Amerikanische Altertümer. Diese sind verschiedener Art, je nach den Gegenden und den Nationen, denen sie angehören. Im allgemeinen unterscheidet man drei Abteilungen: nordamerik., mittelamerik. und südamerik. Altertümer, die zugleich drei verschiedene Kulturstufen repräsentieren. Dem verhältnismäßig einfachsten Kulturzustande entsprechen die Denkmäler Nordamerikas. Sie zerfallen in drei Gruppen. Die erste beginnt östlich an den Quellen des Alleghany in Neuyork und zieht sich südlich vom Eriesee bis zum Missouri hin; die zweite erstreckt sich von Teras am Mexicanischen Meerbusen bis Südcarolina; die dritte befindet sich am Mississippi und seinen Zuflüssen, in den Staaten zwischen den Appalachen und Mexico. Außer Straßendämmen, Treppen zu Flüssen, Aufgängen zu und Verbindungsdämmen zwischen Hügeln bestehen die Denkmäler namentlich in Umwallungen und Eodinhes Hügeln, die she aus Erde oder Stein oder beiden man aufgebaut, in so se fur Anzahl finden, daß man selbst versucht war, sie für Werke der Natur zu halten. Im Staate Ohio allein kennt man bis jetzt an 10000 Hügel (mounds) und 1500 Umwallungen (enclosures). Der Mound von Cahokia in Illinois, gegenüber St.⸗Louis, ist 220 m lang, 160 m breit an der Basis, 29 m hoch, bedeckt mehr als 3 ha Land und hat einen Inhalt von 600000 ebm. In der Grafschaft Adams in Ohio befindet sich ein Wall von 2,5 Km mit einem 20m breiten Graben, der an manchen Stellen durch Muitt Gestein hindurchgearbeitet ist. Westlich vom ississtppi läßt es die Gruppierung von Mounds leicht erkennen, daß sie Ruinen alter Städte sind (in Minnesota, Missouri und Arkansas). An den Mündungen von Flüssen mit breiter und fruchtbarer Thalbasis finden sich die größten Mounds; viele derselben wurden als günstige Lokalitäten für spätere Niederlassungen gewählt, wie Marietta, Newark, Portsmouth und Cincinnati in Ohio, Louisville in Kentucky und St.-Louis in Missouri. Die Wallbauten, zur Verteidigung und für den Kultus bestimmt, sind meist von regelmäßiger Gestalt (Quadrate, Kreise, Parallelogramme, Ellipsen, Polygone), 1,—12 m hoch und umschließen in der Re 1 einen Raum von 40—500 a, einige jedoch mehr, ja selbst von 80 ha. Fast immer befinden sich in ihnen eine oder mehrere Cisternen. Die Verteidigungswerke, erbaut auf Anhöhen, kleinen Vorgebirgen, Flußhalbinseln und den hohen Flußrändern, scheinen weniger auf Abwehrung als auf Sicherstellung berechnet. Die für den Kultus bestimmten Wallbauten, stets von geringerm Umfange, meist Quadrate, zu einzelnen oder verbundenen Kreisen und Kreisabschnitten von 7995 m Durchmesser angeordnet, umschließen einen oder auch mehrere Wortei und liegen gewöhnlich inneral nmi. erteidigungswerke. Sehr häufig entalten die Mounds auch Skelette. Entsprechend unsern Hünengräbern prägen sie in ihrer Höhe und Größe auch die Bedeutung der in ihnen Begrabenen aus. In Grave-Creek bei Parkersburg in Westvirginien fand sich ein Grab von 22 mund in Miamisburg in Ohio ein anderes von 21m Höhe. Außer diesen riesigen Bauten hat man in Nordamerika andere Reste aufgefunden, die auf eine henten Kultur deuten, als sie die heutigen Indianer esitzen. Dahin H die 13 — 15 em großen, dunkelbraunen, gebrannten Vasen von zierlicher Form und Ornamentierung, die den in Deutschland ausgegrabenen gleichen; Pfeifenköpfe und andere Gegenstände aus Thon oder Stein, mit Menschenköpfen von oft edelm Ausdruck, die den amerik. Typus zeigen, oder mit Vögeln, Fröschen u. dgl.; Geräte, Schmucksachen und Waffen aus Silber und Kupfer vom Obern See, von Glimmer aus den Alleghanies, von Muscheln aus dem Mexicanischen Golf, von Obsidian aus Mexico. Diese Reste wurden auf allen Punkten des Mississippistromgebiets ausgegraben und deuten auf einen regen Handelsverkehr unter den einst hier wohnenden, in Religion, Sitten, Gesetzen und Regierung offenbar verwandten Völkern, deren Blüte aller Wahrscheinfal nach in den Anfang der christl. Zeitrechnung fällt. Eine Bevölkerung, welche so ausgedehnte militärische Werke zu ihrem Schutz erbauen und behaupten konnte, mußte wichtige Interessen zu verteidigen haben, also mindestens Ackerbau treiben und hatte jedenfalls eine höhere Kultur als die von den Europäern zur Zeit der Entdeckung Amerikas vorgefundenen armen Indianerstämme, von denen keiner weder die Fertigkeit noch die Mittel besaß, eine derartige unproduktive Arbeit zu liefern. Ob die Urheber dieser Werke später das mildere südl. Klima gesucht haben, ob sie den siegreichen Waffen fremder Eindringlinge unterlegen, ob sie durch Hungersnot oder Seuchen vertilgt sind, das läßt sich hei dem unvollkommenen Material der Forschung nicht ermitteln. Vgl. Squier und Davis, Ancient monuments of the Mississippi valleyy (Washingt. 1848). Zeugen einer höhern Kulturentwickelung sind die Denkmäler Südamerikas, zunächst innerhalb der Grenzen des ehemaligen Inkareichs (Peru, Bolivia, Quito). Zu den bekanntern Denkmälern gehören: die Ruinen eines Inkatempels auf der Insel Titicaca im Titicacasee; die Reste des berühmtesten aller Tempel des Pachacamac, 17 km von Lima; die an mehrern Orten vorkommenden Opferstätten, Gräber und Paläste der Inkas. Alle Bauten, meist einfache Vierecke aus großen behauenen Steinen, mit riesigen Steinplatten gedeckt, charakterisieren sich durch die pyramidale Gestalt der Thür⸗ und Fensteröffnungen, welche sich öfter mit einfachen unds chönen Umfassungen geziert finden. Die Skulpturen an den Tempelruinen von Tiahuanaco am Ufer des Titicacasees, welche zu den prächtigsten des alten Peru gehören, zeigen bei einer sorgfältigen Behandlung nur die allgemeinen Umrisse der mens 4 Die Form nach konventionellen Gesetzen bearbeitet. Diese aufrecht stehenden gewaltigen Mauern von Sandstein, Trachyt und Basalt sowie diese großen Thore von Monolithen waren schon Ruinen, als die Inkas das Land eroberten. Auch der Bau von Festungen, Kanälen, Brücken (aus Holz) und Straßen war in Peru bedeutend ausgebildet. Den Beweis davon liefert die großartige Inkastraße, die im Gebirge durch Felsen gesprengt, die Abgründe 5en mächtigen Erddämmen überschreitend, in doppeltem Laufe teils auf dem Kamme der Anden, teils längs der Küste, von Cuzeo nach Quito führte und zum Schutz wie zur Bequemlichkeit mit Festungen und 110 der be versehen war. In Cuzceo fand sich nämich der berühmte große Tempel des Sonnengottes, zu welchem 4000 Priester gehörten. Außerdem hatte Cuzceo noch 300 kleinere Tempel, und deshalb wurde es mit dem ganzen Reiche durch Straßen verbunden. 11 Metall⸗ und Goldschmiedearbeiten scheinen sich die Peruaner nicht über das Gewöhnliche erhoben zu haben. Sonst sind in Südamerika noch mannigfache Reste einer ehemaligen höhern Kultur seiner Urbewohner die Aukuret doch haben dieselben bis jetzt nur wenig die Aufmerksamkeit der Lem die auf sich gezogen. Dahin gehören vor allem die Reste alter massiver Bauwerke eigentümlicher Art, die sich auf der Hochebene von Tunja, dem Wohnsitze der Muiscas oder Chibchas, finden und für Ruinen alter Tempel gehalten werden. Nach den Berichten der Conquistadoren besaßen die Muiscas eine gewisse Kultur, wie auch der bei ihnen gefundene, von Humboldt beschriebene Kalenderstein und die Goldarbeiten derselben (meist aus vielen einzelnen gegossenen oder gehämmerten Blättchen und Drähten zusammengesetzte Figuren, Menschengestalten oder Götzenbilder darstellend) bekunden. Außerdem besitzt Südamerika in den Savannen von Varinas eine 38 km lange, aus hohen Dämmen bestehende Straße und viele Begräbnisstätten. In dem jetzt von den rohesten Stämmen bewohnten Orinocogebiete finden sich hoch an Felswänden riesige Darstellungen, Tiere, planetarische Figuren u. dgl., wahrscheinlich von symbolischer Bedeutung. Die interessantesten und wichtigsten Denkmäler altamerik. Kultur finden sich in den Hochländern des mittlern Amerika, im alten Mexico und Nucatan. Namentlich sind es Werke der Baukunst und Bildnerei, welche hier teils vereinzelt in der Nähe noch bestehender Wohnplätze, teils in Massen vereinigt als Reste ganzer, großer Städte (gewöhnlich casas piedras genannt) dem Forscher entgegentreten. Obgleich sie im allgemeinen gleichen Charakter tragen und das Bild einer und derselben, auf den einfachsten Prinzipien beruhenden Kunst zeigen, so lassen sich doch wenigstens zwei voneinander verschiedene Entwickelungsstufen unterscheiden. Der einen vollendetern und jedenfalls frühern gehören die Denkmäler in Oaxaca, Guatemala und Nucatan an, der andern u Merte oder der aztekischen die Denkmäler, welche in Mexico, überhaupt innerhalb der Grenzen des ehemaligen Reichs der Azteken, erhalten sind. Doch ist eine genauere Sonderung derselben nach Nationalität und Zeitaltern noch nicht möglich. Seit Antonio del Rio, der 1787 auf Veranlassung des Gouverneurs von Guatemala die Ruinen von Palenque (s. d.) besuchte, dessen Bericht aber erst 1822 raastsc und englisch erschien, Gelchrte u zeichneten und beschrieben noch mehrere Gelehrte und Reisende die Denkmäler dieser Gegenden. In Mexico zunächst sind die Hauptruinen entweder Tempel oder Befestigungen. Massiv in ihrem Bau, zeigen sie edeln Geschmack und bereits forteschrittene Kunst. Der große Tempel von Mexico ag in der Mitte der Stadt und war so groß, daß nach Cortez 500 Pferde hier eingelegt werden konnten. Er bildete eine Pyramide von fünf Etagen, 38 mhoch mit einer Basis von 95 m und zwei Türmen. Zu den wichtigsten seit Humboldt bekannt gewordenen und ältesten Denkmälern des Landes Teorihn die beiden Pyramiden bei San-Juan de eotihuacan, im whers von Mexico mitten in einem System kleiner, hoher Pyramiden gelegen. Andere Pyramiden merkwürdiger Struktur finden sich zu an-Christobal Teopantepec, zu Sta.⸗Cruz del Quiche, bei Xochicalco, in Guatusco, bei Cuernavaca und anderwärts. Ruinen ganzer Städteanlagen findet man zu Tula (Tollan), der alten Toltekenstadt, bei Papantla in Veracruz, bei Mapilca in ders elben Gegend, bei Palenque in der Provinz Chiapas, zu Ocosingo in derselben Provinz. (S. Teocalli.) Die gesamte Architektur des mittlern Amerika und Mexicos hat die Pyramide zum Grundprinzip. Vorzugsweise kommt dies in den religiösen Monumenten, weniger sichtbar in Tempelbauten und Palästen, zur Erscheinung. Aber auch bei andern Bauten 26 die Pyramidalform wieder, insofern dann die Größe der einzelnen Stockwerke stufenförmig abnimmt. Die Architektur der Mexicaner ist streng stilgerecht durchgeführt, wenn sie auch von keiner sehr hohen Entwickelungsstufe zeugt. Alle Details und Gliederungen sind nach den einfachsten Gesetzen gebildet. Zum Schmuck der Wandflächen sieht man nur geradliniges, wenn auch zum Teil reich und mannigfaltig zusammengesetztes Kassettenwerk, Mäanderzüge, Zickzacks u. dgl. angewendet. Als Ganzes aufgera t erschienen die zu ebener Erde oder auf nn Terrassen oder auf den Scheiteln der Teocallis errichteten Gebäude als einfache viereckige Massen mit geradlinig überdeckten Portalen, einfach viereckigen Pfeilerstellungen, über denen sich oft ein friesartiger, reich ornamentierter, selbst überladener Aufsatz erhebt. Die Bedachung ist entweder horizontal oder durch stufenförmig übereinandergeschichtete Steinplatten gebildet. Diese eigentümliche Bedachung sowie der Mangel an Säulen machen die Aus uchiit d eines bedeutenden Innenbaues unmöglich. it den Bauwerken vereinigt werden meist Skulpturen, als Reliefs oder als freistehende Statuen, angetroffen. In denselben erkennt man deutliche, auf verschiedene Völker und Zeitalter hindeutende Unterf chiede. Die aus einfach kolorierten Umrißlinien bestehenden hieroglyphischen Malereien der Mexicaner sind in demselben Stile wie ihre Skulptur gehalten. Sauber gearbeitete Gerätschaften aus Metall und Thon, unter denen namentlich die Nachbildungen der Tiere besonders zu nennen, finden sich in europ. Museen. In Centralamerika sind vor allem Honduras und Yucatan reich an Altertümern und Ruinenstädten. 9 ersterm Staate sind zu nennen Comayagua, arumela und Lajamin, in deren Nähe man geschnittene Steine und bemalte Vasen von großer Schönheit gefunden bath Temampua, welches 250 —300 verschiedene Gebäude enthält, darunter eins, welches 95 m mißt und verschiedene Pyramiden einschließt, und namentlich Copan, dessen Monumente und Verzierungen sich mit denen Agyptens messen können. Kolossale Götzenbilder, in Sandstein gehauen, sind oft auf 700 m hohe Berge geschafft worden. Die am häufigsten wiederkehrenden Skulpturen sind Totenköpfe, die aber mehr Affen als Menschen ähnlich sehen. Die Ruinen von Copan sind die ältesten des Landes, und schon bei der Ankunft der Spanier waren die abenteuerlichsten überlieferungen über sie bei den Indianern im Gange. In Yucatan sind schon etwa 50 Ruinenstädte bekannt, deren het t und Ausdehnung überraschen. Die Paläste estehen oft aus verschiedenen, übereinanderliegenden Bauten, wie z. B. die von Inh. Labna, Kabah, Uxmal u. s. w.; kolossale reppen führen von Terrasse zu Terrasse, auf jeder Seite mit Schlangen verziert, deren Kopf den Boden berührt, während der mächtige Körper sich aufwärts schlängelt. Großartige, mit Steinen gepflasterte Heerstraßen sind sehr häufig auf der Halbinsel; noch jetzt benutzen die Eingeborenen die von den uuhen & Herrschern des Landes angelegten künstlichen Cisternen. Während die neuern Monumente mit Ornamenten überladen sind 4. Ernt sich die uralten Denkmäler durch Einfachheit, Ernst und Solidität aus, so der berühmte pyramidale Tempel von Palenque in Guatemala, dessen Front mit Figuren und Inschriften geschmückt ist, Kefs rend im Innern Skulpturen und Basreliefs mytholog. Charakters die Wände bedecken. der einzelnen Räumen werden dort auch die Überreste von Götzenbildern und Altären sowie von alten Opfern gefunden. Die in Santa-Lucia de Cotzamalquapan gefundenen überreste eines Tempels finden sich seit Aug. 1881 teilweise in der ethnographischen Rretund n des berliner Museums. Es sind acht große und kleine Tuffsteine, welche allegorisch das menschliche Opfer darstellen. uch im übrigen Centralamerika finden sich merkwürdige Reste untergegangener Kultur, o in Costa-Rica, wo massive Schmucksachen von Gold, kleine Götzen von Erz, Gold und Kupfer und gefällige Thongefäße auf eine gebildetere Bevölkerung als die Indianer hinweisen; ferner an der Mosquitoküste, wo in neuerer Zeit zierlich geschmückte Granitgefäße und Porträtmasken von Häuptlingen, aus Thon mit Goldstaub gemischt, entdeckt wurden; end ich aber in Nicaragua, wo die Inseln der Inlandseen noch bedeutende Ruinen aufweisen. Die dort gefundenen Götterbilder haben die primitivste Form; die Skulptur derselben ist roh und bizarr, die Glieder sind nur angedeutet. Am Managuasee gibt es bemalte Felsen. Außer dem großen Prachtwerke von Kingsborough: «Antiquities of Mexico (4 Bde., Lond. 1829), sind als bahnbrechend und zuverlässig auf diesem Gebiete zu nennen: John L. Stephens, E. G. Squier und Catherwood. Brasseur de Bourbourgs Schriften über diese Altertümer enthalten viel mehr Dichtung als ennt Ber Unter den deutschen Forschern steht Herm. Berendt aus Danzig (1817—78) obenan, der außer seinen Leistungen als Sprachforscher, wie über die Mayasprache, 1877 im Auftrage des berliner Museums sehr erfolgreiche Ausgrabungen in Santa-Lucia de Cotzamalquapan vornahm und die oben erwähnten Steine mit Hilfe des Ingenieurs Nab nach Berlin vermittelte. Ch. Rau, wenn auch englisch schreibend, Bearbeiter des Palenque Tableto (Washingt. 1879), hat sich als Iueleerbew und tüchtiger Quellenforscher und Ausleger bewährt. Auch der Schweizer „J. von Tschudi macht in seinen „Antiguédades eruanaso (Wien 1851) viele wertvolle Mitteilunen über die peruan. Altertümer. (Hierzu eine Tafel: Amerikanische Altertümer.)