Amazonenstrom, Rio das Amazonas oder Marafon, nächst dem Nil der längste Strom der Erde, entspringt in Peru unter 10 30“ südl. Br., etwa 230 km nordöstlich von Lima, aus dem See Lauricocha, auf dem zwischen der West⸗ und Ostcordillere ausgebreiteten, 4300 m hohen Plateau von Bombon. Sein Oberlauf, gegen NNW. gerichtet, geht anfangs vielfach gewunden durch ein 220 km langes, schmales und tief eingeschnittenes Felsthal, in welchem er eine ununterbrochene Reihe von Stromschnellen und Fällen bildet. Dann erweitert sich das Thal bis zu 30 km und senkt sich zu 1000 — 600 m Höhe. Erst bei Jaen de Bracamoras wird der Strom, bereits 700 Em lang, für Am tief gehende Fahrzeuge schiffbar. Er beschreibt nun einen 250 km langen Bogen gegen NO. und O. und durchbricht die mittlere, mit der ö nelten schon vereinigte Cordillere in 13 Stromschnellen oder Pongos (Thoren), deren letzte und bedeutendste, der Pongo von Manseriche bei San-Borja, den durch zahlreiche Gebirgswasser D bis zu 500 m Breite angewachsenen Strom plötzlich zwischen senkrechten Felswänden 10 km weit auf 50 m zusammendrängt. Unterhalb dieses Durchbruchs, bei Rentema, fließt der Strom in 378 m Höhe und erreicht eine Breite von fast 1600 m. Er tritt hier, nach einem Laufe von 950 km innerhalb der Anden, in die ungemessene, steinlose Waldebene des tropischen Südamerika, in welcher er ohne weitere Hindernisse der Schiffahrt, erst bis Tabatinga 200 m hoch) noch auf peruanischem, dann bis zur Mündung auf brasilian. Gebiete noch 3650 Km zurückzulegen hat, um die auf seinem über 5000 Km. langen Laufe ins Ungeheuere angeschwellte Wassermasse dem Atlantischen Oeean zuzuführen. Zwischen Villanova und Obidos wird der gewaltige trom in der Enge von Obidos (Pongo von Pauxis) auf 1,5 km eingeengt (bei einer Tiefe von 70 m), während er bei Tabatinga über 2,5 und bei Villanova 3 km breit war. Von Santarem abwärts erweitert er sich bis 15 Km und wendet sich von Porto do Moz ab, von vielen Inseln geteilt, gegen NO., mehrfach bis zu 80 km breit. Die Mündung des Stroms besteht aus drei auptarmen, die die Inseln Caviana und Mexiana ilden, und hat vom Nordkap bis zum Reiherkap Cabo de Aν* auf der Norn Marajd eine reite von über 250 km. or 1. Hauptmündung, welche die Namen Canal de Braganga und Rio-Macapu führt, gehen eine Anzahl von Armen, deren größter Tajapuru heißt, nach S., vereinigen sich dann ostwärts gewendet mit dem Tocantins zu dem breiten Ästuar des Rio-Gran-Para, dessen Gewässer dann ebenfalls nordöstlich ins Meer fließen. Es ist zweifelhaft, ob man diese bis 80 Km weite Mündung dem A. oder dem Tocantins zuschreiben soll. Die am dernrer heit in der Farbe des Wassers, der Form der Ufer und ihrer Vegetation spricht für letztere Ansicht. Hierzu kommt, daß man zwar im Hauptstrome die Ebbe und Flut des Meers bis Obidos hinauf spürt, aber nur durch eine Beschleunigung oder Part mung der Strömung, während in den Rio-Para das Meerwasser eindringt und ihn schwach brackisch macht. Die Süßwassermassen des Hauptstroms drängen das Meerwasser 7 Ebbezeit über 200 km weit von der Küste zurück und geben sogar der an der brasilian. Küste nordwestlich fließenden Strömung wif eine weite Strecke eine andere Richtung. Die zwischen beiden Hauptmündungen liegende —.— Marajo hat eine Fläche von 19270 gkm. Eine Deltabildung —. an der Mündung des A. nicht vorhanden, obgleich er gewaltige Massen von seinen Ufern und seinem Grunde fortspült. Der Strom hat im Gegenteil einzelne kleinere Inseln in der Mündung allmählich andbänke sind in demselben vielfach vorhanden und ändern ihre Lage sehr schnell. Der gewaltige Strom heißt in seinem Oberlaufe und bis Tabatinga Tunguragua und Maraon, dann bis zum Einfluß des Rio-Negro Solimoes oder Solimoens, weiterhin bis zum Meere Amazonas. Der Gesamtname «Amazonenstromo beruht auf der Sage von einem dortigen Stamme weiblicher Krieger oder auf Umdeutung des Namens Amassona, d. h. Bootzerstörer, mit welchem man ihn von Indianern in der Nähe der Mündung im 16. Jahrh. benennen hörte. Der A. nimmt über 200 Nebenflüsse, darunter 100 schiffbare, und zwar 17 Ströme ersten Ran-Ei von 1500 —3500 km Länge auf, welche sein tromgebiet auf 7337000 qkm (drei Viertel des Inhalts von ganz Europa) und auch ohne den großen Tocantins (s. d. 225 6500000 qkm erweitern. Vom 3.“ nördl. Br. bis zum 20. südl. Br. liefert der Ostabhang der Andes seine Gewässer in den A. Unter den Nebenflüssen sind sechs, welche den Rhein an Länge und Wassermasse übertreffen, und doch sind selbs die beiden größten von ihnen, der Rio-Negro und der Madeira, nicht im Stande, bei ihrer Einmündung einen merklichen Eindruck auf die Strömung des A. in der Mitte zu machen. Ihre ene Heit die durch den Unterschied der Farbe noch eine Zeitlang kenntlich bleiben, werden in ziemlich schmaler Linie am Ufer entlang gewälzt, bis sie in der Gesamtmasse verschwinden. Die meisten dieser Nebenflüsse bilden bei ihrer Einmündung Deltalandschaften, und außerdem gehen mehrfach oberhalb derselben vom Hauptstrome Arme aus, die in die Nebenflüsse ausmünden, sodaß ein unentwirrbares Gewebe von Flußarmen und Inseln entsteht; man kann in Booten von Santarem nach Obidos hinauffahren, ohne ein einzigesmal den Hauptstrom zu berühren. Durch Abzweigung eines Seitenarms des Madeira, der sich * nach 350 km wieder mit dem A. vereinigt, wird die größte von dessen Inseln gebildet, die 14300 akm große Ilha dos Tumpinambaranas, auf welcher 1— die letzten Reste des einst mächtien Volks der Tumpinambas erhalten haben. Die edeutendsten Nebenflüsse F rechts: der Huallaga, Ueayali, Javari, Jutahi, Jurua, Teffe, Coary, Purus, Madeira, Tapajos oder Rio-Preto, Xingu und Tocantins; links: der Santiago, Marona, Pastaza, Napo, Putumayo oder Ica, Caqueta oder Yapurä, der Rio-Negro mit dem Cassiquiare, der Uatuma und Trombetas. Die Einfahrt in den A. 1. wegen der den Mündungen vorgelagerten Sandbänke — —7 gefährlich. Dazu tritt die Naturerscheinung der berüchtigten H ein Zweikampf, zwischen Ocean und trom, der besonders 63 Zeit der Springfluten die Schiffe aöhe in 8 erhebt sich zur Zeit der größten Fluthöhe in der ganzen Breite der Mündung eine Welle und rollt schäumend und sich überbriten flußaufwärts, oft von einer zweiten und ritten 946 wodurch binnen kurzer Zeit das Wasser der der seine Fluthöhe erreicht. Als Tropenstrom ist der A. das Gegenteil vom Nil, indem er nicht 1— inee denn Zonen, sondern fast in seiner ganzen Länge dem Aquator zur Seite hin-Wunc und daher seine alles Ahnliche überbietende nschwellung durch Regen in der nd ämtlich nung — iluste hud erhält. Der A. und sämtliche südl. Nebenflüsse haben ihre Regenzeit im Januar bis März, und dadurch steigt der Strom 10—15 m, verwandelt das Land meilenweit in eine Wasserwüste und gießt sein Gewässer oft durch Seitenkanäle in die Betten der Nebenflüsse aus, um sie weiter unten wieder zu erhalten. Auf ü, und Weise teilen sich die Nebenflüsse ihr Wasser mit, und so entstehen auf dem fast wagerechten Niveau der Tiefebene viele periodische Bifurkationen. Das Steigen des Wassers dauert etwa 120 Tage. Während dieser Zeit ist das Wasser des von N. kommenden Rio-Negro auf mehrere hundert Kilometer stehend oder ar rückläufig. Sechs bis acht Wochen nach dem höchsten Wasserstande treten die mit Schlamm überzogenen Waldflächen wieder hervor, und die geflohenen Tiere —. zurück, Erst wenn die Hochsiut des Stroms sinkt, beginnt das Wasser am Hauptstrome wie in den Nebenflüsfen ser. großartiges Vernichtungswerk gegen die Ufer. Die lanel, senten ich. Ganz von dichtem Urwald belastet, senken 0 Ganze Waldpartien schweben über dem asser und stürzen bei irgendeiner Erschütterung mit Getöse in das Wasserchaos. Ungeheuere Massen von Treibholz werden in den Nebenflüssen herabgeführt; doch gelangt nicht alles bis zum Meere. Vieles strandet an den Sandbänken und den zahl-Lande Inseln; anderes chhot sich an dem Uferrande zu mächtigen Holzbollwerken zusammen; zahllose Stämme sen nieder und bilden bei der trüben Beschaffenheit des Wassers eine 6 Gefahr für die Der die Stromufer begleitende Urwald bietet in Vegetation und Tierlt d M faltigkeit der T länd welt die ganze Mannigfaltigkeit der Tropenländer. Durch den Hauptstrom, Rio-Negro und Madeira Iuen das ganze Gebiet in vier Abteilungen, die in Vegetation und Fauna verschieden sind. Sehr reich ist die Fauna der Insekten, namentlich der Ameisen. Dagegen sind die Säugetiere, außer den Affen, nur wenig zahlreich vertreten. Der A. selbst ist überaus reich an Wasserpflanzen und Wassertieren, Kaimans, Delphinen und andern Waltieren, namentlich auch an Fischen und den schmackhaftesten Schildkröten. In größter Menge wird die Pira-rucu oder der Rotfisch, welcher 2—2,5 m lang und 150 — 200 Pfd. schwer wird, mit Bogen und Pfeil erlegt. Sein Fleisch wird gesalzen, gedörrt und in ganzen Ladungen nach Para verschifft Noch bedeutender ist die Jagd auf Schildkröten, deren Fleisch die Hauptspeise der Anwohner bildet. Ein wichtiges Jagdwild ist auch der Lamantin oder Manati, eine eigentümliche Cetacee, die im A. weit verbreitet ist. Der 2 bietet der A. ein Netz von Wasserder Mür wie kein anderer Strom der Erde. Von er Mündung bis an die Abhänge der Andes bildet er eine ununterbrochene Straße, und bei Tabatinga —9— seine Tiefe schon 13 m, sodaß ihn die größten Schiffe befahren können. Hierzu kommt, daß er auch am Rande schon eine große Tiefe besizt. Die mächtige Strömung ist auch für Segelschiffe verhältnismäßig leicht zu überwinden, da den größten Teil des Jahres hindurch der Passat stromaufwärts weht. Ein großer Teil seiner Nebenflüsse ist ebenfalls auf 6 WMunt hundert Kilometer schiffbar. Doch sind diese Wasserstraßen auf der Südseite an du. 150 unterbrochen durch starke Stromschnellen da, wo diese Flüsse aus dem brasilian. Hochlande in das Tiefland des A. eintreten. Aber oberhalb dieser Stellen finden sich vielfach noch Mam schiffbare Strecken. Namentlich bietet der Mamoré in Bolivia, ein Quellstrom des Madeira, eine vorzügliche Rinren e, und man arbeitet jetzt daran, den schiffbaren Teil des Madeira mit dem Mamoré durch eine Eisenbahn zu verbinden, wodurch ein bequemer Handelsweg vom wird. Pir Ocean bis ins Herz Bolivias eröffnet wird. Die Gesamtlänge der von brasilian. Dampfern befahrenen 950 im Gebiete des A. e 2 1873 schon 9900 km. Der A. wurde an seiner Mündung 1500 von Vicente Janez Pinzon, an seiner Quelle 1535 von den Spaniern entdeckt. Befahren ward der Strom zuerst, und zwar vom Napo abwärts, durch Pizarros Gefährten Francisco de Orellana (1540 — 41), der auch die Fabel von einem Lande der Amazonen und dem Goldlande oder Eldorado aufbrachte. Unter denen, welche sich in der Folgezeit um die Erforschung des Stromlaufs verdient machten, sind besonders Pedro Texeira (1637—39), der Felultenpater Samuel Fritz (ader Apostel des A. ), Condamine (1743—44), später Spix und Martius 1820), Maw (1829), Pöppig (1831—32), der rinz Adalbert von Preußen (1842), der Graf Castelnau (1846) zu nennen. Von besonderer Wichtigkeit wurde jedoch die im Auftrage der nordamerik. Union unternommene Expedition von Herndon und Gibbon (1850 — 52) sowie die Forschungsreisen asz im Auftrage der brasilian. Regierung. Der Kulturbau der Spanier und Portugiesen an den Ufern des A. und seinen Nebenflüssen stürzte zum großen Teil schon bei Vertreibung der Jesuiten und dann später, als sich Brasilien von Portugal losriß, zusammen. Doch erhob sich aus diesen jesuitisch-portug. Ruinen bereits wieder, wenn auch nur langsam, eine freiere Entwickelung. Die brasilian. Regierung unterhält acht Dampfer, welche monatlich zwischen Para und Manäos, Para und Obidos, Manäos und Tabatinga fahren. In Tabatinga schließt sich ein peruan. Dampfer an, der den A. und Huallaga aufwärts bis Yurimagua, dem Hafen von Moyobamba, fährt, wo sich ein allerdings höchst schwieriger Landweg nach Moyobamba und weiter über Caxamarquilla nach Truxillo an der Südsee anschließt. Außerdem abt es noch Heber Gesellschaften, welche den A. und einzelne Nebenflüsse befahren. Seit 1867 ist endlich die Schiffahrt auf dem A. für alle Flaggen freigegeben Cabotage ausgenommen), doch sind vorläufig fremde Schiffe noch nicht im Stande, mit den reichlich vom Staate untertützten brasilian. Dampfern zu konkurrieren. (S. arâ.) Sonach vermittelt der A. mit seinen Wasserstraßen bis in die Cordilleren hinauf die Verbindung des Atlantischen Oceans mit der Südb1 Wenn auch die Besiedelung der Uferländer es A. wegen klimatischer und anderer Schwierigkeiten nur langsam vor sich gehen kann, so bietet doch hier jetzt schon und unter allen Umständen die Natur eine Menge von Produkten, die für den Weltverkehr und die Wohlfahrt der civilisierten Menschheit von Wichtigkeit ist. Vgl. Texeira, (Nuevo descubrimiento del Gran Rio de las Amazonas „ (4 Bde., Madr. 1641; franz. 4 Bde., Par. 1681); Maury, «The Amazon and the Atlantic shores of South-America (Washington 1853); Markham, Expedition into the valley of the Amazonas o (Lond. 1859); Avé-Lallemant, Reise durch Nordbrasilien v (2 Bde., Lpz. 1860); Bates, «The naturalist on the River Amazonaso 2. Aufl., Lond. 1864; deutsch, M 1866); Kellereuzinger, Vom Amazonas und Madeirav (Stuttg. 1874); Marcoy, «Voyage à travers P'Amérique du Sud de l'Océan Pacifique à P'Océan Atlantiquen (Par. 1869); Agassiz, Voyage au Brésilo (Par. 1869); Wallace, «Narrative of travels on the Amazon and Rio negro (Lond. 1870); Orton, The Andes and the Amazon o (Neuyork 1876); Brown und Lidstone, «Fifteen thousand miles on the Amazon and its tributaries o (Lond. 1878); Mathews, «Up the Amazon and Madeira riverso (Lond. 1879). [(Zulu.