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GeschichteBrockhaus 1882

Ali, Pascha von Jannina, genannt Tepedelenli, wurde 1741 als nn. eines albanes. Häuptlings zu Tepe-delen im südl. Albanien geboren. Von der unter mancherlei Berwa gegen türk. Machthaber sowie gegen eigene Verwandte behaupteten Stellung eines Derr-Bey (Thalfürsten) schwang er sich nach Besiegung Selim Paschas, des Statthalters von Delfino, selbst zum Statthalter von Südalbanien auf und wurde als solcher vom Diwan, den er zu bestechen wußte, mit der Stellung eines Dervendschi-Pascha, d. h. des Kommandanten der thessal.⸗ epirot. Gebirgspässe betraut. Während des türk. Kriegs mit ußland und Ssterreich seit 1787 erhielt er noch die Statthalterschaft von Trikala in Thessalien, widerrechtlich aber erweiterte er sein Gebiet, indem er sic 1788 Janninas bemächtigte. Die Pforte nachträglich mit einem solchen Gewaltakte zu versöhnen, fiel ihm nicht schwer, da er ebenso reich als mächtig war. Nach dreijährigen Kämpfen unterwarf er 1803 die Sulioten und wurde nunmehr durch den Titel eines Seraskiers von Rumelien ausgezeichnet. A. verstand es, seine Provinzen in guter Ordnung zu halten, wenn er sich dazu auch verwerflicher Mittel, namentlich des gegen Unzufriedene geübten Meuchelmordes bediente; Handel und Gewerbe blühten unter ihm auf, und die Europäer betrachteten ihn als einen tüchtigen Regenten. Berühmt aber wurde er vor allem durch seine landesverräterischen Beziehungen zu den europ. Mächten. Schon während des russ. Kriegs hatte er mit Potemkin in Briefwechsel gestanden. General Bonaparte schickte ihm während der ägypt. Expedition Offiziere zu und trat als Kaiser 1807 aufs neue mit ihm in Verbindung. Später fand A. es vorteilhafter, sich auf die Seite der Engländer zu schlagen, welche ihm 1819 zum Besitz der albanes. adrich ehanr Parga verhalfen. Im J. 1820 endlich glaubte Sultan Mahmud II. seiner Herrschaft ein Ende machen zu können. Er sandte Truppen nach Albanien, welche nach vielen Anstrengungen den mehr als 80jährigen Greis 1. Febr. 1822 zur übergabe seiner Citadelle im See von Jannina zwangen. Wider die ihm gewährte Kapitulation wurde 5. Febr. sein Haupt abgehauen, um in Konstantinopel vor dem Serail öffentlich ausgestellt zu werden. Später wurden auch seine 1820 in türkische Hände geratenen Söhne hingerichtet. A. besaß unstreitig große Gaben, war aber zu sehr der Sohn einer barbarischen Zeit, als daß er aus den vorgefundenen wilden Elementen ein geordnetes Staatsgebäude hätte aufführen können. Er kann im neuen Orient als der erste Apostel der Macht europ. Kultur und der Notwendigkeit gründlicher Reform gelten und hat durch sein Leben Lehren aufgestellt, die der glücklichere Mehemed-Ali von uWe und später Sultan Mahmud selbst sich zu Nutze machten. Nicht minder hat er in hervorragender Weise zu der Bewegung der Gemüter mitgewirkt, welche um die Zeit seines Endes die Erhebung des Griechenvolks ermöglichte. li Bei, berühmter Mamlukenbei, der sich zum Herrn von Agypten und Syrien zu machen wußte, geb. um 1728 in Abchasien, wurde im Knabenalter als Sklave an den ägypt. Janitscharenhäuptling Ibrahim verkauft. Durch Tapferkeit verdiente er sich seine Freilassung, wurde dann Bei der Mamluken und nach dem Tode Ibrahims (1757) sein Nachfolger. Es gelang ihm, sich unabhängig von der Pforte und zum Sultan von Ägypten zu machen. Die Verhältnisse begünstigten ihn, indem die Pforte, in Krieg mit Rußland verwickelt, den Kampf gegen ihn aufschieben mußte. In der Absicht, das Reich der alten Sultane von Agypten wiederherzustellen und zum Mittelpunkt des Handels zwischen Orient und Occident zu erheben, eroberte er durch seinen Adoptivsohn Mohammed Bei Mekka und, im Verein mit dem ebenfalls gegen die Pforte rebellierenden Scheich Daher, 1771 fast ganz Syrien. Schon hatte sich Damaskus ergeben, als sein bestochener Feldherr Mohammed nach Ägypten zurückging Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. und, mit einem Heere aus brech 5 seinem Verbündeten, dem Scheich Daher, nötigte. on hier aus verfolgte A. a Pläne, unter Beihilfe des Daher, ja suchte sogar mit den Russen und Venetianern in Verbindung zu treten. Nach einem glänzenden Siege über die Türken (1772) und der Einnahme von Tripoli, Antiochia, Jerusalem und Jaffa rückten dann beide 1773 mit 30000 Mann gegen Agypten vor. Im April 1773 kam es zu einer Schlacht bei Salahie mit dem Machthaber Agyptens, A.s Schwiegersohne Abu-Dahab, in der A. selbst gefangen genommen wurde. Er starb einige Tage darauf an seinen Wunden oder an Gift.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 416Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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