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ErdkundeBrockhaus 1882

Adriatisches Meer (Mare Adriaticum oder Supéêrum, Adria oder Hadria), ein nordwestlich gerichtetes Seitenbassin des Mittelländischen Meeres zwischen der Apenninen⸗ und der Hämushalbinsel. Mit dem Jonischen Meer ist es durch den 68 km breiten Kanal von Otranto, zwischen der ital. Stadt Otranto und dem schmalen, weit auslaufenden Cap Linguetta (Acroceraunia Promontorium) des Chimäragebirgs, verbunden. Sein nördlichstes Ende bilden die Golfe von Venedig und Triest, welcher letztere durch die Halbinsel Istrien von dem Quarneroolf oder Meerbusen von Fiume getrennt ist. Die änge des Adriatischen Meeres beträgt 780, seine Breite stellenweise bis 230, im Mittel aber nur 180 km, seine Fläche 131 500 q˙km. Die Einförmigkeit der westl. Küstenlinie wird unterbrochen durch die vorspringende Halbinsel Gargäno (höchste Spitze der 1500 m hohe Monte-Calvo), welche im Süden der uoch naarre Golf von Manfredonia, im Norden die noch flachere Bucht hinter den vier kleinen Tremiti-Inseln begrenzt, und durch das durch Flußablagerungen immer mehr seewärts vordringende Po-Delta, von dessen äußerster Spitze die uralte Stadt Adria (s. d.), die zur Römerzeit als Hafen und Flottenstation dicht am Meere lag und demselben den Namen gegeben Häl jetzt 22 km entfernt —5 Die Westküste ist verhältnismäßig seicht und fast ohne geräumige mahlit Die Sondierungen ergeben hier ein viel allmählicheres Abfallen des Seebodens und 56 nirgends so schroff abstürzende Gestade als im Osten. Dagegen ist die Westküste, einige Striche Apuliens abgerechnet, wohlbevölkert, mit gutem Wasser und mit Handelsprodukten reichlich versehen, während die Ostküste im allgemeinen felsig und steil, voll Inseln, Buchten und Häfen, aber arm an Bewohnern, Lebensmitteln und an vielen Punkten selbst an Trinkwasser ist. Außer zahlreichen Reeden zwischen Otranto und der Mündung des Po sind an jener die Häfen von Brindisi, Monopoli, Baxi, Barletta, Manfredonia, Viesti, Ancona, Sinigaglia, Fano, Pesaro, asahrern und einige kleinere, aber doch von Küsten ahrern aufgesuchte Plätze. Die flache Nordküste des venet. und friauler Gebiets, vom Po-Delta über Venedig und das alte Aquileja hinaus bis zur Isonzomündung, ist charakterisiert durch eine lange Reihe von Sandbänken, Sandinseln und Lagunen. Die Lagunenstadt Venedig, einst die Königin der Adria, hat ihre kommerzielle Bedeutung teilweise an Triest verloren. Nordwestlich von Triest, bei Castel Duino, treten die Julischen Alpen (Karst) an die Küste heran, und damit erhält diese ein anderes Gepräge: sie wird unregelmäßig, zackig und fast durchgängig steil. Auf der 90 km weit keilförmig in das Meer vorsprinenden Halbinsel Istrien sind außer Triest Haupt-Hnr Capo d'Istria, Pirano, Parenzo, ovigno und Pola, einst röm. Die Buannert jetzt Osterreichs Hauptkriegshafen. Die Quarnerischen Inseln sind von tiefen, vielfach gewundenen Kanälen durchbrochene, von ut, dioe Klippen umgebene Fortsetzungen des Karst. Noch steiler und pittoresker als die istrische ist die kroat. Küste mit den Häfen Fiume, Buccari, Portoré und Zengg. Vor Obrovazzo beginnt das Gebiet von Dalmatien mit überaus zahlreichen Buchten und Häfen, Landzungen (z. B. Sabioncello unter 43 nördl. Br.) und Inseln, wie Arbe, Pago, Isola-grossa, bielen Lesina, Lissa, Curzöla, Lagosta, Melsda. An vielen Stellen dieser Küste ist, wie von Klöden nachgewiesen, ein Sinken des Landes unverkennbar. Außer den fünf Ararialhäfen Zara, Sebenico, Spaläto, Ragusa und Portorose zählt man nicht weniger als 52 Gemeindehäfen, darunter die wichtigsten: Novigradi, Scardona, Ragosnizza, Trau, Salona, Almissa, Macarsca, Fort Opus, Sabioncello, Raissa, Val-Grande und Tre-Porti auf Curzola, Porto-Lago auf Lagosta, Porto-Palazzo auf Meleda. Südlicher folgt die Küste des alten Illyrien, des jetzigen Albanien, ohne Piogar niedrig, meist von Mäsider Höhe, zum Teil sogar niedrig, sumpfig und ungesund, aber mit mehrern Ian geräumigen Häfen, wie die von Antivari, Dulcigno, Durazzo, Valona oder Avlona. Das Adriatische Meer zerfällt nach seiner Bodengestalt in zwei Becken, die durch eine von der Halbinsel Gargano über Pelagosa und Cazza nach Curola reichende Schwelle getrennt sind. Das nördl. Beden hat im Golf von Venedig eine Tiefe von 15—35 m, nach Südosten senkt sich der Boden allmählich bis auf 240 m in der Breite von Lissa und ebt sich dann wieder, sodaß die größte Tiefe zwichen Pelagosa und Cazza nur 170 m beträgt. Von da ab 1 Osten und Süden sinkt der Boden ziemlich rasch bis 1260 m, zwischen Cattaro und Bari, und hebt sich dann allmählich, sodaß die größte gemessene Tiefe in der Straße von Otranto nur 670 m beträgt. Der Boden ahlrei n Mutch Schlamm und feinem Sand mit zahlreichen Muschelresten; in der Nähe der Felsküsten findet sich auch grober Sand, die Unterlage des Ganzen scheint Marmor sein. Das Adriatische Meer besitzt eine regelmäßige Strömung, welche von Korfu her längs der alban. und dalmat. Küste bis in den Golf von Triest hinein fließt. Von da wendet sie nach Westen um und fließt an der ital. Küste entlang wieder durch die Straße von Otranto aus. Einzelne Zweige sondern sich schon %⁷ mit der abnehmenden Tiefe von der Strömung der Ostküste ab, um sich westlich mit dem ausfließenden Strome vereinigen. Ebbe und Flut sind in den meisten eilen des Adriatischen Meeres kaum zu bemerken. Im innersten Teile des Golfs von Venedig erreicht die Flut eine Höhe von 0,3 m, die en heftige Südostwinde auf 1 mugesteigert werden kann. Die Winde des Adriatischen Meeres sind sehr veränderlich. Während der Sommermonate findet man häufig Windstille, durch heftige Gewitter und Nordwinde unterbrochen. Der gefürchtetste Wind ist der Nordostwind, die Bora (s. d.), dann der Südostwind, Sirocco (s. d.); der Südwestwind, Sifanto, ist seltener und von kurzer Dauer, aber oft Womn er ist besonders gefährlich in der Nähe er Pomündungen, wenn er plötzlich nach Südost umspringt und in heftigen Sturm (furiano) über-Win Zwischen den Rad der Ostküste sind diese inde doppelt gefährlich, da sie in den engen Kanälen in jeder Bucht anders wehen, namentlich sind die Bora im Winter und der heiße ug im Sommer gefürchtet. Schon die Alten erwähnen vielfach die n der E der Adria, und aus den vielen Votivtafeln der Seefahrer in den Kirchen der ital. Küste ergibt sich, daß von jeher das veränderliche Wetter die Plage der Küstenfahrer war. Der Salzgehalt der Adria ist außerordentlich stark. Die Ursache mag in dem verhältnismäßig geringen Zufluß von Süßwasser liegen; denn außer dem wasserreichen Po und der Etsch sind alle Flüsse dieses Meergebiets nur kürzere Küstenflüsse. Die Fauna des Adriatischen Meeres ist eine sehr reiche. Von Fischen sind im nördl. Teile namentlich Thunfische und Makrelen häufig und bilden den Der Sardest der Fischerei; an der dalmat. Küste ist der Sardellenfang wichtig. Außerdem finden sich Meeräschen, Brassen, Delphine, Haie u. s. w. Die Bevölkerung der Lagunen (besonders Chioggia), Apuliens und Dalmatiens lebt hauptsächlich vom Ertrage der Fischerei. Von niedern Tieren sind Hummer, Austern und Miesmuscheln häufig. Die roten Korallen des Mittelmeeres finden sich in guter Qualität an der dalmat. Küste, und die Fischerei des Badeschwamms ist eine Eigentümlichkeit der kleinen Insel Crapano. Litteratur: Marieni, «Portolano del mare Adriaticod (Wien 1845); Constantini, Guida pratico per la navigazione del mare Adriaticov (Triest 1864); H. Smyth, «The Mediterraneano (Lond. 1854); Le Gras, Manuel de la navigation dans la mer Adriatiques (Par. 1855); C. Böttger, Das Mittelmeery (Lpz. 1859); H. Barth, Das Becken des Mittelmeereso (Hamb. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 163Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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