Ibrahim Pascha, der adoptierte Stiefsohn Mehemed-Alis (s. d.), geb. 1789 zu Cavalla in Rumelien, hatte als dessen tüchtigster Feldherr bedeutenden Anteil an der Befestigung und Erweiterung des in Agypten begründeten Vasallenstaats. Nachdem er 1816 —19 die Wahabiten gezüchtigt und aus den heiligen Städten Mekka und Medina vertrieben, führte er 1824 eine Flotte von 163 Segeln mit 20000 Mann ägypt. Hilfstruppen gegen die aufständischen Griechen nach Morea, nahm Candia, stürmte Navarino und unterstützte Reschid Pascha bei der Belagerung von Missolunghi, wurde nach der Vernichtung der türk. Flotte im Hafen von Navarino (s. d.) in Morea blockiert und führte sein Heer laut Vertrag vom 16. Sept. 1828 nach Agypten zurück. J. reorganisierte hierauf das ägypt. Heer nach franz. Muster und rückte 29. Okt. 1831 in Syrien ein, besetzte Palästina, schlug die Türken in der Ebene von Zeran, erstürmte 27. Mai 1832 Acre, schlug die Türken bei Homs, Beilan und Konieh und erzwang 14. Mai 1833 einen Frieden, durch den die Pforte Syrien an Mehemed-Ali abtreten und ihn selber zum Administrator von Cilicien ernennen mußte. Auch als 1839 der Krieg von neuem ausbrach, schlug J. 24. Juni das türk. Heer bei Nisib dergestalt aufs Haupt, daß ohne die Einmischung der Mächte der Krieg sofort sein Ende gefunden haben würde. Da aber J. als Statthalter Syriens sich keine Sympathien im Volke erworben, so gelang es, die Bewohner gegen ihn aufzuwiegeln. Seine Stellung wurde ganz unhaltbar, als eine engl.⸗österr.⸗türk. Flotte im Sommer 1840 an der syr. Küste erschien, und nur mit der größten Anstrengung brachte er einen kleinen Rest seines Heeres nach Agypten zurück, worauf sämtliche Früchte des Friedens von 1833 verloren gingen. Er starb zu Kairo 9. Nov. 1848, ein Jahr vor Mehemed-Ali, der ihm von der Pforte die Nachfolge im Vizekönigtume erwirkt hatte.