FeedAgra
ErdkundeBrockhaus 1882

Agra, die feste Hauptstadt der Division und des Distrikts A. der indobrit. Nordwestprovinzen, liegt am rechten Ufer des Dschamna in 27t 11 nördl. Br. und 78 5“ östl. L. (von Greenwich), 190 Em unterhalb Delhi, ist durch Eisenbahn mit Delhi, Benares und Kalkutta verbunden und zählt mit den Vorstädten und der Besatzung (1872) 149008 E. Neben ihrer militärischen Wichtigkeit hat die Stadt auch als Markt Bedeutung. Eingeführt werden: Shawls, Pferde, Kamele, Steinsalz, pers. getrocknete Früchte und Droguen, Baumwolle und grober Kaliko; ausgeführt: rohe Seide, Indigo und Rohzucker. Als 1504 Sikandar Lodi seinen Sitz von Delhi hierher verlegte, war der Ort noch ein Dorf. Akbar machte A. gleichfalls zu seiner Residenz und erhob es 1564 zur Hauptstadt, ließ hier Festungswerke und Prachtbauten errichten. Gegen Ende des 16. Jahrh. hatte die Stadt mehr als ½ Mill. E. und war der Mittelpunkt unermeßlichen Reichtums, bis 1658 Aureng-Zeb seine Residenz nach Aurengabad verlegte. Nach Aureng-Zebs Tode (1707) wechselte A. mehrmals seine Beherrscher. Die Dschäts, die Perser unter Nadir-Schah, die Afghanen plünderten und verheerten die Stadt, und die Maharatten unter Madhadshi Scindia verwüsteten sie 1784 noch mehr. Am 25. Sept. 1803, nachdem die Maharatten in der Schlacht bei Assye 23. Sept. durch den spätern Herzog von Wellington eine große Niederlage erlitten hatten, fiel die Stadt, am 17. Okt. die Festung in die Hände der Briten, unter denen sie wieder zur Blüte gelangte. Bei Ausbruch des großen ind. Aufstandes von 1857 mußten sich die Engländer in das Fort der Stadt zurückziehen, wo sie seit Anfang August belagert wurden, bis 10. Okt. 1857 Oberst Greathed die Rebellen vor A. schlug und dadurch das Fort entsetzte. Die alten Ringmauern umschließen einen so großen Raum, daß die heutige Stadt nicht die Hälfte bedeckt. A. gilt für die nd die Stadt Indiens. Die Straßen sind jedoch eng, die Häuser drei und vier Stock hoch, größtenteils aus rotem Sandstein erbaut. Nur Eine schöne, breite, mit Steinplatten gepflasterte Straße führt von der Festung mitten durch die Stadt. Während der Hungersnot von 1838 wurde längs des Stromufers eine schöne Straße angelegt, von welcher breite Treppen zur Dschamna hinabführen. Im Süden stehen die 93 ders für die Truppen so- wie die Bangalows (s. d.) der Offiziere, im Norden die 1e Luhalter der Civilbeamten. Die beiden Vorstädte enthalten eine Menge von Frucht⸗ und Gemüsegärten. Weiter südlich sind längs des Flusses in Menge Überreste alter Prachtbauten aus der Zeit der Timuriden. — Im Nordwesten steht nahe am Ufer die Festung Akbarabad oder Fort Akbar, ein ungleichseitiges Dreieck aus rotem Sandstein, von fast 2 Km Umfang, mit 3 hefonders von 26 m Höhe. An ihnen zeichnet sich besonders der nördl. Eingang durch die Menge der Mosaik⸗ und Steinarbeit aus. derselben erhebt sich der roßartige Palast von Schah Dschehan, aus weißem armor, neben ihm die schöne Moti-Maßjit, d. h. Perlenmoschee. Vor dem Fort liegt die Dschammamoschee und in geringer Entfernung von der Stadt in dem Nam-Bagh, einem großen, an Blumen und Früchten reichen Garten, das achteckige Grabgebäude Ettimad Daulats. Unmittelbar an der Dschamna, 2 km südlich von A., liegt der Tadsch-Mahal, das berühmte Grabgebäude, welches der Großmoul Schah Dschehan (1628 —58) für seine Gemahin Archimand Banu, mit dem Beinamen Mumtazi Mahal oder Mumtazi Zemani oder Nur Dschehan, hatte errichten lassen und in welchem er später ebenfalls beigesetzt wurde. Dasselbe, noch jetzt gänzlich erhalten, ist das schönste Bauwerk in ganz Asien. Es besteht ganz aus weißem Marmor und erhebt sich innerhalb eines Gartens voll hoher Cypressen, Marmorbecken, Springbrunnen, Blumenbeete und Fruchtbäume, in welchen ein großartiges gewölbtes Thor aus dem äußern, mit einer Mauer aus rotem Sandstein umgebenen, mit vier Thoren versehenen Hofe auf eine höhere Terrasse führt als die, welche den äußern Hofraum bildet. Das Hauptgebäude trägt eine 61 m hohe, 21,5 mim Durchmesser haltende Hauptkuppel, umgeben von vier kleinern. Das Innere ist ein von unten bis in die Kuppel hinauf mit Mosaikarbeiten aus Achaten, Jaspis, Lapislazuli, farbigem Marmor u. s. w., welche Blumengewinde, Fruchtstücke und Inschriften in schwarzem Marmor darstellen, bedecktes Achteck, das an der Decke mit gitterartigen Marmorfenstern versehen 90 Die Grabtombe von Schah Dschehan ist etwas höher, aber minder reich verziert als die seiner Gemahlin. Die Zeichnung zu dem Gebäude soll von Schah Dschehan selbst herrühren und ein Italiener den Bau geleitet haben. Nach andern war ein Mohammedaner von Sahar der Architekt, unter dem die verschiedensten Künstler aus allen Gegenden Indiens, aus Persien, Kabul und selbst aus der Türkei (in Indien Rum genannt) an dem Gebäude beschäftigt waren. Die Kosten sollen sich auf 16 Mill. Mark belaufen haben. Die brit. Regierung sorgt für die Erhaltung des Baues. Von A. 10 km nordwestlich liegt das Dorf Secundra oder Sikandra, mit dem gleichfalls großartigen und prachtvollen, von Dschehan-Ghir für seinen Vater Akbar d. Gr. errichteten Grabgebäude. — Die Division A. zählt auf 26 324 qkm (1872) 5040919 E., meist Hindus, und zerfällt in sechs Distrikte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 225Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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