FeedAppalachen
NaturlehreBrockhaus 1882

Appalachen oder Alleghanies (Appalachian oder Alleghany Mountains) ist der Gesamtname des vielnamigen Gebirgssystems, welches ohne allen Zusammenhang mit den Cordilleren, von diesen vielmehr durch die ungeheuern Tiefebenen des Mississippigebietes getrennt, den östl. Teil Nordamerikas, der Küste des Atlantischen Oceans im ganzen ziemlich parallel (jedoch im N. ihr näher gerückt), von dem nordöstl. Teile des Staates Alabama in nordöstl. Richtung bis zum Lorenzstrome in einer (diagonalen) Länge von etwa 2000 km durchzieht. Das Gebirge hat im allgemeinen Plateaucharakter, erhebt sich nirgends viel über 2000 m über das Meer und wird auch das Appalachisch-Acadische Gebirgssystem genannt. Im NO. werden durch die tiefen Querspalten des Hudsonstroms, des Champlainsees und dessen in den Lorenzstrom gehenden Abflusses Chambly, etwa unter 56 20, westl. L. (von Ferro), die Granitmassen der Acadian Mountains oder des Gebirgs von Neuengland von den übrigen Berglanden der A. geschieden. Das aus Gesteinen der übergangsformation bestehende Gebirge ist charakterisiert durch lange, schmale Parallelketten untische Lan liegenden flachen Thälern, die als Rhkent che Länenfurchen erscheinen. Die Parallelketten, deren Zahl zwischen 6 und 12 wechselt, nehmen nur etwa ein Dritteil der ganzen zwüchen 150 und 190 km betragenden Breite des Gebirgs ein. Sie steigen selten mehr als 650 müber die Thäler empor und erreichen gewöhnlich nicht die Hälfte dieser Höhe. Hier und da sind die änßern Reihen (Ridges), besonders die östliche, durch Querrisse unterbrochen, durch welche die im Innern des Gebirgs entspringenden Flüsse, die in ihrem obern Laufe Längenthäler entweder in Nordost⸗ oder Südwestrichtung durchziehen, in Strom nellen oder in Wasserfällen in die westl. oder in die östl. Ebene Unter den Teilen des vielnamigen Gebirgs sind zu nennen: 1) die östlichste der arallelketten, die Blauen Berge (Blue Mountains) oder die Blaue Kette (Blue Ridge), welcher die Gruppe der Schwarzen Berge (Black Mountains) zwischen 35 und 37 nördl. Br. angehört, mit mehrern Pics von mehr als 1800 m, unter denen der 1980 m hohe Mount Mitchell oder Black Domelder Schwarze Dom) im westl. Nordearolina der Kulminationspunkt des ganzen Gebirgssystems ist; 2) die westlichsten Parallelzüge oder die Cumber landberge, welche die Grenze gegen die große Ebene des Ohio bilden, und von welchen die Laurel⸗ und Chesnutberge (an den Quellen des Ohio) am beträchtlichsten sind; 3) der nordwestlichste Teil des Hochlandes, die Alleghanies im engern Sinne, die sich etwa 450 km weit von SW. gegen NO. zwischen dem 9— in Virginien und dem Susquehanna in Pennsylvanien ausdehnen; 4) das Appalachische Tafelland, ein allgemeiner Name für das 300 — 600 m hohe Hochland, das sich zwischen der Blauen Kette und den westl. Alleghanies hinbreitet, aber eigentlich den Namen Tafelland mit Unrecht trägt, da es von zahlreichen Bergreihen durchzogen wird, von denen sich die bedeutendste, die der Kittatin oder Katatin (die Kendlosen Berge der Indianer), jedoch mit einigen Unterbrechungen, durch Pennsylvanien und Virginien nach Alabama hinzieht und mit den Bergen auf der Grenze von Tennessee und Nordcarolina, den Iron⸗(Eisen⸗), Smoky⸗ (Rauch⸗) und Unakabergen (mit dem Mount Guyot von 1954, und dem 5 Dome von 1962 m Höhe) endigt; 5) die Catskillberge, die von den Kittatinbergen nordwärts bis zum Hudson streichen und im 1120 m hohen Round Top ihren Kulminationspunkt erreichen, während sich nördlicher, jenseit des Mohawkthals, das Adirondac-Gebirge (s. d.) erhebt. Das Land im O. des Hudson, welches durch eine Erhöhung des Meeresniveaus von nur 44 m zu einer Insel werden würde, wird seiner ganzen Länge nach von den Acadian Mountains (s. Acadia) durchzogen. Ostwärts zieht sich das Plateauland bis zur Meeresküste fort, an der es, namentlich im nördlichern Teile gegen die Fundybai hin, eine steile Felsenküste mit zahlreichen Fjorden bildet. Nordwärts treten seine Felsmassen mit 60 — 100 m hohen Klippen an den St. Lorenzstrom, während es in geringer Entfernung von diesem meist 600 — 950 m hoch ist. Denselben skandinav. Gebirgscharakter granitischen Gesteins mit Felskämmen, zahlreichen Seen und Teichen hat die Halbinsel Neuschottland. Im ganzen haben die A. ihren Steilabfall nach O., obwohl er bei einzelnen Ketten gegen W. gerichtet ist. Der östl. Fuß steht in Neuengland in 250, in Pennsylvanien in 160, weiter südlich in 470 m Höhe. I und Tennessee ist der Thalboden im W. 530 m hoch, und jenseits er-Rlate sich noch 150 Em weit ein 470 —630 m hohes lateau. Wo die A. am breitesten sind, da erscheinen sie zugleich am niedrigsten, sodaß ihre Höhe in Maryland und Pennsylvanien nur 630 m über dem Meere beträgt; indes sind sie auch dort noch vollkommene Wasserscheiden zwischen dem Mississippibecken und dem atlantischen Küstengebiet. Die Erhebung des Gebirgs muß vor der Kohlenperiode stattgefunden haben, als die obern Sekundärschichten abgesetzt wurden, welche an den äußersten östl. Grenzen der A. sich hinsenken, und vor jener noch spätern Periode, in welcher die großen Ablagerungen tertiärer Mergel, Sandsteine und Thone sich absetzten, die den Südosten bedecken. Die A. sind demnach weit älter als die europ. Alpen und die Andes. Sog. Verwerfungen trifft man besonders im südwestl. Virginien, wo sie sich an 150 km weit erstrecken. Die warmen Quellen, die längs des Gebirgs so häufig sind, strömen fast alle auf der Linie dieser Verwerfungen aus. Die A. sind reich an Mineralien und bieten in den Steinkohlen und Eisenschätzen die mächtigsten Hebel für die nordamerik. Industrie. Das appalachische Kohlenfeld hat von NO. nach SW. eine Ausdehnung von 1170 Em bei höchstens 300 km Breite, sodaß es etwa 165000 qkm und weit über ein Pehnt des ganzen Steinkohlengebietes der Erde bedeckt; überall kann man in den Flußthälern horizontal in die Kohlenschichten hineinarbeiten. . 3 enthalten die A. höchst wertvolle Metalllager. In dem Granit, welcher den Rand der untern geschichteten Hen usor säumt und uweilen über weite Flächen ausgebreitet ist, wie in den Hochebenen von Neuyork und Neujersey, liegen unerschöpfliche Lager magnetischen Eisenerzes in Verbindung mit den wertvollen Lagern von Rot⸗ und Brauneisenerzen, die sich daneben von Canada bis Alabama hinziehen. Diese Lager finden sich in großen Depressionen in dem untern Kalksteine und den cher An dehnn Schiefern häufig in außerordentlicher Ausdehnung, liefern ungeheuere Mengen Eisen und haben ihre größte Entwickelung am östl. Gebirgsrande südlich vom Potomac. Der Talk⸗ und Glimmerschiefer der Blauen Berge enthält Kupfererze, aber noch weit bedeutendere Mengen von Bleierz. 44. Hiediat man durch artesische Brunnen erlangt, die bis in die untern Schichten gebohrt sind. Die slie führenden Schichten, die oft auch nicht sehr tief liegen, sind zugleich reich an Gips. Die Grafschaft Onondaga in Neuyork ist wegen ihres Salzes berühmt, und in der Grafschaft lhschicten u im südwestl. Virginien liegen feste Salzschichten mitten in den den Ktbarsen Gipsmassen. Die A. sind mit den kostbarsten Waldungen bedeckt; ganz besonders wertvoll ist die Weißfichte. Ganz im Norden trägt der bessere Boden hartes Holz, Zuckerahorn, Weißbirken, Eschen, Buchen; das ärmere Land und der Saum der Gebirgsschluchten den sog. schwarzen Wuchs, die immergrünen Pinusarten. Südlicher erscheinen die verschiedenen Eichen; an die Stelle des Ahorn, der Birke, Buche und selbst des Nadelholzes tritt die Kastanie. Der Westrand der A. oder das Ien Sal ist eine waldige Kalksteinebene, von tiefen Schluchten zerrissen, die allmählich zu den weiten Mississippi-Ebenen übergeht. Kanäle und Eisenbahnen verbinden die fruchtbaren, mit zahlreichen blühenden Städten und ergiebigen Landschaften besäeten Thäler des Innern mit dem westl. und östl. Gebiete. Die eigentlichen A. waren das Heimatgebiet des gleichnamigen Indianerstammes.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 776Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6