferner hat A. eine Akademie, ein Lyceum, r, Periondte in chule für Mediziner und Apotheker, Pensionate für den höhern Unterricht, zahlreiche Elementarschulen für alle Konfessionen, ein archäol. Museum, eine öffentliche Bibliothek, seit 1856 eine Historische Gesellschaft, welche die Revue Africainep erscheinen läßt, mehrere Buchdruckereien, Buchhandlungen, Lesekabinette, mehrere Zeitungen, Gesellschaften für Kunst, Agrikultur u. s. w. Auch philanthropische Vereine und Anstalten, Waisenhäuser, Armenhaus, Sparkasse, Militär⸗ und Civilhospitäler, ein großes Lazarett u. s. w. sind vorhanden. Für alle Bedürfnisse des Europäers ist gesorgt durch Gasthöfe, Cafés, Bäder, mehrere Theater, öffentliche Anlagen u. s. w. In neuerer Zeit ist A. auch als klimatischer Kurort sehr in Aufnahme gekommen und wird als solcher während des Winters von zahlreichen brustkranken Europäern besucht. Die nächsten Umgebungen A.s, der Fhos oder Fhas (Weichbild), dessen Kommunen und zugehörigen Ortschaften seit 1848 in die Bannmeile der Stadt gezogen sind, zeichnen sich durch reizende Lage, üppige Südvegetation, schöne Gärten, maurische Villen, Landhäuser der Konsuln aus. Vgl. Schneider, Der klimatische Kurort A.v (Dresd. 1869).— Das Departement A., das mittlere der drei alger. Departements, umfaßt 105 168 qkm mit (1877) 1072607 E. Algierisches Metall (Métal d'Alger), eine aus 94,5 Proz. Zinn, 5 Proz. Kupfer und etwas Antimon und Wismut bestehende Metalllegierung, die in Frankreich namentlich zur Anfertigung von kleinen Glocken, Hausklingeln u. dgl. benutzt wird.