Altai im Türkischen, Kin-schan im Chinesischen, d. h. Goldberg, ist der Name für den nördl. Gebirgssaum des östl. Hochasien auf der russ.⸗ chines. Grenze. Früher hat man (nach Pallas) den ganzen vielfach gruppierten Gebirgsrand Hinterasiens von 100—160 östl. L. (von — von den dsongarischen Ebenen am Saisansee bis zu den Küsten des Ochotskischen Meers, das Altaische Gebirgssystem genannt. Da jedoch jenseit des 120.“ östl. L., anstatt der westöstl. Normaldirektion, der Wechsel der Gänge und die Nordostrichtung der Ketten eintritt und ein neues Gebirgssystem von verschiedenem geolog. Alter anhebt, versteht man nach A. von Humboldts Vorgange unter Altaisystem nur die Gebirge, die zwis Hen 47 und 55² nördl. Br. von 100—126 östl. L. oder bis zu der obern Selenga und dem obern Orchon in einer Länge von etwa 1500 Km sich erstrecken und die Quellgebiete des Irtysch, Ob und Jenissei umgeben. Das westlichste und Hauptglied dieses Systems ist der bis 2000 mehohe A. in engerm Sinne; unter seinen östl. Jortezungen sind das vom Jenissei durchbrochene Sajanische Gebirge und das mehr als 600 km lange Tannu-ola-Gebirge, d. h. das Palastgebirge, vom Ubsa-nor bis zu den Selengaquellen und dem See Kossogol, die merkwürdigsten. Der A. selbst bildet, wenn er auch in einen russischen im N. und einen chinesischen im S. des Irtyschzuflusses Buchtarma zerfällt, dennoch nur eine einzige Gebirgsgruppe. Der südliche A., zwischen der Buchtarma und dem Saisansee, erhebt sich am höchsten in den Granitalpen des Narym und den Kurtschumalpen. Nach O. bis zum Berge Kuitun zieht die unzugängliche, ewigen Schnee tragende Kette des Großen Altai, der am Nordabhange dicht mit Fichten und Lärchen bestanden ist. Am Kuitun läuft von ihm nach SO. der Ektag-Altai aus, welcher den Schwarzen Irtysch vom See Ike-Aral scheidet. Der eigentliche A., auch das Kolywansche Erzgebirge genannt und wegen seines Mineralreichtums berühmt, erstreckt sich, kaum ein Viertel des ganzen Systems bildend, von den Bergwerken des 404 m hohen Schlangenbergs oder Smeinogorsk (im NO. von Semipalatinsk) und von dem Zusammenflusse der Uba mit dem Irtysch bis zu dem 520 mehoch gelegenen Telezker See und dem aus diesem hervortretenden Obiquellflusse Bij oder Bija, der in die Katunja fällt, und nimmt in dieser Begrenzung nach Humboldt ungefähr 136 000 qkm ein, d. h. einen dreimal größern Raum als die Schweiz. Dieser Russische N. bildet kein eigentliches Randgebirge, sondern ein mächtiges Vorgebirge, welches vom Altaisystem gegen W. in die Barabinzen⸗ und Kirgisensteppe ausläuft, überall, außer im O., von Ebenen umgeben, die im N. und W. dem Tieflande angehören und auch im S. nicht über 585 m aufsteigen. Im S. haben die Ketten des vielverzweigten Alpenlandes eine westöstl. Richtung, aber im allgemeinen kann man sie als vom Kulminationspunkt aus fächerartig geordnet ansehen. Tschihatschew unterscheidet nach Achsenrichtung und Lagerung einen West- und einen Ost⸗-A., die durch die Katunja und den Ob getrennt sind; ersterer hat Nordwest⸗ letzterer Nordostrichtung. Wo beide Achsen sich kreuzen, ist der Gipfelpunkt des Ganzen, die Bjelucha Gora (die Weißen Berge), ein majestätischer, unersteiglicher Bergriese von 3350 m Höhe mit weiten Schneefeldern und einem von großen Moränen begrenzten Gletscher am Südabhange, dem Quellorte der durch zwei turmähnliche Felsspitzen, die Katunjasäulen, hervortretenden Katunja. Die benachbarten Bergrücken sind 2430—2730 m hoch. Die mittlere Höhe des A. überhaupt schätzt man auf 1600, die der Schneegrenze auf 2150 m; seine Spitzen, zerrissene Kegel und Pyramiden, ragen bis 3000 m und mehr darüber hinaus. Die ver-Eperans Gestalten und Farben der Felsen, die überaus zahlreichen Bergströme geben der Gebirgslandschaft eine große Manni saltigkeit. Doch sind die vielgestaltigen Naturschönheiten mehr dem südl. als dem nördl. von der Bija bewässerten A. eigen, der wegen seiner dunkeln Nadelwälder auch der Schwarzwald (Tschernj) heißt und aus gewaltigen, dicht zusammengedrängten Erdmassen esteht. überall strecken sich zwischen den Bergketten entweder weit Sunpf br ochebenen hin, die mit Schnee oder Sumpf bedeckt, hier und da durch niedrige Felsreihen oder Steinblöcke unterbrochen sind, oder breite Thäler, deren steile Gehänge nur Lichenen oder Wude sur H. zeigen, während die Gründe reiche Weide für Hirsche, Elen⸗ und Renntiere abgeben. Die Steppenflora steigt nicht über 325 mauf; die Waldflora findet sich zwischen 325 und 1300m Höhe; die Alpenflora reicht von 1300m auf der nördl. Seite bis in 2050, auf der südlichen bis in 2370 m Höhe. Noch höher liegt der ewige Schnee. Der des Gebirgs ist mit Pappeln, Weiden, Dorngebüsch u. s. w. bedeckt; Weiden, Birken und Hagedorn 2 en die tiefern Thäler. Die Abhänge bekleiden Nadelwälder von Lärchen, Fichten, Tannen, Zirbelkiefern oder sibir. Cedern, untermischt mit Birken. Die Birke findet sich bis in 1460 m Höhe; Lärchen und andere Bäume gehen, obwohl nur verkümmert, en höher 20 Auf den höchsten Hochebenen finden — wergfichten. Im N. des schönen Telezker Sees faßt die Kette des über 1600 m 2.Di Kus nezkischen A. den obern Tom auf der Ostseite ein. Die Hauptkette streicht fast in Meridianrichtung gegen N., bis sie sich im O. von Kusnezk teilt. Der östl. Zweig läuft als bewaldeter, goldreicher Kusnezkischer Alatau (s. d.), Bjelogori oder Abanskische Kette bis zur Breite von Atschinsk und Krasnojarsk und endet mit dem 1666 m hohen Taskül; der andere nimmt seine Richtung nach NW. auf Tomsk hin. Die im NW. von Kusnezk gelegene Salairkette zwischen Ob und Tom, niedriger als die erstern, ist wegen ihres Silbers, ihr Ostabhang wegen seines Goldreichtums berühmt. (S. Altaisches Berggebiet.) Das Tannu-ola-Gebirge, die östl. Fortsetzung des eigentlichen A., ist eine über 3550 m hohe rauhe und wilde Gebirgskette, die nur in den Thälern Bäume hat und der selbst auf den Südabhängen das Buschwerk fehlt; es ist der schneetragende Ursitz der Sojoten und die Völkerscheide zwischen dem türk. Stamme im S. und den Kirgisen oder Male im N. Im O. von Uliassutai streicht das alacha-ola-Gebirge von W. nach O., bei den Quellen des Dschabgan; dann wendet es sich als Kuku-Daban-Gebirge nach SO. und läuft in einem Bogen nach NO. um den Orchon herum. Das Ostende des Zugs am Orchon heißt Changgai-ola und ist ebenfalls ein mit ewigem Schnee bedecktes, wildes Granitgebirge; am Südfuße desselben liegt die Stätte des alten Karakorum (chines. Holin), der ehemaligen Residenz des Dschingis-Chan. Am Westende des Tannu-ola schließt sich an die Ostseite des A. die schneebedeckte Sajanische Kette an, deren Paßhöhe 1886 m Höhe erreicht. Der obere Jenissei durchbricht sie von S. her; westlich von diesem Durchbruche heißt die Kette Schabina-Ola. Ostlich von diesem Querthale, wo sie in einem weiten Bogen nach N. zu den stets schneetragenden Gipfeln der Bjelogorje (Weiße Berge) herumschweift, um sich endlich beim See Kossogol, den im „das Changgaigebirge und im O. das niedrigere Bulunaigebirge säumt, an den Tannu-ola anzuschließen und somit ein mächtiges Kesselland, nämlich das des obern Jenissei, zu bilden, dem Kesselthale des Baikalsees ganz analog. An der Nordseite des Kossogol erreicht das Sajanische Gebirge in dem 3474 m hohen Knoten des Munko-Sardyk (d. h. Ewiger Schnee) seine Kulminationshöhe. Der höchste Paß, der Khamar-Dabän, ist 2260 m uhe ie Bevölkerung des A. ist eine sehr spärliche. Während russ. Kolonisten die nördl. und nordwestl. Bergreviere als Bauern und Bergleute bewohnen und an der südl. Grenze eine Reihe kleiner Festungen strenge Wache Vare bevölkern das Innere und den Südosten die Bergkalmücken, die bei rein nomadischer Lebensweise ihre den un im Sommer auf den weidereichen Bergterrassen und offenen Ebenen, im Winter in den 191% n Waldschluchten aufschlagen. Im östl. A., um den Telezker oder Teléutischen See, wohnen die Teléuten, welche, auch Weiße Kalmücken genannt, zu dem großen Sprachstamme des Turkvolks gehören, aber mongol. Physiognomie haben und von den Russen zu den Tataren gerechnet werden. Sie beschäftigen sich mit Herdenzucht, Jagd, Bienenzucht und Einsammlung von Cedernüssen. An der Bija wohnen in kleinen Häusern die Kumandiner, die Viehzucht und Ackerbau treiben und keine mongol. Gesichtsbildung zeigen. Alle drei Urstämme sind Götzendiener schaman. Glaubens. Zu den Urbewohnern werden aber auch die sog. Kamenschtschiki oder Felsenbewohner gerechnet, obgleich sie nach Abstammung, Sprache und Religion zu den Russen gehören. Sie stammen nämlich teilweise von russ. Bauern aus den Hüttenwerken ab, die sich durch die Flucht von der Leibeigenschaft befreit hatten. Vgl. Cotta, «Der A., sein geolog. Bau und seine Erzlagerstätten» (Lpz. 1871). Altaisches Berggebiet, offiziell auch Distrikt der Altaischen Bergwerke oder Kolywano-Woskresenskischer Hüttenbezirk genannt, eine der wertvollsten Provinzen des Russischen Reichs, erstreckt sich von 49· nördl. Br. an 900 Em weit nach N. und von 95 östl. L. 750 km ostwärts und umfaßt vier von den sechs Bezirken des westsibir. Gouvernements Tomsk, nämlich Kainsk, Barnaul, Kusnezk und Bijsk samt dem südlichsten Teile des Bezirks Tomsk, ein Gebiet von über 483 000 akm mit etwa 560000 E. Der überwiegende Teil dieser Bevölkerung besteht aus Bauern, der kleinere aus emanzipierten Berg⸗ und Hüttenarbeitern, welche teils in den Bauerndörfern angesiedelt, teils bei den Werken geblieben sind, außerdem aus nomadisierenden Volksstämmen. Die Thäler des Ob, des Alej und der Schulba trennen zwei sehr verschiedene Hälften. Die Osthälfte ist Klmas und vielfach bewaldet, hat ein rauheres lima als die anban d eignet sich aber dennoch sehr Huds zum Ackerbau, da sie am Ob humusreichen Boden enthält. Die Westhälfte bildet zwischen dem Ob und Irtysch eine gegen die Barabinzensteppe geneigte, zum Teil wellige Ebene, ist fast ganz waldlos, nur von schleichenden Bächen durchzogen, die Seen und Sümpfe bilden, reich an Koch⸗ und Bittersalz, aber im ganzen ebenfalls mit ergiebiger Fruchterde bedeckt. Wegen des etwas mildern limas ist sie mehr für die Viehzucht geeignet. In Barnaul ist die mittlere Jahrestemperatur Oe. Infolge der kalten Winter und der schnellen übergänge ist die Flora arm. Man baut in dem Hüttenbezirke Sommer⸗ und Winterroggen, Spelt, frhchte Hafer, Weizen, Hirse, Buchweizen, Hülsenfrüchte, Mohn, Hanf und Flachs, in den Gärten Kohl und Rüben, Gurken und Kürbis, in der Westhälfte sogar Arbusen und Melonen; aber nur wenig Tabak und Kartoffeln. Ebenso zieht man vortreffliche Pferde, auch Rinder, Schafe und Ziegen, wenig Schweine, dagegen viel Federvieh und Bienen. Die Fischerei in den Flüssen und Seen ist sehr ergiebig. Die Jagd liefert Zobel, Hermeline, Murme und andere Eichhörnchen, Marder, Iltis, Murmeltiere, wilde Katzen, Füchse, Bären, Wölfe, Ottern, Hasen, Rehe, Hirsche, Elen⸗ und Renntiere, Moschustiere, außerdem auch Luchse, wilde Schafe, Dachse, Wildschweine u. s. w. Die ländliche Bevölkerung ist bei weitem die betriebsamste. Abgesehen von den bergmännischen und metallurgischen Anstalten, fehlt es jedoch an einem Bürger- und Handwerkerstande. Fast der ganze Handel liegt in den Händen wandernder Krämer, der sog. Susdaler, welche alljährlich aus dem moskauer und wladimirer Gouvernement nach dem Altai reisen. Die Hauptmasse des Altai besteht aus krystallinischen und altsedimentären Schiefergesteinen mit verschiedenen untergeordneten Einlagerungen; durchbrochen werden dieselben von Aieem Maßt Granitmassen und, in viel beschränkterm Maße, von Porphyr, von sehr häufig auftretendem, alle andern Formationen durchsetzendem, also neuerm Serpentin und Grünstein, und Gängen. Gneis scheint kaum vorzukommen, vielfach aber Glimmerschiefer und seine Verwandten. Die Sedimentgesteine gehören der Silur⸗, Devon⸗ und Kohleneriode an: Thonschiefer mit eingelagertem Sandstein Quarzit, Hornstein und Kalkstein. Unregelmäßig gangförmig eingelagert erscheinen die Erzlagerttätten, vorherrschend aus Schwerspat und Quarz mit Schwefelmetallen und deren Zersetzungsprodukten bestehend. Von Gesteinen der spätern Perioden ist nirgends eine Spur; an den Fuß der Gebirge legen sich die neuern diluvialen und alluvialen Bildungen, sodaß also erst in der Diluvialzeit die Wasserbedeckung des weiten Raums zwischen dem Arktischen und Schwarzen Meere begonnen Rusre muß. Nördlich vom Altai, im NW. von usnezk, ist die echte Steinkohlenformation ausgedehnt Zahlder n und setzt sich bis gegen Tomsk fort. Die Zahl der in Angriff genommenen ausend: die stätten im A. beläuft sich auf einige Tausend; die meisten liegen im westlichen Teile des Gebirgs. Sie liefern teils Silber, teils Kupfer, dabei aber auch Gold, Blei, Zink und sehr viel Eisen; ganz lokal, bei Sadowinsk, Tellur. Der Reichtum des Altaischen Berggebiets an Erzen war schon früh bekannt. Goldberg und Ektag hieß 5.2 dem Bericht eines byzant. Schriftstellers im 6. Jahrh. der Altai. Die zahlreichen Grubenbaue längst verschollener Urbewohner, Tschuden-oder Fremdlingsgruben genannt, haben als Fingerzeige zum Ein-Weter d. neuer Schachte und Grubenwerke gedient. eter d. Gr. sandte seit 1715 fruchtlose militärische Goldsandexpeditionen nach dem Irtyschflusse und dem Saisansee. Schon 1720 wurde an ersterm die wichtige Paßfeste Ustkamenogorsk angelegt, aber erst 1723 in der Nähe des im N. des Schlangenbergs gelegenen Kolywansees Kupfer entdeckt, und 1725 unter Leitung des Nikita Demidow (s. d.) das erste Kupferhüttenwerk, Kolywan-Sawod, bei dem 1625 m hohen Blauberg oder Sinaja, erbaut, dessen Name allmählich auf den ganzen Distrikt überging. Darauf verpflanzte man 1731 die Schmelzwerke nach dem jetzigen Barnaul (s. d.), dem Mittelpunkt großartiger Hüttenwerke. Die im Bereich des Hüttendistrikts befindlichen Bergwerke und Ländereien waren im Besitze Demidows, wurden aber 1746 Eigentum der russ. Krone. Seitdem eröffnete man eine Menge von Berg⸗ und Hüttenwerken. Das Gold wird vorzüglich aus Seifen, außerdem durch Ausschmelzen aus den goldhaltigen Silbererzen gewonnen. Der Ertrag ist seit Eröffnung der Seifen 1815 beständig gestiegen bis 1849, hat aber seitdem wieder abgenommen; 1875 betrug er 4570 kg, ½ der gesamten russ. Goldgewinnung. Die Gewinnung des Silbers hat schon 1743 begonnen; 1875 ergab der Altai 8750 kg Silber. Die bedeutendsten Silberminen sind die bei Smeinogorsk, in 403 m Höhe, das in breiter Thalsenkung liegt, umgeben von kahlen Granit⸗ und Porph rhügeln, und wo der erzführende, gewaltige Schwer patgang eine Mächtigkeit von 20—100 mehat; sie haben von 1745—1854 allein 82161 Pud geliefert, sind jedoch jetzt nicht mehr so ergiebig. Kupfererze sind in Menge vorhanden, werden aber wegen Mangel an Absatz in geringer Quantität auzgeschmolzen. Eine Steigerung der Eisenproduktion ist erst in neuerer Zeit ermöglicht worden durch die Auffindung eines Steinkohlenlagers. Außer den Metallen und Kohlen bietet der Altai auch eine Menge Tanpwan Jaspis, Chalcedon, Karneol u. s. w. nirn. ywan werden in großartigen Schleifwerken Granit, Porphyr, Marmor u. s. w. geschliffen und 5 Schmückung der kaiserl. Paläste verschickt. Vgl. Cotta, «Der Altai. Sein geolog. Bau und seine Erzlagerstätteny (Lpz. 1871).