FeedAlaun
NaturlehreBrockhaus 1882

Alaun, gebrannter (Alumen ustum), pharmaceutisches Präparat, ist wasserfreier Kali-Alaun. Der krystallisterte A. enthält 45,5 Proz. Krystallwasser, welches bei höherer Temperatur entweicht. Zur Darstellung soll der krystallisierte A. in einem thönernen, 6 glasierten, irdenen Gefäß mäßig erhitzt werden. Bei einer Temperatur von etwa 90C. tritt al unter 30 der Krystalle ein, die Masse kocht lebhaft unter Abgabe des größern Teils des Wassers; später wird sie unter Bildung von größern Dampfblasen zähflüssig und erstarrt dann zu einer voluminösen, lockern, schwammigen Substanz, die ein vier-bis fünfmal größeres Volumen als die angewandten Krystalle einnimmt. Bei der Bereitung im größern Maßstabe kann man statt des leicht zerspringenden Thongefäßes einen gußeisernen Kessel anwenden, den man nach dem Herausnehmen der gebrannten Masse mit frischen Krystallen beschickt. Der gebrannte A. muß rein weiß sein, sich in Wasser zwar langsam, aber ohne nennenswerte Trübung zu selbe untp l lösen und saure Reaktion haben. Derelbe wird in Form von feinem Pulver zum Stillen von Blutungen, bei wunden Stellen, zu Zahnpulvern u. s. w. verwandt. Alann, konzentrierter (löslicher A. oder kalifreier Alaunkuchen), ist schwefelsaure Thonerde, entspricht. Bei den meisten Verwendungen des gewöhnlichen A. kommt nur sein Gehalt an Thonerde in Betracht, der Gehalt an schwefelsaurem Kali, resp. Ammoniak ist mehr oder weniger nutzloser Ballast, der der schwefelsauren Thonerde nur zugefügt wird, um durch die große Krystallisationsfähigkeit des A. das Thonerdesalz von fremden begleitenden Unreinigkeiten trennen zu können. Der Kali-Alaun enthält nur 10,8 Proz., der Ammoniak-Alaun nur 11,9 Proz. Thonerde. Der wertvollste Bestandteil des Materials macht daher nur einen kleinen Bruchteil desselben aus. In der schwefelsauren Thonerde sind dagegen 15,4 Proz. Thonerde enthalten, und dieses Salz ist daher bei gleicher Reinheit in dem Verhältnis seines höhern Thonerdegehalts wertvoller für alle Verwendungen. Zur Darstellung wird möglichst eisenfreier Thon mit Schwefelsäure aufgeschlossen, wie bei der Bereitung des A.; zur Abscheidung des Eisengehalts wird die geklärte Lauge mit Ferrocyankalium versetzt, der dabei entstehende blaue Niederschlag kann auf Berlinerblau verwertet oder wieder in Ferrocyankalium verwandelt werden. Die von Eisen befreite Lauge wird in bleiernen Pfannen so weit verdampft, bis ein Tropfen beim Erkalten erstarrt, worauf die konzentrierte Flüssigkeit in flache kupferne oder bleierne Kasten gegossen wird, in denen sie beim Erkalten vollkommen fest wird. — Ein sehr wertvolles Rohmaterial für die Darstellung des konzentrierten A. ist das bei der Darstellung der Soda aus Kryolith als n vötnren gewonnene Thonerdehydrat, weil dieses völlig frei von Eisen ist. Man bemißt dabei das Verhältnis von Thonerdehydrat, Schwefelsäure und Wasser so, daß die drei Bestandteile in solchem Verhältnis gemischt werden, daß nach ihrer Vereinigung das Salz von obiger Zusammensetzung entsteht. Ist das Verhältnis richtig gewählt, so verbindet das Thonerdehydrat sich mit der Schwefelsäure und dem Wasser unter lebhafter Wärmeentwickelung; die Flüssigkeit erstarrt dann nach dem Erkalten, ohne daß eine Verdampfung vorgenommen zu werden braucht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 323Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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