FeedAkademien
AllerleiBrockhaus 1882

Akademien, in der Bedeutung von HBandtentvereinen zur Förderung der Wissenschaft, sind entweder Privatanstalten, sog. freie A., oder vom Staate gegründete und unterhaltene öffentliche Institute. Beide stimmen darin überein, daß sie die Wissenschaft nicht in Rücksicht auf praktische Zwecke, sondern um ihrer selbst willen pflegen und entwickeln wollen. Die erste Akademie in M-Sinne war das von Ptolemäus I. gegründete Museum zu Alexandria in Agypten. Nach ihrem Muter stifteten seit Ende des 1. Jahrh. die Juden als flegstätten talmudischer Gelehrsamkeit ihre A. zu abne und Tiberias in Palästina, zu Nahardea, ura und Pumbeditha in Mesopotamien und Ba-R. Manf und später die Kalifen der Araber, wie (⸗Mansur und Al-Mamun, in ihren Residenzen ähnliche Anstalten. Die auf Alcuins Rat von Karl d. Gr. gegründete Akademie ging nach des erstern Tode wieder ein. Während der folgenden Jahrhunderte findet sich keine Spur einer Akademie im Abendlande; Wissenschaft und Gelehrsamkeit hatten sich in die Klöster geflüchtet. Die von Brunetto Latini gestiftete Akademie der schönen Künste zu Florenz (1270), die von König Friedrich II. von Sicilien 1300 zu Palermo begründete u Toulouje zur Pflege der ital. Poesie, die 1323 zu Toulouse gebildete Académie des jeux floraux waren nur der Pflege der Dichtkunst und der poetischen Unterhaltung gewidmet. Erst mit dem Wiederaufleben der klassischen Studien entstanden etwa ch itte des 15. Jahrh., im Gegensatze zu klöster 1906 Gebundenheit und kirchlicher Beschränkung, Vereine gelehrter und wissenschaftlich gebildeter Männer, in welchen die freiere Bewegung der Geister, die um jene Zeit begann, gepflegt und genährt ward. Als erster dieser Vereine mit humanistischer Tendenz kann die 1433 von Ant. Beccadelli aus Palermo in Neapel begründete Akademie betrachtet werden, die besonders durch G. G. Pontano gehoben und deshalb gewöhnlich Academia Pontaniana genannt ward. on größerer Wichtigkeit war jedoch die Academia Platonica in Florenz, die, 147⁴4 von edeit de' Medici Rachiav Marsilius Ficinus, Pico della Mirandola, Machiavelli, Angelo Poliziano zu ihren Mitgliedern zählte, sich aber 1521 auflöste. Sie beschäftigte sich besonders mit Platonischer Philosophie sowie mit Veredlung der ital. Sprache und dem Studium Dantes und diente ierin vielen andern Vereinen dieser Art, die sich im aufe des 16. Jahrh. in allen größern Städten Italiens bildeten, zum Muster und Vorbild. Vorzugsweise der Reinigung und Veredlung der ital. Sprache widmete sich die Accademia della Crusca, die 1582 durch den Dichter br Wor zu Florenz begründet ward und durch ihr Wörterbuch großen Einfluß gewonnen hat. Einen gelehrten Zweck verfolgte die 1560 zu Neapel gestiftete Academia secréetorum naturae für das Studium der Naturwissenschaften, die jedoch bald durch die Kirche unterdrückt wurde. Unter die Nachahmungen derselben ehört die Accademia de' Lincei zu Rom, die vom ürer Cesi 1609 gestiftet ward, Galilei zu ihrem itgliede zählte, sich aber nach dem Tode Cesis (1632) nicht länger halten konnte. Außerdem ist noch aus jener Zeit zu nennen die Academia antiquaria zu Rom, die 1498 von aun Iaher Lätus ins Leben o Fednt von Papst Paul II. aber wegen Ketzerei und heidnischer Gesinnung verfolgt wurde, sowie die philol. Akademie, die, von Aldus Manutius (s. d.) 1495 zu Venedig gestiftet, 106 um die kritische Herausgabe der alten Klassiker große Verdienste erwarb. Alle diese zahlreichen Vereine in Italien waren freie A., hier und da wohl von Fürsten unterstützt, nicht aber vom Staate autorisiert. Mit den ander derrb Studien gelangten die A. auch in die änder des ubrigen Europa. So begründete Joh. Clem. von Dalberg auf Veranlassung von Conrad Celtes 1490 die kaiserl. Sodalitas Celtica oder Rhenana zu Worms, und um dieselbe Zeit (1490) Conrad Celtes selbst die Sodalitas literaria Danubiana, die 1498 nach Wien verlegt ward. Während die Crusca (s. d.) in den deutschen Sprachgesellschaften des 17. isensc Nachahmung fand, dienten die den Naturwissenschaften gewidmeten Vereine der Royal Society of London (1645 als Privatverein begründet) und in Deutschland der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie zum Vorbild. In Frankreich gelangte der Begriff Akademie zu einer bedeutsamen Ausbildung, indem hier Richelieu 1635 eine bescheidene Privatgesellschaft in eine nationale Anstalt, die Académie Française verwandelte, die später durch die Revolution mit ihren Schwesteranstalten zusammen den Namen Institut de France erhielt. Dieses vom Staate glänzend unterhaltene, aber auch von Regierung und Hof beherrschte Nationalinstitut hat einen tiefeingreifenden, teils fördernden, teils hemmenden Einfluß auf die Entwickelung der sog. klassischen Litteraturepoche Frankreichs ausgeübt. Nach dem Vorgange und dem Muster in Paris wurden in der Folgezeit auch in den Hauptstädten der meisten übrigen europ. Staaten A. errichtet, von denen sich einige ebenfalls zu nationalen Centralinstituten gestaltet haben, wie die zu Madrid, Lissabon Stodholm Petersburg. 9 England, Italien und Deutschland ist es zu Her en Nationalinstituten nicht gekommen, weil hier teils die staatlichen Verhältnisse, teils die eigentümliche Entwickelung des wissenschaftlichen Geistes die Centralisation verhindern. Hat dies namentlich in Deutschland einerseits zu einer in mancher Beziehung ehet, so n Zersplitterung der Mittel und 1ch de geführt, so ist senschaft ihr andererseits auch der deutschen Wissenschaft ihre Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Vielseitigkeit bewahrt worden. In Deutschland 30 wesentlich den Universitäten, neben ihrem Lehrberufe, auch die Pflege und Fortbildung der Wissenschaft geblieben, und die von den einzelnen Staaten gestifteten A. konnten schon darum nicht zu Glanz und Einfluß gelangen. Was die Organisation der unter Schutz und mit Unterstützung des Staats wirkenden A. betrifft, so folgt ein Teil derselben bezüglich der Gliederung dem Vorbilde der pariser Akademie, andere, wie namentlich die deuts en schlagen einen selbständigern Weg ein. Die deutschen A. zerfallen in der Regel in zwei oder drei Klassen, von denen wenigstens eine Klasse für die mathem. und Naturwissenschaften, die andere für Philosophie, Philolo-A und Geschichte bestimmt ist. Die Mitglieder der „bei mehrern derselben besoldet, teilen sich getende M in ordentliche, Ehren⸗ und korrespondierende Mitglieder und wählen sich entweder selbst ein Fach der Wissenschaft zur Bearbeitung, oder es wird ihnen ein solches von der Regierung (wie in Petersburg) übertragen. Die Arbeiten der Mitglieder werden in regelmäßigen Versammlungen vorgelesen und in den Denkschriften (lat. Acta, Commentarii, ital. Atti, Memorie, franz. Mémoires, engl. Transactions) der A. abgedruckt. Auch stellen die Mitglieder über schwierige, noch wenig behandelte wissenschaftliche Gegenstände und Fragen Preisaufgaben. Kürzere Vorträge, Berichte über den Verlauf der Sitzungen, Notizen über Verwaltung und Personal des Instituts, uhnran denzen u. dgl. werden zeitschriftartig dem Publikum durch die Sitzungsberichte oder Monatsberichte lengl. Proceedings, franz. Bulletins, Comptes rendus) mitgeteilt. Wie mehrere wirkliche A. nicht diesen Namen führen, sondern sich bloß als Gesellschaften oder Societäten der Wissenschaften bezeichnen, nennen sich wiederum manche gelehrte Vereine A., ohne daß sie denselben Wue 1 werden dürfen. Vgl. Grimm, «über Schule, Universität, Akademie v (Berl. 1850). Die wichtigsten und lgende: Iu 3 unter den jetzt bestehenden A. sind folgende: In Frankreich bestehen neben dem erwähnten Institut de France (s. d.) mit seinen fünf einzelnen A. zahlreiche Gelehrtengesellschaften in den Provinzen, welche meist den Titel Académie des sciences, belles-lettres et arts führen und teilweise auch die Agrikultur oder die Altertumskunde als besondere Zweige in ihren Wirkungskreis ziehen. Unter ihnen sind die A zu Angers, Bordeaux, Clermont-Ferrand, Caen, Lyon, Dijon, Lille, Amiens, Arras, Marseille, Reims, Toulouse, Nancy (Académie de Stanislas), Rouen, Orléeans hervorzuheben, welche sämtlich „Mémoires v verö rachen Berichte über die in den Schriften der A. un Aubetens Gesellschaften Frankreichs erschienenen Arbeiten geschichtlichen, archäol. und philol. Inhalts gibt die «Revue des sociétés savantes des départementsy. In Spanien bestehen zu Madrid, außer der Real Academia espanola, welche von Philipp V. 1713 für Reinerhaltung und weitere Ausbildung der castilian. Sprache gegründet ward, noch die Real Academsa de la historia, gestiftet 1738, der die span. Geschichtsforschung und die Oberaufsicht über die Altertümer obliegt, und die 1847 errichtete Academia real de ciencias, welche in drei Klassen (exakte, physik. und Naturwissenschaften) zerfällt. Nach Vorbild des Französischen Instituts ist seit 1858 hierzu noch eine Real Academia de ciencias morales y politicas getreten. Die gelehrten Gesellschaften in den Provinzialstädten sind unbedeutend. In Portugal beseht die Academia real das sciencias, welche 1779 begründet, 1851 reorganisiert ward, in zwei Klassen zerfällt (die erstere mit den Sektionen Mathematik, physik. Wissenschaften, Medizin, Naturgeschichte und angewandte Wissenschaften, die zweite mit Sektionen für schöne Litteratur, moraliche und polit. Wissenschaften, Jurisprudenz, Geschichte und Altertumskunde) und seit ihrer Reorganisation eine achtungswerte Thätigkeit diese di hat. Unter den A. Italiens, soweit diese die modernen Formen angenommen haben, sind außer der Crusca (s. d.) . 1) die Accademia reale delle scienze zu Turin, 1757 als Privatverein gestiftet, seit 1783 königl. Febiete⸗ die namentlich auf dem mathem. ⸗physik. ebiete Vorzügliches geleistet hat. Sie gibt seit 1759 wihre Denkschriften (zuerst als „Miscellanea philosophica-mathematican, dann als Mémoires de Pacadémie v, seit 1818 [Bd. 23] als (Memorie della R. Accademiao) heraus, seit 1865 auch Sitzungsberichte unter dem Titel «Atti; 2) zu Mailand das Reale Istituto Lombardo di scienze, lettere ed arti, das in seiner gegenwärtigen Form 1838 gleichzeitig mit 3) dem Istituto Veneto begründet ward; 4) die Accademia di scienze, lettere ed arti zu Padua seit 1779; 5) das Ateneo di scienze e belle lettere zu Brescia (seit 1801); 9 das Istituto di Bologna, 1712 gestiftet, 1829 von apst Pius VIII. erneuert; 7) die Società Italiana delle scienze zu Modena; 8) die Akademie der Arkadier (s. d.) zu Rom; 9) ebendaselbst die Accademia de nuovi Lincei, gestiftet 3. uli 1847 von Pius IX.; 10) die 1657 gegründete Aocademia del Cimento zu Florenz, wo auch seit 1752 eine Accademia dei Georgofili besteht, die zwar nur der Landwirtschaft gewidmet ist, aber wichtige (Atti v Bocietn ne 11) in Neapel veröffentlicht die Nuova ociet Reale (1861 reorganisiert) Attiv und England besitzt zwar in Bezug auf Namen und Einrichtung keine A. im kontinentalen Sinne, doch gehört in Bezug auf die Wichtigkeit ihrer Leistungen hierher die schon erwähnte oyal Society ok London (begründet 1663), welche bis 1800 bereits 90 Bände ihrer «Philosophical Transactions v und seitdem jedes Jahr einen Band veröffentlicht hat. Die zu Dublin in Irland 1782 begründete und größtenteils aus Mitgliedern der Universität bestehende Royal Academy of sciences läßt ebenfalls Transactionsv und (seit 1836) Proceedingso erscheinen. In Belgien nimmt den ersten Rang die Académie royale des sciences, des lettres et des beaux- arts zu Brüssel (seit 1816) ein, welche 1845 reorganisiert ward und in drei Klassen (Wissenschaften Haften Litteratur und moralische und polit. Wissenschaften) zerfällt, Mémoiresy sowie Mémoires couronnés et Mémoires des savants étrangers „, 4 Bulletinso und (Annuaireso herausgibt. In den Niederlanden wurde 1808 von König Ludwig das Koninglijke Nederlandsche instituut van wetenschappen, letterkunde en schoone kunsten zu Amsterdam gestiftet, welches 1852 in eine Akademie van wetenschappen verwandelt wurde und Verhandelingen und «Verslagen en Mededeelingeno herausgibt. Daneben sind noch zu nennen: Maatschappij der wetenschappen zu Haarlem (gestiftet 1752), die Zeeuvsch genootschap der wetenschappen seit 1768 zu Middelburg, die Provinciaal genootschap van kunsten en wetenschappen seit 1777 zu Utrecht, die Bataviaasch genootschap zu Rotterdam, 1773 gestiftet. Dänemark besitzt eine nationale Akademie in Det kongelige danske Videnskabernes Selskab, die 1742 gestiftet ward, in eine philos.⸗histor. und mathem.⸗ naturwissenschaftliche Klasse zerfällt und wertvolle Denkschriften (6Skrifterv, Afhandlingero) peröffentlicht. In Norwegen besteht die Kongelige norske Videnskabernes Selskab zu Drontheim, gestiftet 1760, welche für die 0 aun der tenider Landn im allgemeinen, aber auch zum Besten der andwirtschaft und Industrie wirkt, und die 1857 gegründete Videnskabs-Selskab in Christiania, welche seit 1858 Forhandlingerv veröffentlicht. Schweden besitzt u Stockholm drei A.: 1) die Konglika Svenska etenskaps Akademien, die 1739 von dem Grafen Höpken und Linné begründet, 1820 neu eingerichtet ward und von Anfang an Handlingaro, daneben in neuerer Zeit auch Arsberättelsero veröffentlicht hat; 2) die Konglika Svenska Vitterhets Akademie, gestiftet 1739 zu Drottningholm, 1786 nach dem Muster der pariser Akademie der Inschriften eingerichtet und nach Sdie verlegt, gibt ebenfalls Handlingary heraus; 3 die Svenska Akademien, 1786 im franz. Sinne zur Vervollkommnung der Landessprache gegründet. Wertvolle „Nova acta y läßt die Regia societas scientiarum zu Upsala seit 1773 erscheinen. Hieran reiht sich in Finland die Societas scientiarum Fennica zu, Helsingfors, die seit 1842 Actay und seit 1853 4Ofversigtero veröffentlicht. In Rußland wurde zu der kaiserl. Akademie der Wissenschaften von Peter d. Gr. der Plan entworfen und 1725 ausgeführt. Mit derselben wurde 1841 auch die 1783 von der russ. Regierung gegründete Akademie für die russ. Sprache verbunden; letztere veröffentlichte ihre Arbeiten in russ., erstere in franz. oder deutscher Sprache. In Deutschland sind besonders hervorzuheben: 1) die Leopoldinisch-Karolinische Akademie der Naturforscher, welche 1. Jan. 1652 von dem Arzt Bausch in Schweinfurt unter dem Namen Academia naturae curiosorum gestiftet wurde, später aber zu Ehren Leopolds I., der sie vorzüglich begünstigte, den Namen Caesarea-Leopoldina naturae curiosorum annahm und seit 1818 ihren Mittelpunkt in Bonn hatte. Der Sitz der Akademie wechselt mit dem Wohnort des Präsidenten (seit w1830 unter Nees von Esenbeck in Breslau, seit 1858 unter Kieser in Jena, seit 1862 unter Carus in Dresden, seit 1869 unter Behn in Hamburg). Der Standort der Bibliothek wechselte sonst ebenfalls mit dem Sitz des Präsidenten, ist jedoch seit 1862 dauernd Dresden geworden. Die Schriften der Akademie erschienen unter mehrfachen Titeln: «Miscellanea curiosorum (1705 fg.), Ephemerides (1722 fg.), später als Actay und seit 1757 als Nova Actav. Amtliches Organ ist seit 1859 die Leopoldina v. Vgl. Nees von Esenbeck, «Vergangenheit und Zukunft der kaiserl. Leopoldinisch-Karolinischen Akademie der er Wisenschaf (Bresl. 1851). 2) Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin, welche 1700 auf Anregung und nach dem Plane Leibniz von König Friedrich J. r thre jedoch erst 1711 eröffnet ward. Leibniz war ihr erster Präsident. Unter Friedrich Wilhelm I. von geringerer Bedeutung, ward sie 1744 — senschaft d. Gr. als Königliche Akademie der Wissenschaften unter Vorsitz von Maupertuis mit neuem Glanze eröffnet. Gemäß der Umgestaltung, die sie 1812 durch Friedrich Wilhelm III. erfuhr, bezweckt sie die Prüfung des Vorhandenen sowie weitere Forschung auf dem Gebiete der Wissenschafto und zerfällt in vier Dbitl. (für mathem., physikal., philos. und histor.⸗philol. Wissenschaften). Die Mitglieder teilen sich in ordentliche, auswärtige, Ehren⸗ und korrespondierende Mitglieder. Die berliner Akademie gibt „Abhandlungen» (bis 1803 (Mémoireso und (Nouvelles Mémoires ↄ) und (Monatsberichten heraus. Von den Werken, die unter ihrer Mitwirkung und mit 3500 Unterstützung erschienen, sind besonders das öckhsche „Corpus inscriptionum graecarumv (1828—59), das 4Corpus inscriptionum latinarumo (seit 1863), das Corpus inscriptionum atticarum v (seit w1873) und die Monumenta Germaniae (seit 1874) hervorzuheben. Sonst sind in Deutschland noch zu nennen: 3) die Königliche Ge9211750 der Wissenschaften zu Göttingen, begründet 1750, die in naher Verbindung mit der Universität steht und ebenfalls Abhandlungenv (bis 1837 Commentationeso) und 4 Gelehrte „Rademt her⸗ „ausgibt. 4) Die Königlich Bayrische Akademie der Wissen aften zu München, 1759 vorzugsweise für Geschichte gestiftet, welchen Beruf sie durch die Herausgabe der Monumenta Boicap bethätigte. Die Anstalt erhielt indes 1809 einen erweiterten Wirkungskreis, 1829 ihre gegenwärtige Verfassung und zerfällt seitdem in drei Klassen (philos.philol., ihrin Weabindnn und histor. Wissenschaften). Mit ihr in Verbindung steht (seit 1852) eine naturwissenschaftlich-technische sowie eine histor. Kommission, welche beide auch litterarisch thätig sind. Die Akademie selbst veröffentlicht Abhandlungeno und „Sitzungsberichtev. 5) Die Königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, die 1. Juli 1846 eröffnet ward, sich in zwei Klassen, eine mathematisch-physikalische und eine 994 6 ch-philologische, teilt und Abhandlungeno und „Berichtev veröffentlicht. In Beziehung zu derselben steht die schon 1768 fi tiftete, aber erst 1774 ins Leben getretene Fürstich Jablonowskische Gesellschaft der Wissenschaften, welche Preisfragen aus der poln. —* te, der Nationalökonomie, der Physik und Mathematik stellt und die gekrönten Preisschriften drucken läßt. 6) Die 19. Juli 1754 gegründete Akademie gemeinnütziger Wi Salbt, d. in Erfurt, „ Jahrbüchero herausgibt. In Osterreich ist die bedeutendste A. die 30. Mai 1846 ins Leben haren sie Kaiserliche Akademie der Wissenschaften zu Wien; sie zerfällt in eine mathem.⸗naturwissenschaftliche und eine histor.⸗philos. Klasse und hat bereits bändereiche herausgegeben. Eine aus Mitgliedern der Akademie gebildete histor. Kommission hat unter anderm auch die Veröffentlichung der „Fontes rerum austriacarum und der Monumenta Habsburgica begonnen. Hieran schließen sich die 1754 von dem Naturforscher Ignaz von Bora gegründete Böhmische Kbhand der Wissenschaften zu Prag, die ebenfalls «Abhandlungen v und «Sitzungsberichtey erscheinen läßt; dann in den außerdeutschen Ländern der österr. Monarchie die Gelehrte Gesellschaft zu Krakau und die Ungarische Akademie der Wissenschaften zu Budapest. Diese letztere wurde nach vielfachen Gbeionder (schon im 15. Jahrh.) und Entwürfen (besonders im 18. Jahrh.) im J. 1825 auf dem Preßburger Reichstage, wo Graf Stefan Széchenyi (s. d.) zu diesem Zwecke 60000 Fl. spendete, gegründet und eröffnete ihre Wirksamkeit 14. Febr. 1831. Ihre Aufgabe ist, die Wissenschaft in ungar. Sprache 1 pflegen, zu verbreiten und zu fördern. Sie besteht aus drei Klassen: einer sprach⸗ und schönwissenschaftlichen, einer philosophisch-historischstaatswissenschaftlichen und einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse. Die A. veröffentlicht die Monumenta Hungariae historica v; unter deren Mitwirkung erscheint die Ungarische Revuer (von Hunfalvy) sowie Litterarische Berichte aus Ungarno (von Hunfalvy). Endlich die Jugoslavenska Akademija znanosti i umjetnosti zu Agram, die seit 1867 Denkschriften unter dem Titel Rady veröffentlicht. In Serbien gibt die Akademie zu Belgrad (USöeno drustvo) seit 1847 Abhandlungen (Glasniko) heraus. Der moslem. Orient hat nach dem Vorbild des Abendlandes zwei Institute erhalten, welche den Namen A. der Mißensch Das ältere von beiden, der Verein der Wissenschaften (Endschümeni Danish), wurde 1851 als Staatsanstalt zu Konstantinopel begründet, hat aber noch kein Lebenszeichen von sich gegeben. Das andere, das von Said Pascha 1859 zu Alexandria begründete Institut Egyptien hingegen hat seit 1862 mit der Herausgabe ziemlich inhaltreicher Mémoiresyv und «Bulletins v begonnen. Von ähnlichen Heurn⸗ in außereurop. Ländern sind hervorzuheben: in Nordamerika, außer der Smithsonian Institution d.), die American philosophical Society zu hiladelphia, die älteste in Amerika (seit 1769), die American Academy of arts and sciences zu Boston (seit 1780), die Connecticut Academy of arts and sciences zu Newhaven (seit 1799) und das Columbia Institute zu Washington H 182¹) unter Vorsitz des Präsidenten, zu denen März 1863 die nach einem großartigen und umfassenden Plane begründete National Academy of sciences als ein von der Union anerkanntes Institut getreten ist. Letztere zerfällt in zwei Klassen, eine mathematischphysikalische und eine naturgeschichtliche, deren jede wieder in mehrere Sektionen sich gliedert. In den englisch-australischen Kolonien hat namentlich die Royal Society of Victoria (früher Philosophical Institute) eine beachtenswerte wissenschaftliche Thätigkeit entwickelt. Dasselbe gilt auch von der schon seit 1781 zu Batavia bestehenden Genootschap van kunsten en wetenschappen, die sich besonders um die Kunde der Natur⸗ und Völkerverhältnisse der süd⸗ und ostasiat. Welt verdient gemacht hat. (Vgl. Gelehrte Gesellschaften.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 285Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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