FeedHöhlen
ErdkundeBrockhaus 1882

Höhlen nennt man leere oder teilweise mit Wasser angefüllte Räume unter der Erde, die entweder völlig verschlossen oder durch schmale, öfters durch Kunst erweiterte ffnungen zugänglich sind. Da sie meist durch die auflösende Thätigkeit des im Gebirgsinnern eirkulierenden Wassers entstanden sind, und Kalkstein, Dolomit und Gips in größter Menge vom Wasser aufgelöst werden, so sind Territorien, die aus den genannten Gesteinsarten zusammengesetzt werden, die hauptsächlichste Heimat der H. Dieselben bilden meist größere, zusammenhängende Höhlensysteme, die sich bald durch Uld Kanäle schlauch- oder spaltenartig fortziehen, bald wieder großartig in Kammern, Hallen, hochgewölbten Domen erweitern. Nicht minder Rren ist die Abwechselung in der Höhenlage der einzelnen Teile eines und desselben Höhlensystems, indem die Höhe steigen, sich wieder senken, zuweilen jähe Abstürze bilden, und sich sehr .So son 5ie. oft viele Kilometer weit ausdehnen. So soll die Mammutshöhle bei Greenriver in Kentucky 15 km und mit ihren Seitengängen und Verzweigungen 260 km Ausdehnung haben. Nach A. von Humboldts Vorgange unterscheidet man: Spaltenhöhlen; Gewölbhöhlen, die man 400 Grotten nennt, wenn sie geringe Tiefe oder einen weiten Eingang haben; Schlauch1½ enge, gewundene Kanäle. Die meisten bestehen aus Kombinationen dieser drei Formen. Die H. in den Kalk⸗ und Dolomitgebirgen gewinnen besonders an Interesse durch die Bildungen von Höhlenkalk, Kaltsinter oder Tropfstein (s. d.), welche die Höhlenwände in der seltsamsten Weise inkrustieren. 2* den berühmtesten dieser Tropfstein⸗ oder Stalaktitenhöhlen gehören die von Adelsberg im Karstgebirge, die Baumanns⸗, Biels⸗ und Scharzfelder H. im Harz, die Dechenhöhle in Westfalen, die H. in der Gegend von Muggendorf in Franken, die Nabelhöhle bei Aadischen in Schwaben, die von Antiparos im Agäischen Meere. (S. Tafel: Höhlen, Fig. 1.) Viele derselben sind zugleich Knochenhöhlen, in denen sich die Überreste vorweltlicher Tiere nden. (S. Fig. 2.) In Sandsteinfelsen finden N oft höhlenartige Ausspülungen, wie namentlich in der Sächsischen Schweiz. (S. Fig. 3.) Die in manchen vulkanischen Gateinen vorkommenden H. sind meist nur kolossale Blasenräume, die durch die Entwickelung von hen Hewörartt und Gasen bei dem ursprünglichen Hervordrängen der geschmolzenen Massen aus dem Erdinnern entstanden sind. Da, wo Basaltdecken, welche in vertikale Säulen abgesondert sind, von der Brandung benagt werden, entstehen zuweilen Grotten und H. durch Unterwaschung, Zusammensturz und Wegspülung einzelner Gruppen von Säulen. Auf diese Weise ist z. B. die Bildung der berühmten Fingalshöhle auf der schott. Insel Staffa (s. Fig. 4) zu erklären. Außerdem sind noch zu erwähnen die Eishöhlen, welche selbst in gemäßigten Klimaten das ganze Jahr hindurch Eis in größern oder kleinern Massen enthalten; ferner die sog. Krystallhöhlen oder Krystallkeller im Granit der Alpen (Schweiz, Dauphiné, Savoyen u. s. w.), an deren Wandungen Kieselsäure als Bergkrystall und Rauchtopas auskrystallisiert ist und prächtige Auskleidungen bildet, wie in der berühmten Krystallhöhle des Zinkenstocks im Berner Oberlande.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 325Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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