FeedAmmoniak
NaturlehreBrockhaus 1882

Ammoniak, farbloses Gas von äußerst scharfem, stechendem, die Augen zum Thränen reizendem Geruch, welches aus 1 Volumteil Stickstoff und 3 Volumteilen Wasserstoff besteht und demnach der Zu-Wreslen eutde NHs entspricht. Es wurde von riestley entdeckt und als alkalische Luft bezeichnet. Man erhält es in reinem Zustande, indem man feingepulverten Salmiak mit gepulvertem Ätzkalk mischt und gelinde erwärmt; das dabei entweichende Gas ist über Quecksilber zu sammeln oder derartig aufzufangen, daß man das Entwickelungsgefäß mit einer aufwärts gerichteten beiderseitig offenen Glasröhre versieht und über diese eine mit ihrem Halse nach abwärts gekehrte Flasche stülpt, wobei das spezifisch leichtere Ammoniakgas die in der Flasche befindliche Luft verdrängt. Unter einem Druck von 6,5 Atmosphären wird das Gas bei einer Temperatur von 10 C. zur Flüssigkeit verdichtet, die bei —33,7 C. siedet; bei Temperaturen, welche unter dem Siedepunkt des flüssigen A. liegen, genügt der eigene Druck des Gases, um es zu verflüssigen. Das flüssige A. ist eine farblose, schr bewegliche, stark lichtbrechende Flüssigkeit von 0,650 spezifischem Gewicht bei —10 C.; bei den niedrigsten zu erzeugenden Kältegraden, in einem Gemisch von fester enn en und Ather, erstarrt das flüssige A. zu einer krystallinischen, bei — 75 C. schmelzenden Masse. Das gasförmige A. zerfällt, wenn man es durc eine glühende in sen leitet, unter Verdoppelung des Volumens in seine Bestandteile, Stickstoff und Wasserstoff. Es 1 sich äußerst leicht, unter lebhafter Wärmeentwickelung, in Wasser,1 Volumen Wasser nimmt dabei, wenn dasselbe durch Eiskühlung auf O Grad uf, an wird, nach Bunsen 1050 Volumen Gas auf, durch Wanzoceunobichon nimmt das A. wieder Gasform an; so genügt schon eine Erwärmung der beim Eispunkt gesättigten Lösung bis auf 20“, um eine Flüssigkeit zu erhalten, welche nur noch 654 Volumen A. enthält, während annähernd das 400fache Volumen der Flüssigkeit Gas ausgetrieben wird; sehr konzentrierte wässerige Lösungen von A. können daher unter sehr gelindem Erwärmen zur Gewinnung des Gases verwandt werden. An der Luft läßt sich das Gas nicht entzünden, in einem Gemisch von Luft und A. brennt eine Kerze unter Vergrößerung ihrer Flamme und Konsumtion des A. weiter; leitket man durch eine erwärmte konzentrierte Ammoniaklösung Sauerstoff, so läßt das entweichende Gemisch von A. und Sauerstoff sich entzünden und brennt mit grünlicher Flamme; bei Anstellung dieses Versuchs ist Vorsicht geboten, da das Gemisch der beiden Gase leicht explodiert. Ohne jegliche Gefahr läßt sich dasselbe zeigen, indem man in eine mit erwärmtem wässerigen A. gefüllte Flasche ein Rohr einführt, 10 welches Sauerstoff zugeleitet wird, und dem Tlamunre nabe an der Mündung der Flasche eine Flamme nähert; es entsteht dann Entzündung, und die Flamme bleibt erhalten, wenn man das Gasrohr in den Bauch der Flasche einührt; das waen brennt dann scheinbar im mmoniakgas, während diese Umkehrung der Flamme dadurch herbeigeführt wird, daß das A. an der Berührungsstelle der beiden Gase verbrannt wird. Beim Erhitzen mit Metalloxyden verhält sich A. ähnlich wie Wasserstoff, es reduziert meist die Oxyde zu Metall unter Abspaltung von Stickstoff, manche Metalle verbinden sich mit dem frei werdenden Stickstoff. Wässeriges A. wird durch Chlor, Brom und Jod zersetzt, indem Stickstoff frei wird und Ammoniumsalze entstehen; letztere können bei Üüberschuß von Chlor oder Jod Veranlassung zur Bildung von stark explodierenden Verbindungen werden. Über glühende Kohle geleitet verwandelt sich das A. in Cyanverbindungen. A. bildet sich, wenn man durch ein Gemisch von Stickstoff und Wasserstoff, welches unter gewöhnlichen Umständen keine direkte Verbindung eingeht, anhaltend den elektrischen Funken schlagen läßt. Es entsteht ferner, wenn Wasserstoff im Entstehungszustande auf salpetersaure Salze oder Sawpetersalue oder Stickoxryd und sonstige höhere Orydationsstufen des Stickstoffs wirkt; beim Glühen aller stickstoffult be Verbindungen mit Natronalk; beim Kochen der Amide mit A on sistoff bei der Fäulnis und trockenen Destillation stickstoffhaltiger organischer Verbindungen; bei der Erhitzung von Cyanverbindungen in Wasserdampf. Geringe Mengen von A. finden 14 in Form von kohlensaurem und salpetersaurem Ammoniumsalz in der atmosphärischen Luft, diese werden von jedem wässerigen Niederschlag aufgenommen, so vom Regen, Tau, Schnee, und gelangen damit in konzentrierterer Form auf die Oberfläche der Erde, wo das in den Boden hnl allen dd A. als wichtiges Ernährungsmaterial aller pflanzlichen Organismen dient und von diesen in Eiweiß und sonstige Pflanzensubstanz verwandelt wird. A. verbindet sich direkt mit allen Säuren unter Bildung von Ammoniumsalzen (s. unter Ammonium), die häufig als Ammoniaksalze bezeichnet werden. Mit Säureanhydriden verbindet sich A. unter Bildung von Aminsäuren. Manche Salze gehen . n mit dem A. ein, so z. B. das Chlorsilber und Chlorcalcium; letzteres Calz läßt sich daher nicht zum Entwässern von feuchtem A. verwenden; das trockene Chlorsilber-A. ist von Faraday zuerst zur Verflüssigung des A. angewandt, indem er dieses Salz in dem kürzern Schenkel einer beiderseitig dahrend dere starkwandigen Glasröhre erwärmte, während der andere Schenkel sich in einer Kältemischung befand. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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