FeedAlraun
PflanzenreichBrockhaus 1882

Alraun oder Alraunwurzel heißt der fleischige Wurzelstock der Mandragora vernalis und autumnalis, die früher unter dem Namen Radix Mandragorae officinell war. (S. Mandragora.,) An die Wurzel knüpfte sich früher viel abergläubisches Treiben. Abgebildet ist sie bereits in der Handschrift des Dioskorides aus dem Anfange des 6. Vilt einen der Hofbibliothek zu Wien). Man gab ihr eine menschliche (meist männliche) Gestalt und nannte sie Alraune (Alräunchen, Alruniken, Alrunichen), Alraunmännchen, Wichtelmännchen oder Erdmännchen (bei den Niederländern Pisditje, d. i. Harndiebchen). Diese Alraunmännchen wurden als heilbringende Hausgötter betrachtet, an geheimen Orten sorgfältig in einem Kästchen aufbewahrt, sorglich gepflegt (z. B. prächtig gekleidet und Sonnabends in Wein gebadet) und sollten dem verschwiegenen Besitzer Reichtum, Gesundheit und andere Darrent Glücksgüter, Glück bei Prozessen, Fruchtbarkeit der Frauen, Beförderung glücklicher Geburten, bringen. Die Charlatane des Mittelalters verkauften Wert hatt Dinge zu hohen Preisen. Den meisten Wert hatten die Alraunmännchen, welche angeblich unter dem Galgen gefunden sein sollten. Der Glaube an die Wirksamkeit solcher Wurzelmännchen ist in manchen Gegenden unter dem Volke noch 9551 nicht ganz verschwunden. Die beistehende Abbildung, welche ein Alraunmännchen in drei verschiedenen Ansichten (a, b, c) bietet, ist einem Dokument von 1575 in Keyßlers Antiquitates selectae septentrionales et celticaes (Hannov. 1720) entnommen. — Über Alraunen s. Alrunen. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 482Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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