Anthoxanthum L. (Ruchgras), eine Gattung aus der Familie der Gräser, bei der die Blüten bloß zwei Staubgefäße enthalten, während sonst bei den Gräsern deren drei vorhanden zu sein pflegen, hat lanzettförmige, in ährenförmige Rispen gestellte Ahrchen, welche eine fruchtbare, unbegrannte Zwitterblüte und zu beiden Seiten derselben eine begrannte Spelze enthalten. Bei uns kommt bloß das durch ganz Europa verbreitete gemeine Ruchgras, A. odoratum L., vor, ein dur seinen aromatischen Geruch, welcher sich namentli nach dem Trocknen stark entwickelt, und die glänzende bräunlichgelbe Farbe seiner Ahre ausgezeichnetes Gras, das überall, namentlich auf trockenen und moorigen Wiesen wächst. Angeblich soll dieses Gras dem Heu seinen eigentümlichen Wohlgeruch erteilen, — ist diese Annahme nicht richtig, da auch solches Heu, unter dem gar kein Ruchgras ist, dasselbe Arom — 5 übrigens rührt der Wohlgeruch dieses Grases von einem eigentümlichen, in den Blüten enthaltenen Stoffe her, dem auch in andern aromatischen Pflanzen (z. B. im Waldmeister) vorkommenden Cumarin (s. d.). Die Blüten des A. werden zu Kräuterkissen mit verwendet; auch benutzt man sie, um dem Schnupftabak ein feines Arom zu verleihen. ein 1831 von Dumas und Laurent im Steinkohlenteer entdeckter Kohlenwasserstoff CIEIo, der im Teer in der Menge von /—1 Proz. sich findet und gegenwärtig fabrikmäßig daraus dargestellt wird, indem man den Teer einer Destillation unterwirft, wobei eine ganze Reihe von technisch nutzbaren Produkten gewonnen werden, so Benzol und seine Homologen, Carbolsäure oder Phenol, Naph-Pech e der zuletzt verbleibende, beim Erkalten zu ech erstarrende Rückstand liefert bei weiter fortgesetzter Destillation, bei Temperaturen über 3007 C. das A., gemischt mit andern Produkten. Das rohe A. erstarrt beim Erkalten, es wird von fremden flüssigen Bestandteilen zunächst durch Abpressen, dann durch successiwe hunlicht mit Benzol, worin jene löslicher sind, thunlichst befreit. Es bildet farblose matte Krystallblättchen, die geruch- und geschmacklos sind, bei 214 C. zu einer wasserhellen ölartigen Flüssigkeit schmelzen und bei höherer Temperatur unzersetzt überdestillieren. Das A. löst sich spärlich in Alkohol, leicht in Ather, Benzol und flüchtigen Slen. Durch oxydierende Agentien, wie z. B. durch Chromsäure, geht das A. in Anthrachinon (Oryanthracen) über, aus welchem auf verschiedenem Wege Anthracenrot dargestellt werden kann, welches nach den Untersuchungen von Gräbe und Liebermann als identisch mit dem aus der Krappwurzel erhaltenen Alizarin (s. d.) sich erwies. Außer dem Alizarin sind noch verschiedene andere 5 Anthr aus A. dargestellt, so von Böttger das Anthracenorange, d. i. Mononitroalizarin, welches man erhält, indem man auf eine Lösung von Alizarin in Nitrobenzol salpetrige Säure wirken läßt; ferner das von Prudhomme entdeckte Anthracenblau, welches beim Behandeln von Nitroalizarin mit Glycerin und Schwefelsäure entsteht; letzteres gibt auf mit Eisensalzen gebeizten Zeugen indigoblaue Farben. Vgl. G. Aerbach, „Das A. und seine Derivatey (Berl. 1873); Bolley und Kopp, Die künstlich erzeugten organischen Farbstoffer (Bd. 5 des »Handbuch der chem. Technologiev, Lfg. 2 u. 3, Braunschw. 1870 u. 1874). (thracen.