Insel (lat. insula, frz. ile, engl. island, span. isla, portug. ilha, dän. und schwed. ö oder holm, fries. oge, isländ. ey oder holmi, russ. ostrow, arab. dschesireh) nennt man gewöhnlich kleinere, rings von Wasser umflossene, Aber auch dir Kon-Teile der festen Erdoberfläche. Aber auch die Kontinente sind rings von Wasser umgeben und der bloß quantitative Unterschied reicht daher zur Be-Bornno Sumg nicht aus: Grönland, Neuguinea, orneo, Sumatra, Madagaskar heißen J., wie das kleine St. Helena oder Helgoland; dagegen gilt Australien (Reuholland) als Kontinent. Der Unterschied ist Ider e ein qualitativer. Von Meer umgebene Länder heißen dann J., wenn sie nicht, wie ein Kontinent oder ein Erdteil (s. d.), dur eine Gesamtheit physischer Bestimmungen in sich abgeschlossene Teile der festen Erdform bilden (d. h. wenn bei ihnen keine der charakteristischen Formen des Festlandes, nämlich Gebirgsganzes, orogr. und ydrogr., klimatolog., botan., zoolog. und ethnogr. erhältnisse u. s. w., den scharf ausgeprägten Stempel der Selbständigkeit, das Gepräge der 1.56 dualität, trägt), sondern wenn sie in dieser Beziehung von andern Formgesamtheiten beherrscht erscheinen. So heißt Madagaskar dem beherrschenden afrik. Hochlande gegenüber eine IJ., dagegen Australien, in der Mitte und gegenüber der südind. und Südsee-Inselwelt, ein Kontinent. Kleine J. pflegt man auch Eilande und die von zwei Armen eines Flusses gebildeten Werder oder Wörth zu nennen. Eine aleltern nahe beisammen liegender J. heißt eine Inselgruppe oder Archipel, und eine in gerader Linie nacheinander fortlaufende Reihe derselben eine Inselkette. Ein vom Meer umflossenes, von einer Seite mit dem Festlande zusammenhängendes Land nennt man eine Halbinsel (s. d.). Was die Entstehung der J. betrifft, so unterscheidet die neuere Geologie seit Leopold von Buch zwei ihrem Charakter nach wesentlich verschiedene Arten. Die einen, welche langgestreckt und schmal erscheinen und an den gegenüberliegenden Enden meist in Spitzen auslaufen, müssen sowohl vermöge ihrer geognost. Beschaffenheit als wegen der Verteilung ihrer Gebirge und des auffallenden Parallelismus ihrer Richtung untereinander als abgerissene Teile des festen Landes, als Stücke ehemaliger Kontinente betrachtet werden, weshalb man sie auch Kontinental- oder Gestade-Insel nennt. Die andere Art von J. aber, pelagische oder oceanische Insel genannt, welche sich in ihrem Haupttypus mehr der runden als der elliptischen Gestalt nähern, htaser rein selbständige Bildungen und in sich abgeschlossene Individuen unter sich, die ihre Entstehung entweder vulkanischen Wirkungen und Einflüssen verdanken oder der unermüdeten Thätigkeit der in der Tiefe des Meers wohnenden Korallentiere. Hierher gehört die große Anzahl der jährlich noch in der Sdsee und im Indischen Meere entstehenden Koralleninseln, die aber bei dem Mangel des individuellen Gepräges ihrer gesamten Naturverhältnisse den Kontinenten gegenüber doch nur als partikuläre Existenzen erscheinen. Die Gestalt beider ist wesentlich voneinander verschieden. Im erstern Falle nämlich ragen diese J. hoch aus dem Meere hervor, haben eine mehr oder minder vollkommene Kegelgestalt und häufig jetzt noch thätige Vulkane; im zweiten bilden sie niedrige, ebene Flächen, welche in ihrer Mitte stets niedriger bleiben als die sie umgebende, an den Ufern aufgeworfene Korallenmauer. Den gesamten Flächeninhalt aller bekannten J. der Erde berechnet man, Australien als Festland anenommen, zu etwa 7200000 oder 8800 000 aKm. Die größten J. sind Grönland, Neuguinea und Borneo; ihnen zunächst stehen Madagaskar, Sumatra, Nipon, Großbritannien. Die meisten J. liegen im Becken des Großen Oceans, den Erdteil Oceanien (s. d.) bildend.