FeedAmmoniakverbindungen
NaturlehreBrockhaus 1882

Ammoniakverbindungen oder Ammoniaksalze genannt, sind fas Alcterbur, in Wasser leicht löslich und gut krystallisierbar, nur das Ammoniumplatinchlorid und das saure weinsaure A. sind schwer löslich. Erkennbar und von den ihnen sonst so ähnlichen Kaliumverbindungen unterscheidbar sind sie sofort an dem stechenden Ammoniakgeruch, welcher auf Zusatz irgendwelchen Alkalis bemerkbar wird. Zu ihrer Darstellung dient Ammo-Iniak, welches man entweder in Wäsderiger Lösung oder gasförmig auf die betreffenden Säuren wirken läßt. Das dazu dienende Ammoniak gewinnt man durch Fäulnis stickstoffhaltiger organischer Substanz, des im Harn enthaltenen Harnstoffs (ein gegenwärtig kaum . 8 angewandtes Verfahren) boder durch trockene Destillation stickstoffhaltiger Substanzen, wobei Ammoniumverbindungen als Nebenprodukte e Meben z. B. bei der Darstellung der Knochenkohle (Nebenprodukt: ein mit empyreumatischem Ol verunreinigtes kohlensaures A., teils in wässeriger Lösung, teils in fester Form) und bei der Bereitung des Leuchtgases. In letzterm großartigen Industriezweig wird die in allen Steinkohlen enthaltene stickstoffhaltige Substanz in verschiedene Ammoniumverbindungen übergeführt, die als schädliche Verunreinigungen dem Gase entzogen werden müssen; das dabei erhaltene sog. Ammoniakwasser wurde Hune in den meisten Gaswerken als ein höchst lästiger Abfall betrachtet, dessen Beseitigung Schwierigkeiten und Kosten verursachte, neuerdings ist es das wichtigste Rohmaterial für die Herstellung aller Ammoniumverbindungen und damit zu einer erheblichen Einnahmequelle der betreffenden Anstalten geworden. Je nach der Qualität der verarbeiteten Kohlen, namentlich aber nachdem mehr oder weniger Wasser zum Wachen des Leuchtgases angewandt worden ist, entält das Ammoniakwasser 3—15 g Ammoniak im Liter, als kohlensaures, an und als Chloran A., als Schwefelcyanammonium und als Chlorammonium, verunreinigt mit Teerbestandteilen. Um hieraus das Ammoniak abzuscheiden, wird das Wasser mit Kalkmilch destilliert, wobei die Ammoniumverbindungen in Calciumverbindungen verwandelt werden, während das Ammoniak frei wird und teils in wässeriger Lösung, teils Wentenltia gewonnen und dann durch Neutralisation mit Säure in das darzustellende Ammoniumsalz verwandelt wird. Zur Destillation bedient man sich verschiedener Apparate, von denen der Muenupfehlenist. Apparat besonders zu empfehlen ist. Derselbe ist in beistehender Figur dargestellt. A ein geräumiger, aus Leseuleh angefertigter Cylinder, an welchem seitwärts die Feuerung r, deren Züge spiralförmig um seine Wandung herumgeführt sind, an⸗ +97 ist. In der Mitte von A befinet sich ein zweiter Cylinder a, der oben ö offen ist, unten aber durch den Boden“sss von A hindurchgeht und hier mit einer abgerundeten Platte verschlossen ist, an deren tiefstem Punkt sich der Ablaß⸗ U hahn f befindet. Centrisch in a ist das Rohr b angeordnet, welches sich oben bei d trichterförmig erweitert und sich an B anschließt, während es unten durch eine Anzahl von kleinen Röhren ut mit dem Rohre a kommuniziert; die trichterförmige Erweiterung d ist von mehrern weiten Offnungen durchbrochen. Der Teil B ist eine Rektifikationskolonne, welche den in der Spiritusfabrikation all-Der ot angewandten Apparaten nachgebildet ist. er obere Teil derselben kommuniziert durch das Rohr k mit einem Kühlrohr, welches in dem Ket schlossenen Kühlcylinder C liegt. Das Destillat fließt durch das Rohr m in die Vorlage E, der nicht verdichtete Teil des Ammoniaks geht durch O in den mit Säure gefüllten, mit Blei ausgekleideten Behälter D, von dem nicht verdichtbare Gase durch das Rohr p ins Freie oder in die Feuerung geleitet werden. Das zu verarbeitende Ammoniakwasser wird durch eine Pumpe in die geräumige Cisterne * Fechesmn Aus dieser wird zunächst der 4% linder Omit Ammoniakwasser gefüllt, dasselbe äuft durch das Rohr I in die Rektifikationskolonne, aus dieser durch d in den innersten Cylinder b und durch dessen Ansatzröhren tt in den umgebenden Cylinder a, in dessen untern Teil durch e die zur He Menge der Ammoniumverbindungen erforderliche Menge von Kalkmilch zugeleitet und durch das Rührwerkes mit dem Wasser gemischt wird. Das Wase füllt dann den alclur a, wobei der größere eil der unlöslichen Calciumverbindungen daselbst urückbleibt, es ergießt sich über den Rand desselben und füllt den großen Cylinder A. Ist dieser gefüllt, was man daran erkennt, daß aus dem Überlaufrohr des Cylinders h Flüssigkeit austritt so sperrt man das Abflußventil der Cisterne ab, entzündet das Feuer bei r und bringt die Flüssigkeit in A ins Kochen, die Wärme überträgt si dabei auf den 3 Dar der Cylinder a und b. Die hier entwickelten Dämpfe treten durch den weiten tohrstutzen in die unterste Abteilung der Kolonne B, werden aber durch die über diesen Stutzen ge97 Blechkappe gezwungen, durch die auf dem oden der Abteilung befindliche dünne Flüssigkeitsschicht zu paffieren, wodurch diese zum Kochen budn t wird und Lon flüchtigen Ammoniumverindungen (Schwefelammonium und kohlensaures Salz) an den Dampfstrom abgibt, während gleicheitig ein Teil des Wassers verdichtet wird. Dasselbe wiederholt sich in allen übrigen Abteilungen der Destillationskolonne, wodurch der Dampfstrom immer reicher an flüchtigen Ammoniumverbindungen und ärmer an Wasser wird und so endlich in den Kondensator C eintritt. Ist der Inhalt der obersten Abteilung der Kolonne B zum Sieden K. kommen, so öffnet man das Abflußventil der Cien Kühlcylinder C, wird hier angewärmt und kommt so vorgewärmt in die oberste Abteilung der Kolonne, in deren Boden ein Abflußrohr so eingesetzt ist, daß sein oberes Ende etwa 1 —2 em hoch über dem Boden der ersten und sein unteres Ende unmittelbar über dem Boden der zweiten Abteilung endet. Durch diese Vorrichtung, die sich in jeder Abteilung wiederfindet, wird in jeder ein konstantes Niveau der Flüssigkeit erhalten. Das oben ankommende Wasser wird hier zum Kochen gebracht, wird in der folgenden Abteilung von neuem durchkocht u. s. f., bis es unten in b anlangt. Auf diesem Wege hat das Ammoniakwasser aber bereits seine flüchtigen Ammoniumverbindungen abgegeben, es ist daher nur noch ein verhältnismäßig geringer Zusatz von Kalk erforderlich, um die nicht flüchtigen Salze zu zersetzen. Ist einmal die Destillation eingeleitet, so geht sie kontinuierlich fort, indem beständig ein dem Zufluß entsprechender Teil des von Ammoniak freien Wassers aus dem Cylinder i abläuft. Das sich in E sammelnde, durch n abgeleitete Destillat enthält wässeriges Ammoniak, kohlensaures und Schwefelammonium; letztere sind durch jede Säure zersetzbar, es braucht daher dieses nur mit der Säure, deren Salz man darzustellen beabsichtigt, neutralisiert zu werden, um die entsprechende Ammoniumverbindung zu erhalten; dasselbe erfolgt in dem Behälter O, wo das nicht kondensierte Ammoniak durch vorgelet te Säure gebunden wird. Die Wuterlt dieses Apparats bestehen in seinem kontinuierlichen Betriebe, in der Möglichkeit der Verwendung geringer Kalkmengen, deren unlösliche Verbindungen in a zurückbleiben und von Zeit zu Zeit durch f Dorteil werden können; dadurch wird weiter der Vorteil erreicht, daß die unlöslichen Kalksalze nicht mit der vom Feuer berührten Fläche zusammentreffen und somit nicht zur Bildung von Kesselstein Veranlassung werden; endlich t Nun die Einschaltung der Rektifikationskolonne den Nutzen, daß die schwerer flüchtigen Teerbestandteile hier zurückgehalten werden und nicht das Destillat verunreinigen, wodurch es gelingt, daraus sofort reine Ammoniumsalze darzustellen. Von Wichtigkeit sind 9 l Ammoniumsalze:

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 564Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6