FeedAmur oder Sachalin-Ula
ErdkundeBrockhaus 1882

Amur oder Sachalin-Ula, einer der größten Ströme Ostasiens, entsteht bei dem russ. Dorfe Ust-Strelka, am Nordende des Chingangebirgs, unter 53. 20, nördl. Br. und 139 20“ östl. L. (von Ferro), durch die Vereinigung des Argun mit der aus dem Zusammenflusse des Onon und der Ingoda gebildeten Schilka. Der A. durchströmt erst östl. Laufe als Schilka vier Längengrade bis oberhalb Albasin (s. d.), dann als Sachali oder Charamur oder Mangu die nach SSo. gerichtete Strecke bis zur Burejamündung und nun mit einer großen südl. Biegung, die seinen mittlern Teil bis zur Parallele von 47½ nördl. Br. hinabbringt, die ganze Nordhälfte der Mandschurei und ergießt sich unterhalb der Festung Nikolajewsk in 53˙ nördl. Br. und 158 40“östl. L. (von Ferro) in den weiten, aber großenteils seichten und schwierig zu befahrenden A.⸗Liman, der im O. durch die langgestreckte Insel Sachalin vom Großen Ocean getrennt, im N. mit dem Ochotskischen und im S. durch die schmale Mamio-Rinzostraße mit der Tatarischen Meerenge und so mit dem Japanischen Meere in Verbindung steht. Die Länge des Stromlaufs mit Einschluß des Argun beträgt etwa 3420 Km, und das Flußgebiet wird zu 2150000 qkm geschätzt. Der A. kann ganz, außerdem die Schilka bis oberhalb Nertschinsk, die Ingoda bis nach Tschita, der Hauptstadt des transbaikal. Gebiets in Sibirien, befahren werden: eine Schiffahrtslinie von mehr als 3000 km Länge und großer Wichtigkeit als Pre der für das Amurland (s. d.). Ein Gebirgszug, der sich in 512 nördl. Br. vom Chingangebirge, an der Westgrenze der Mandschurei, abzweigt, früher Kleiner Chingan (auf den chines. Karten Dousse-Alin), jetzt 2 mütlern 20 genannt, streicht gegen O. über den mittlern Lauf des A., und jenseit desselben wendet er sich gegen ND. So wird das Gebiet des A. gleichsam in zwei Becken geteilt, in ein nordwestliches mit dem gegen SO. gerichteten Oberlauf des A. und den Nebenflüssen Dseja und Bureja, und ein viel ausgedehnteres im S., SO. und O. mit dem nordostwärts gerichteten Unterlaufe und den Nebenflüssen Ussuri, Goryn u. a. Von Ust-Strelka an windet sich der A. durch die bewaldeten Ausläufer des Chingan-⸗ und Stanowoigebirgs ostwärts in einem engen i in Von Albasin an entfernen sich die Berge mehr und mehr von dem Flusse und werden niedriger. Das weidereiche Thal wird offener, und zahlreiche Inseln treten auf, welche die Schiffahrt erschweren. Wiederholt treten einzelne, zum Teil grotesk gestaltete, steile Felsmassen dicht an den Fluß, der unter 51 ½ nördl. Br. rechts den Komar aufnimmt. Erst bei Blagowestschensk, an der Mündung der mächtigen Dseja, die rechts durch den Silimdscha verstärkt wird, beginnt eine weitgestreckte Ebene, ein baumloses Prairieland. Seine Ufer beleben nun eine Menge mandschur. Dörfer; auch liegt hier am rechten Ufer die Festung Aigun (sd.). In langsamem Laufe durchschneidet der A. die Ebene, umschließt eine Menge labyrinthischer Inselgruppen, wird dann, bereits wieder umwaldet, von N. her abermals verstärkt durch den Niederungsstrom Bureja oder Njuman-Bira und durchbricht m mit reißender Strömung auf einer fast 225 km langen Strecke das finstere, dichtbewaldete Burejagebirge in einem vielfach gekrümmten, von 260 m hohen Bergen auf 600 m Breite eingeengten Felsenbett. Nach diesem Durchbruch durchfließt der A. eine einförmige, fast menschenleere, aber fruchtbare Prairie als ein breiter, mit zahllosen Inseln besäeter Strom. Hier nimmt er von SW. her den Sun gari auf, der aus dem See Kengk strömt, links den Nonni, rechts den Hulcha empfängt und von den Chinesen als der eigentliche Hauptstrom angesehen wird. Nach dieser Konfluenz'hat der A. ein so breites und mit niedrigen Inseln so dicht besetztes Bett, daß man selten beide Ufer zugleich erblicken kann. Im S. treten einige Granitfelsen ihn heran; sonst bleibt sich der Charakter der Ufer gleich bis zur Mündung des Ussuri. Dieser schöne Fluß durchströmt von S. her erst ein waldiges Bergland, dann Prairie mit hohem Grase und kräftigem Baumwuchse, in Flora und Fauna den Süden verratend, zuletzt ein niedriges Wiesenland. Er bildet jetzt die Grenze zwischen China und Rußland sowie die Grenze der fast menschenleeren Einöde, durch welche der A. zuletzt seinen Lauf genommen. Kleine Dörfer begleiten uleich den Hauptstrom bis zur Mündung. Zugleich trennt der Ussuri die endlosen Ebenen von dem Gebirgsland des Küstengebiets, welches den A. zwingt, eine nordnordöstl. Richtung einzuschlagen. Das linke Ufer bleibt bis zu 50 ½ nördl. Br. ziemlich flach, dann aber senken sich auch hier Bergzüge, die den A. bis zum Dorf Kidsi (Kisi) hin beengen. Bei Kidsi, wo die Russen die Festung Mariinsk gebaut haben, unter 51 42 nördl. Br., weichen die Berge zu beiden Seiten auseinander, sodaß sich ein 48 Km langer, seichter See bilden konnte, an dessen Westeingang jetzt die Stadt Sofiisk erbaut ist, und dessen Ostende sich der Küste in der Gegend der De Castriesbai bis auf 15 km nähert und von ihr nur durch niedrige, jetzt von einer Eisenbahn durchschnittene Höhenzüge getrennt ist. Aber anstatt hier nach dem Meere hin durchzubrechen, setzt der A., ähnlich der Donau an der Dobrudscha, seinen Lauf noch eine gute Strecke gegen N. fort, indem er ein rauhes Bergland umsäumt, das 59 bis über 650 m hoch erhebt und oft in 100 m hohen Felswänden zum Flusse abfällt. An dem linken Ufer breitet sich hier eine wellenförmige, sumpfige Waldfläche aus, die vom Amgun, dem letzten Zufluß des A., durchströmt wird, und in der sich die Seen Udal, Orel und Tschlia von dem A. abzweigen. Bei dem Vorgebirge Tebach aber wendet sich der Strom plötzlich nach O. und SO., um das Küstengebirge zu durchbrechen und seinen Mündungsgolf zu erreichen. Auf 409 untern, gegen NNO. gerichteten Laufe erhält er zahlreiche Zuflüsse, wie den Dondon, den Chungar rechts, den Goryn und Amgun links. Die vielen Inseln und Arme mit wechselnder Tiefe, die zahlreichen Bänke und Riffe, die oft sehr starke Strömung machen die 5 auf diesem Teile des A. schwierig. Vgl. Collins, Exploration of the Amoor Rivero (2. Aufl., Washingt. 1864); derselbe, Voyage dowun the Amooro (Neuyork 1866); Schrenck, «Reisen und Forschungen im Amurkande (Bd. 1 u. 2, Petersb. u. Lpz. 1858— 67 Bd. 4, Petersb. u. Lpz. 1876—77).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 589Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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