FeedAlessandria
ErdkundeBrockhaus 1882

Alessandria, mit dem Spottnamen della paglia (d. i. die stroherne, weil die Mauern sonst aus mit Stroh durchknetetem Lehm aufgeführt waren), starke Festung und Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (5055 àkm, 1876 mit 715 069 E.), am Einfluß der Bormida in den Tanaro, in sumpfiger Gegend gelegen, ward 1168 von den Cremonesern, Mailändern und Piacentinern gegen Kaiser Friedrich I. erbaut und Chren seinen Namen dem Papst Alexander III. zu Ehren, der ein Bistum dahin verlegte. Die gut gebaute Stadt hat sieben Hauptplätze, deren schönster am Carlo-⸗Alberto-Kanal liegt. Von den 19 Kirchen ist die 1823 erbaute Kathedrale und die uralte Kirche Sta.⸗Maria di Castello bemerkenswert. Letztere stand Hate in der alten Feste Rovereto, in deren Nähe später A. erbaut wurde. Von andern öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus: der königl. Palast, der Palast der Ghilini, eine Kaserne für mehr als 3000 Mann und ein großer Camposanto. Eine bedeckte Brücke * auf das linke Ufer des Tanaro zur Citadelle, die 1728 an Stelle der Vorstadt Bergoglio erbaut ward. Die Akademie der Wissenschaften und Künste, dei Immobili genannt, wurde 1562 gegründet. A. zählt mit Einschluß der Corpi-Santi oder der unmittelbaren Umgebung (1878) 59241 C., welche bedeutende Manufakturen in leinenen, wollenen und seidenen Zeugen, Strümpfen und Hüten unterhalten, berühmten Gartenbau und lebhaften Handel betreiben. Auch werden in A. . Wilde zwei ehr besuchte Messen abgehalten. A. bildet den ittelpunkt des Verkehrs zwischen Genua, Turin und Mailand und ist Knotenpunkt von sechs Eisenbahnen (nach Turin, Mailand, Modena, Genua, Savona und Cuneo). Die Stadt wurde 1522 vom Herzog Sforza erobert und geplündert, 1657 von den Franzosen unter Prinz Conti vergeblich belagert, 1707 von Prinz Eugen eingenommen und kam 1713 an den Herzog von Savoyen. Seit 1796 gehörte sie den Franzosen, war während der franz. Herrschaft Hauptstadt des Depart. Marengo und wurde 1799 von Suworow erobert. Nach der Schlacht bei Marengo schloß hier 16. Juni 1800 der österr. General Melas mit Bonaparte einen Waffenstillstand, durch welchen Oberitalien bis an den Mincio und 12 Festungen den Franzosen eingeräumt wurden. Nach Unterdrückung der piemont. Revolution von 1821 hielten die Ssterreicher den Platz mehrere Jahre besetzt. Während des Kriegs von 1848 und 1849, wo A. Sardiniens Hauptwaffenplatz war, h deue man die Befestigungen, mußte A. aber nach der Schlacht von Novara den Osterreichern als Pfand des Friedens einräumen, bis letzterer unterzeichnet war. Seit 1856 wurden die Festungswerke sehr erweitert und verstärkt. lessandrini (Antonio), ital. Arzt und Anatom, geb. 30. Juni 1786 in Bologna, studierte in Modena, dann in Bologna Medizin, wo er das Amt eines Prosektors erhielt. Auf seine Veranlassung wurden hier bedeutende Museen für verleichende Anatomie, vergleichende Pathologie und Paläontologie errichtet. Seine Schriften erstrecken sich auf Zoologie, Anatomie und Chirurgie. Er war ein ausgezeichneter Alund der vergleichenden Anatomie und der Tierheilkunde, welche ader Aret zuerst A. besonders pflegte, ein teilnehmender Arzt, ein umsichtiger Sanitätsbeamter; als 1836 und 1849 die Cholera Der Kra nahte, rettete er durch die Et Trennung der Kranken von den Gesunden ie Stadt. A. starb 6. April 1861 zu Bologna.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 373Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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