Algen sind eine niedere Klasse der Kryptogamen und bilden mit den Pilzen und Flechten die Gruppe der Thallophyten oder Lagerpflanzen. Durch Chlorophyllgehalt wie durch die Fähigkeit der Assimilation, aus unorganischen Substanzen, Kohlensäure und Wasser organische Pflanzenstoffe unter dem Einflusse des Lichts zu gewinnen und 1 somit selbst zu ernähren, sind sie von den entwickelungsgeschichtlich ihnen nahestehenden Pilzen unterschieden. A. wachsen im Wasser frei schwimmend, oder darin auf einem Gegenstande festgewachsen, oder auch in der 9 auf einer feuchten Unterlage. Der Aufbau des Algenkörpers oder Thallus läßt sich stufenweise von den niedersten bis zu den entwickeltsten blatt⸗ und strauchartigen Formen verfolgen. m einfachsten Falle ist die A. als selbständige flanze eine einzige Zelle von 1,5 Mikromillimeter urchmesser als unterste Größe, kugelig, cylindris ch, scheiben⸗, spindel⸗, nadel-oder tonnenförmig gestaltet, entweder isoliert oder zu kugeligen oder scheibenförmigen Kolonien wie auch einreihigen Bändern vereinigt. Die mehrzelligen A. sind zunächst einreihige unverzweigte oder verzweigte Fäden mit Spitzenwachstum der Endzelle, während die Glieder sich nur durch Querwände vermehren; sobald jedoch auch Teilungen in der Richtung der Längsachse eintreten, wird der Thallus bandförmig und hautartig, endlich auch mehrschichtig, wenn Zellwände parallel zur Unterlage gebildet werden. Vom einfachen Faden ausgehend, kann ein sehr komplizierter Algenkörper gebildet werden, wenn die Scheitelzelle nach einer Querteilung in zwei sekundäre Gliederzellen, dann —1— zwei sich kreuzende Längswände in vier Cylinderzellen zerfällt und von diesen alsdann durch tangentiale Wände Randzellen abgeschnitten werden. Durch fortgesetzte Teilungen bildet sich aus den letztern eine kleinzellige Rinde, aus den innern Zellen aber ein großzelliges Mark aus, beides echtem Parenchym entsprechend. Treten dann noch Verzweigungen mit gleichen Teilungsvorgängen der Endzelle hinzu, so entstehen die strauch⸗-‚ baum⸗ und Postineae Bildungen der Tange des Meeres, die oft in riesigen Dimensionen, an der Basis mit Haftorganen ausgestattet, auf einer Unterlage aufsitzen, oder von dieser losgerissen im Meere umherschwimmen. Die Fortpflanzung ist Gleuiluen e und geschlechtlich. Bei der ungeschlechtlichen teilt sich die Zelle einfach in zwei oder vier Tochterzellen, die zur Mutterpflanze heranwachsen; oder aus dem Zellinhalte bilden sich ei⸗ oder birnförmige, mit Flimmerfäden ausgestattete nackte Zellen, Schwärmsporen, aus, welche die Mutterzellhaut durchbrechen, nach einer Schwärmperiode aber zur Ruhe kommen und keimen. In einem andern Falle füllt sich irgendeine vegetative Zelle sehr mit Inhalt an, umgibt sich mit einer stärkern Membran, tritt aus dem Verbande, um nach längerer Ruhe zur Mutterzelle heranzukeimen. Solche nur ungeschlechtlich sich vermehrenden A. nennt man Agam ä. Die geschlechtsch. Fortpflanzung geht in verschiedener Weise vor sich. Zunächst können ganz gleichwertige Schwärmsporen oder Zellen Eere Inhalt vereinigen und kopulieren. Die kopulierenden Elemente nennt man Gameten, das aus ihnen entstandene Produkt, welches nun keimt oder irgendeiner andern Umbildung unterworfen wird, Zygote oder Zygospore. A. dieser Art Fortpflanzung heißen Isogamä. Wenn die lopulierenden Elemente differenziert sind in weibliche (Ei) und männliche (Samenkörper) oder in Makro⸗ und Mikrosporen, so ist schon eine höhere Entwickelung des Sexualaktes ausgesprochen. A. dieser Sexualität heißen Oogam ä. Wird endlich vor oder nach erfolgter Befruchtung als weibliches Organ ein Eiporen er Fruchtkörper angelegt, in dem erst die Eisporen erzeugt werden, so ist damit schon ein Analogon der Moosfrucht gegeben. Dies findet sich bei den Carposporeen. Nach der eigentümlichen Färbung des Inhalts lassen sich die A. in fünf Reihen aufstellen, die das Gerippe einer Systematik ergeben. Ist das im Wasser unlösliche, im Alkohol aber lösliche Chlorophyll mit dem goldgelben, dem Chlorophyll in Bezug auf seine Löslichkeit sich gleichverhaltenden hycoxanthin vermengt, so entsteht das gelbliche iatomin; tritt zu diesem Gemenge noch ein dritter brauner Farbstoff hinzu, das im Wasser auflösliche, im Alkohol aber unlösliche Phycophain, so ent-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. haht das mehr dunkelbraune Phäophyll. Wenn das Chlorophyll mit dem blauen, dem Phycophain gleich verhaltenden Phycocyan gemengt ist, so schrom; ist das Chlorophyll mit dem im Wasser löslichen Phycoéêrythrin gemischt, so ergibt sich das 1) Die Bacillariaceen (Diatomaceen, tomin gelblich gefärbt, umfassen mikroskopisch kleine, einzellige, freie oder zu Bändern und Fäden vereinigte, gestielte oder in Schleimröhren liegende stäb⸗ , schiffchen⸗, nadel⸗, tonnen⸗ oder scheibenförmige zierliche A., deren Zellhaut durch eingelagerte Kieselsäure glashell und starr sich zeigt und statt der fehlenden Stärke zuweilen Ol ehen die Durch den Gehalt an Kieselsäure widerstehen die Schalenstücke dererbrennung und Verwesung und kommen daher häufig fossil als feines weißliches Mehl unter dem Namen Kieselguhr, Infusorienerde, Bergmehl an vielen Orten, namentlich um Franzensbad in Böhmen und Ebsdorf bei Lüneburg, oder als ältere Niederschläge im Tripel und Polierschiefer vor, nicht minder bilden sie einen Hauptbestandteil der eßbaren Erde der Neger und Indianer. Ihre Eigenbewegung, die auf Iasmaubeiertcs Plasmafüßchen und bewegliche Plasmaüberzüge zurückgeführt wird, ist Ursache gewesen, daß Ehrenberg sie als Infusorien betrachtete. Die Zelle ehhrn aus zwei symmetrischen Hälften, die schachtelartig ineinander stecken. Die Seiten, in deren Richtung die Längsteilung erfolgt, heißen die Hauptseiten; die, welche geteilt werden, die Neben- oder Gürtelseiten. Die Hauptseite läßt bei entsprechender Vergrößerung, wenn der Zellinhalt durch Absterben oder Verbrennung zerstört und die Schalen lennen. sind, punkt- oder linienartige Zeichnungen erkennen, oft von solder Mifrontor daß an ihrer Auflösung die Güte der Mikroskope erkannt werden kann. Als Probe- und Testobjekt für Mikroskope gilt namentlich das nachen-⸗ und sigmaförmige Pleurosigma angulatum (s. Tafel: Algen, Fig. 13 u. b), welches bei 4 — 500maliger Vergrößerung drei Liniensysteme und sechseckige Felder zeigen muß. Neben der Teilung geht die Vermehrung noch durch Auxosporen vor sich „welche aus dem ausgetretenen Inhalt einzeln oder zu zweien sich bilden; letztere stehen zueinander in einer Wechselwirkung, welche einer Kopulation zu entsprechen scheint. Die Bacillariaceen sind demnach agam und isogam. 2) Die Cyanophyceen (Phycochromophyceen oder Schizosporeen) sind durch Phycochrom und eine spangrüne oder stahlblaue Färbung ausgezeichnet, die auch rötliche und gelbliche Nuancen zeigt. Alle Glieder dieser Gruppe, die ein⸗ und mehrzelligen, sind geschlechtslos oder agam, entbehren der Stärke und haben noch keinen Zellkern mit Sicherheit nachweisen lassen. A. Die einzelligen stellen kugelige, eiförmige oder eylindrische Zellen dar, die frei oder in einfachen und wiederholten Gallertumhüllungen und Einkapselungen angetroffen werden, wie die Chroococcaceen. B. Von den mehrzelligen sind bemerkenswert die Nostochineen, Rivulariaceen und Oscillarineen. Bei Nostoc, der Zitteralge (Fig. 4), sind kugelige Zellen zu rosenkranzähnlichen Schnüren vereinigt. Dazwischen befinden sich einzelne größere, aber inhaltsarme Zellen, die sog. Grenzzellen. Die verschlungenen Fäden sind von einer sackartigen, mehr oder weniger ausgebreiteten Haut umgeben. Die Glieder von Nostoc sphaeroides haben z. B. einen Durchmesser von 8—10 Mikromillimeter. Nostoc ist häufig an Felsen, auf Moos und Grastriften, das gallertartige Lager 5 namentlich nach Ischtt beträchtlich auf. C. Die Rivulariaceen s ließen sich den Nostochineen eng an, die inhaltsarmen Grenzzellen liegen r an der Basis, die peitschenartigen Fäden entspringen in dem gallertartigen, oft aber durch Kalkeinlagerungen recht hart werdenden kugeligen Lager in verschiedener Höhe 4117 3). Über der Grenzzelle schwillt häufig eine Zelle zu einer Dauerzelle an, welche der Vermehrung dient. Der Durchmesser der untern Zellen bei Rivularia nitida, die an Meeresküsten vorkommt, beträgt 8— 10 Mikromillimeter. Rivulariaceen sind namentlich in Kalkgebirgen häufig. D. Die Oscillarineen sind auf der Tafel durch Oscillaria Fröhlichii (Fig. 2) vertreten. Der spangrüne, unverzweigte Faden besteht aus scheibenförmigen Zellen, deren nhalt gleichmäßig verteilt und mit kleinen schwarzen Körnern erfüllt ist. Die Glieder sind 15 Mikromillimeter dick. Im Tageslichte vollführen die Fäden pendelartige Schwingungen, daher der Name Schwingfaden. Die Oscillarien kommen in allen Gewässern, selbst in den heißesten Thermen vor. Die Vermehrung geschieht nur vegetativ, indem der Faden in einzelne Gliederstücke, Hormogonien, zerfällt, die durch Zellteilungen zu vollkommenen Fäden heranwachsen. Formen der Chroococcaceen, Rivulariaceen, Nostochineen sowie der noch zu erwähnenden Palmellaceen und Protococcgceen werden unter geeigneten Umständen von Pilzhyphen umstrickt und bilden mit diesen den Thallus bestimmter Flechten. 3) Die Chlorophyceen (Chlorophyllo— Cheroph oder Chlorosporeen) sind von reinem Chlorophyll grün gefärbte A., welche, da sie agam, isogam, dogam und carpospor sind und die Organisation der Zelle hier einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht, Zellenkerne und Stärke in ihr nachweisbar sind, eine sehr entwickelte Reihe darstellen. A. Die Protococcoideen, ohne Ausnahme einzellig, bilden die unterste Stufe und gliedern sich in die Palmellaceen, Protococcaceen und Volvocineen. Die erstern sind agam; ihre meist kugeligen Zellen teilen sich in eine, zwei oder drei Richtungen des Raums, sind in schleimige Lager eingebettet oder umgeben sich mit allgemeinen und besondern Hüllenmembranen, wodurch eingekapselte Kolonien entstehen, wie sie in Kloeocystis vesiculosa (Fig. 5), einer schleimigen A. auf Felsen und Moospolhern, dargestellt sind. Die Protococcaceen werden schon isogam. Schleimiges Lager und besondere bi enmembranen sind hier weniger zu beobachten, ingegen bleiben oft die einzelnen Zellen von Judend an zu mehrzelligen Körpern (Cönobien) verunden. Die Volvocineen sind isogam und oogam. Die Vereinigung zu Kugelkolonien ist vorherrschend; während ihrer ganzen Lebensperiode sind die vegetativen Zellen mit Cilien ausgestattet und beweglich. Dadurch wie auch durch Bakuolenbildung und kontraktile Membranen nähern sie sich sehr den Infusorien. B. Die große Familie der Konjugaten ist ausgezeichnet durch besondere Anordnung des Chlorophylls in radiale Platten (bei Closterium striolatum, Fig. 6), in Spiralbänder (bei Spirogyra Weberi, Fig. 7a) oder in Sternform (Lygnema). Es kopulieren hier zwei nicht voneinander unterschiedene ruhende Zellen, indem sie bei benachbarter Lage durch entgegenwachsende Schläuche ihren Inhalt in einen an der Berührungsstelle der Schläuche gebildeten Raum vereinigen, der sich von den Schlauchstücken abtrennt und zur Reife einen Keimkörper (Zygote oder Zygospore) darstellt. Bei der fädigen Spirogyra kommt aber auch der Fall vor, daß der Inhalt der einen Zelle in den Raum der andern sich später abschließenden übertritt, in welcher nun die Zygote sich ausbildet (Fig. 7b). Hier kann die aufnehmende Zelle als weibliche angesehen werden, und die Deutung der Kopulation als sexuell dürfte gerechtfertigt sein. Durch Formenschönheit ist unter den Konjugaten die Gruppe der Desmidiaceen ausgezeichnet; die symmetrisch gebildeten Hälften der kugeligen, spindel⸗, s cheiben⸗, halbmondförmigen und cylindrischen Formen sind oft mit zierlichen Stacheln und Warzen regelmäßig besetzt und auf das mannigfaltigste gelappt und eingeschnitten. Jede Zelle ist, gleichviel ob frei oder u Fäden verbunden, als ein Individuum aufzufas en. C. Bei den vielzelligen, verzweigt oder unverzweigt fadenförmigen Conservoideen ist der Zellinhalt selten von einer bestimmten Anordnung, wie bei den Konjugaten, dagegen zeigt sich der Fortpflanzungsvorgang in stufenmäßiger Vervollkommnung, indem er bei Hormidium und Conferva agam, bei Ulothrix isogam, bei Oedogonium obogam und bei der scheibenförmigen Coleochaete carpospor sich vollzieht. Neben der geschlechtlichen Fortpflanzung kommt auch eine ungeschlechtliche durch neutrale Sporen vor; zwischen geschlechtliche Generationen werden lange Reihen ungeschlechtlicher eingeschoben, sodaß wir hier einem Generationswechsel begegnen, wie er besonders bei Ulothrix und Oedogonium ausgesprochen ist. Die Confervoideen sind, wie auch die Protococcoideen und Konjugaten, zum größern Teile Süßwasseralgen. D. Die Familie der Siphoneen oder Schlauchalgen umfaßt einzellige Individuen, die durch unbegrenztes Spitzenwachstum und Verästelung in den Meeresgattungen Codium und Valonia sehr beträchtliche Dimensionen erreichen. Zur Befestigung am Boden bilden sich an der Basis wurzelähnliche Haftorgane aus. An feuchten Lokalitäten des Binnenlandes finden sich Botrydium und Vaucheria vor. Bei Botrydium, welches als 1—2 mm große Bläschen auf schlammigem Boden wächst, geht die Entwickelung ungeschlechtlicher Schwärmsporen je nach dem Medium und den physik. Bedingungen in verschiedener Weise vor sich. n einem bestimmten Stadium zerfällt der Schlauchinhalt in später rot werdende Zellen, die sich zur Kugel runden, aus denen im Wasser männliche und weibliche Schwärmer entwickelt werden, welche kopulieren. Aus der Zygote gehen alsdann Schwärmer hervor, die zur Mutterzelle herankeimen. Vaucheria (Fig. 8) bildet polsterförmige Watten oft von großer Ausdehnung; ihre einfachen oder dichotomen Schläuche tropfen ein und treiben zur Anlage der schraubenförmigen Antheridien (Behälter der männlichen Organe, der Spermatozoiden) und kugeligen Oogonien (Behälter der Befruchtungskugel und werdenden Oosporen) kleine Zweiglein hervor, die sich vom Schlauche abschließen. Zur Reifezeit des Antheridiums öffnet sich das Oogonium und gestattet den zwei Cilien tragenden Spermatozoiden den Zugang zur Befruchtung. Aus der befruchteten Oospore (Eispore) gehen zunächst geschlechtslose Generationen hervor, ert später folgt auf diese wieder eine geschlechtliche. An die Schlauchalgen sind die Characeen (Nitella, Chara) oder Armleuchtergewächse anzureihen, da Stamm⸗ und Quirlzweige aus röhrigen Gliedern aufgebaut sind. Die in den Blattwinkeln stehenden Antheridien erscheinen zur Reifezeit als rötliche Kügelchen, deren Wandung aus schildförmigen Stücken gebildet ist. Auf der Innenseite derselben befinden sich fein septierte Zellfäden, in deren Gliedern je ein schraubenförmiges bewimpertes Spermatozoid gebildet wird, welches, frei geworden, die ebenfalls in den Blattwinkeln stehenden und von spiraligen Schläuchen umrindeten Ei⸗ oder Sporenknospen befruchtet. Characeen sind carpospor, wachsen auf dem Grunde stehender, reiner Gewässer und erinnern in ihrer Tracht als schon ansehnliche Gewächse an die Schachtelhalme. 4) Die Phäosporeen (Fucaceen, Melanospermeen, Braun⸗ oder Ledertange) sind durch Phäophyll gelblich oder dunkelbraun gefärbt; mit Ausnahme von Pleurocladia nur auf das Meer beschränkt, schließen sie sich in den einfach fädigen Ectocarpeen an die Confervoideen habituell und morphologisch an. Weiter erreicht jedoch der Thallus sehr mannigfaltige Formen in riesigen Dimensionen: cylindrisch, aus Mark⸗ und Rindezellen zusammengesetzt bei den Chordarieen, fädig und röhrig bei Stilophora, fächerförmig bei Padina, scheibenförmig in Myrionema, blattartig bei den 2 m lang werdenden Laminarien und ebenso gebildet bei der 300 m Länge erreichenden Macrocystis, bandartig bei Fucus, —. ch und strauchartig bei Cystoseira. An Felsen, Konchylien oder andern Gegenständen durch Haftorgane angewachsen, vegetieren sie jedoch auch losgerissen weiter und schwimmen mittels eigentümlicher Luftbehälter, die bei Fucus vesiculosus (Fig. 10) in der Nähe der Mittelrippe eingewachsen sind, bei dem bekannten Sargassum in der Form gestielter Beeren (Fig. 9) erscheinen. Bei den niedern Formen (isogam) werden die Schwärmsporen in ein⸗ oder mehrfächerigen Sporangien erzeugt; bei Fucus und Sargassum (oogam) fehlen die Schwärmsporen, doch sind vollständig differenzierte Geschlechtsapparate, Antheridien und Oogonien, welche Oosporen erzeugen, vorhanden, bei Fucus in besondern Höhlungen (conceptacula) an den dichotomen, verdickten Astenden eingesenkt (Fig. 10) und bei Sargassum in den Achseln der Blätter in traubenförmigen Fruchtzweiglein (Fig. 9). Nach A. von Humboldt bildet letzterer Tang (was aber von O. Kuntze neuerdings in Abrede gestellt worden ist), große schwimmende Anhäufungen, eine große Fucusbank, westlich von den Azoren, das sog. Sargassomeer (s. d.). Diese in allen Meeren herumschwimmenden Exemplare von Sargassum sind nur losgerissene sterile Bruchstücke. Fruktifizierende Exemplare kommen festgewachsen an felsigen Küsten vor, nach Agardh an der amerikanischen. 5) Die Rhodophyceen (Florideen, Rhodospermeen, Blüten⸗ oder Rottange) sind durch Rhodophyll prachtvoll rosenrot und violett gefärbt, dabei von mannigfaltigster Formengestaltung: fadenförmig platt, zweizeilig kammartig zierlich verästelt wie Plocamium Haut 12), eine sehr gewöhnliche Alge der Nordsee, hautartig und blattartig wie Porphyra, hautartig und handförmig geteilt bei Rhodymenia, fadenförmig mit lanzettlichen und linealischen Blattbildungen bei der prachtvoll roten Delesseria. Der fädige Thallus ist ama. Wei Ceramium, vielröhrig bei Polysiphonia. Bei Chondrus ist die Oberfläche gallertig gequollen und weich, während Corallina und Jania ganz verkalkt und korallenartig sind. Mit Ausnahme von Chantransia, Hildenbrandtia, Lemanea, Batrachospermum (Fig. 11), Bangia und Thorea sind die Rhodophyceen nur Meeresalgen, vorzugsweise in den wärmern Meeren verbreitet, auf Steinen und Klippen oft in großer Tiefe wachsend. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung geschieht durch ruhende Tetrasporen (Vierlingssporen), die äußerlich oder im Gewebe des 10¹⁰ gebildet werden. Die Geschlechtsorgane haben eine eigentümliche Ausbildung. Die bewegungslosen männlichen Elemente, Spermatozoiden, werden in Antheridien an besondern Zweigen oder in besondern Höhlungen erzeugt. Das weibliche Organ ist zuerst ein eigentümliches ein⸗ oder mehrzelliges Astchen, das Procarpium, von welchem eine der Zellen in einen haarähnlichen Fortsatz, das Trichogyn, ausgezogen ist. Dieses ist das weibliche Empfängnisorgan und wird von kugeligen Spermatozoiden befruchtet. 98 des der Befruchtung entwickelt sich aus der Basis des Trichogyns oder aus andern Zellen des Procarpiums die Sporenfrucht, das Cystocarp. Bei dem Süßwasser bewohnenden Batrachospermum mit einfach fadenförmigem, aber durch abwärts wachsende Fäden berindetem Thallus und dicht quirligen Zweigen entsteht aus der unter dem Trichogyn ab Allm dies elle ein Astbüschel, welcher in Eemen ellen die Sporen erzeugt. Die Rhodo yeeen sind demnach carpospor. Von A. benutzt man Chondrus crispus (das sog. ich aunist, gece als Abkochung, wobei es gallertig sich auflöst, gegen Heiserkeit, Krampfhusten und Durchfälle. Die Fucaceen werden zur Gewinnung von Soda (Kelp, Varec) sowie zur Darstellung des Jodes aus dieser benutzt. Küstenbewohner verwenden Tange wohl auch als Futter für Haustiere. Kieselguhr, Infusorienerde oder Bergmehl benutzt man zur Herstellung leichter (Fabronischer) Ziegel wie zur Bereitung des Dynamits. Einen weitern besondern Nutzen haben A. nicht. Vgl. J. G. Agardh, «Species, genera et ordines gia generaliso (Lpz. 1843); derselbe, Species Algarum » (Lpz. 1849); derselbe, Tabulae phycologicaen (19 Bde., Nordh. 1846 —71); Rabenhorst, Flora europaea Algarum (Lpz. 1865 — 68); Thuret, «Etudes phycologiqueso (Par. 1878); Bornet und Thuret, Notes algologiques o (Fasc. 1 u. 2, Par. 1876—80). ö