FeedAgoult
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Agoult (Marie Catherine Sophie de Flavigny, Gräfin d'), franz. Schriftstellerin, bekannt unter dem angenommenen Namen Daniel Stern, geb. 31. Dez. 1805 in Frankfurt a. M., wo ihr Vater, Vicomte de Flavigny, während der Emigration Marie Bethmann, aus dem bekannten Bankierhause, geheiratet hatte. Zu Paris im Kloster erzogen, wurde Mademoiselle de Flavigny 1827 die Gattin des Grafen von A. und war sodann lange auf Reisen in der Schweiz, in Italien und Deutschland. Ihre ersten Arbeiten, hübsche Novellen: Hervé, (Julieno, Valentia o, Nélidao, erschienen 1841 —45 im Feuilleton der Presse und erregten Aufsehen. Die Rerue des deux mondeso brachte sodann von ihr Aufsätze über deutsche Zustände; Nachträge dazu lieferte die „Revue indépendanten (1847). Nach der Februarrevolution von 1848 machte die Gräfin d'A. einen Streifzug in das Gebiet der Politik mit den „Lettres républicaineso, worin Sitten und Menschen unter Ludwig Philipp sehr streng beurteilt wurden, und mit der «Histoire de la révolution de 18485 (2 Bde., 1851; neue illustrierte Aufl., c1866), die hingegen alle Begebenheiten und Personen jener Zeit zu sehr verherrlicht. Am glücklichsten eignete sich die Gräfin d'A. die Form der Maximen und Aphorismen an, wie ihre «Esquisses moraleso (1849; neue Aufl. 1880) beweisen, ihr bestes Werk, das auch den meisten Anklang fand; es ist ein ethisches Hilfs⸗ und Handbuch, das über die Tendenzen und Bedrängnisse unserer Zeit, die Konflikte der Moral mit den Leidenschaften, die verschiedenen Lagen des Menschenlebens sich in bündiger, anziehender und besonnener Weise ausspricht. Seitdem erschienen: Trois journées de la vie de Marie Stuarto (1856); „Florence et Turino, ästhetische und polit. Studien (1862); Dante et Goethey, Dialoge (1866); (Histoire des commencements de la république aux Pays-Baso (1872). Sie starb 5. März 1876 zu Paris und hinterließ einen Band Memoiren (Mes souvenirs o, 1877), in welchen sie die Gesellschaft der Restauration treu und lebendig schildert. Vgl. A. Pommier, «Biographie de Madame d'A. (Paris 1867), ferner eine Studie von K. Hillebrand (in Ihands 5 erl. 1878) und die Einleitung L. de Ronchauds zur zweiten Auflage der Esquisses morales o (1880). — Ihre Tochter, Claire Christine, Gräfin de Charnacé, geb. 10. Aug. 1830, Gattin des Grafen Girard de Charnacé, schreibt unter dem Pseudonym C. de Sault. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. Eine zweite Tochter der A. war mit Emile Ollivier, eine dritte, Cosima, früher die Gattin des Pianisten Hans von Bülow, ist seit 1870 mit Richard Wagner vermählt; die beiden letztern sind Töchter von Franz Liszt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 225Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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