Amu oder Amu-Darja (der Oxus der Alten, der Gihon oder Jaihün der Araber, der Potsu oder Fat su und Wei der Chinesen), der südl. Hauptstrom in Turan oder Turkistan, entspringt als Ak-su aus dem unter 37² 15 nördl. Br. und 91² 30“ östl. L. (von Ferro) in 4145 m Höhe gelegenen, 5 km langen See Kul-i-Pamir-churd im Lande Wachan. Er umfließt nach NO. und N. in einem nach W. geöffneten Bogen die Hochebene Pamir-kulan (Große Pamir), die Alitschur-Pamir und geht dann nach W. als Murgh-ab durch die Saris-Pamir und durch das Land Roschan. Bei Kila-Wamar vereinigt er sich nach einem Laufe von 422 km mit dem hart neben seiner Quelle entspringenden, aber nach entgegengesetzter Richtung und zwar längs des Nordabhangs des Hindukuh ebenfalls durch Wachan nach SW. fließenden (Südlichen) Pandscha. Letzterer nimmt oberhalb Kila-Pandscha in 2770 m fieße rechts den auf hoher, unbewohnter Platte fließenden Nördlichen Pandscha auf, welcher von der Großen Pamir herabkommt und den 4250 m hoch gelegenen, über 15 Em langen, bis 3 mtiefen, 1838 von Wood entdeckten Kul-i-Pamir-Kulan (Woods Victoria-⸗Lake) durchfließt. Der vereinigte Pandscha biegt bei dem 2676 mhoch gelegenen Orte Ischkaschim, 115 km von der Vereinigung seiner beiden Quellflüsse rechtwinkelig nach NNW. um und fließt durch Schugnan 140 km nördlich, bis er sich mit dem breiten und wasserreichen Murgh-ab vereinigt. Nach dem Zusammenfluß des Murgh-ab und des Pandscha biegt der jetzt Amu-Darja genannte Strom nach NW. um, durchfließt das Land Darwas, wo er rechts den Wantsch-ab aufnimmt, und richtet seinen Lauf bei Kila-Chumb rechtwinkelig nach SW., durchströmt Badachschan und nimmt links den Hauptfluß dieses Landes, den 244 km langen Kutscha-Darja (Kokscha) auf, welcher am Hindukuh entspringt und rechts den Wardodsch aufnimmt. Von der Kokschamündung aufwärts bleibt der A. im Winter Rhn hier schlag auch der Strom eine westl. Richtung ein. eiterhin nimmt der A. rechts den 644 km langen Wachsch-Fluß auf, welcher als Kyzyl-su uam Ostende des 3350 m hohen Alai-tagh auf russ. Gebiete entspringt, als Surchab Karategin durchströmt und in seinem Unterlaufe das östlich von ihm belegene Kulab von den westl. Landschaften Hissar und Kabadian trennt. Unterhalb seiner Mündung in den A. folgt nach 36 km links die des Kundusflusses oder Akserai, der im W. von Bamian entspringt; ferner ergießen sich in den A. rechts der 260 Em lange Kafirnagan, der Surchan, die Hauptwasserader Hissars, 200 km lang, der auch etwa 200 km lange Schirabad-Darja (Derbent-Darja). Weiter stromabwärts erhält der A. rechts keine Nebenflüsse mehr. Zwar würden zwei Flüsse rechts und fünf links als Zuflüsse des A. aufgefaßt werden können, wenn ihnen nicht durch Bewässerungskanäle so viel Wasser entzogen würde, daß sie den A. nicht mehr zu erreichen vermögen, sondern vorher versiegen. Unter diesen ist namentlich auf dem rechten Ufer des A. der 644 Ekm lange Serafschan (s. d.) hervorzuheben. Der A. hat in seinem mittlern Laufe eine Breite von 357 — 570 m und 2 — 8 m Tiefe. Er beginnt im April zu steigen und im Juli wieder zu fallen; während der Zeit des Hochwassers tritt er beiderseits über, namentlich weit nach rechts, wo ein Gürtel von Buschwerk und Kräutern die Grenze des Inundationsgebiets bezeichnet. In der Breite von Chiwa beginnen die unzähligen, sein Wasser nach links ablenkenden Bewässerungskanäle der Bewohner von Jeni-Urgendsch, Chiwa u. s. w. Im W. von Kiptschak fängt das Auseinandergehen seiner das Delta bildenden Arme an. Von den drei Hauptarmen münden der Ulu-Darja und der Taldyk in den Aralsee, der Laudan in den Aibugirsee, einen mit dem Aral zusammenhängenden Sumpfsee. Die Länge des A. wird auf 2200 km geschätzt. Unzweifelhaft nahm der A. chemals von Kunja-Urgendsch ab seinen Lauf auf 620 Km nach SW. zum Kaspischen Meere, in welches er gegenüber der Insel Tschaleken, 191. vom Balkanbusen, zwischen 39 und 400 nördl. Br. mündete. Nach ältern pers. Nachrichten ergoß sich der Fluß bis zum 15. an Arn in das Kaspische Meer, seitdem aber in den Aralsee. Jenkinson beobachtete 1558, daß der Fluß das Kaspische Meer nicht mehr erreichte. Sein Arm bei Kunja-Urgendsch ist gegen Mitte des 19. Jahrh. abgedämmt und in ein anderes Bett geleitet worden; aber er zeigt beständig die Neigung, sich wieder der frühern Gegend zuzuwenden. Der Chan Mehemed, der zu Kunja-Urgendsch residierte, hat übrigens denjenigen Teil der Wüste, welcher im S. des Aralsees liegt, fruchtbar gemacht, indem er durch diese hat Kanäle ziehen lassen. Mit r Bannte nsiedelung 10 Zahl und Umfang der Kanäle zugenommen, odaß der Strom sich ganz nuch 20 nach dieser Seite hingewendet und die nach W. führenden Arme verlassen hat. Gegenwärtig sind im Gegenteil alle Hauptkanäle auf der linken Seite angelegt, und es ist der Hauptandrang des Wassers jetzt wieder, wie es scheint, nach dieser Westseite gerichtet, wohin es auch 1850 und 1878 durchgebrochen ist und das alte Bett 118 EKm weit bis zum See Sary-Kamysch wieder gefüllt hat. Neuere Untersuchungen haben das jetzt trocken liegende, nach dem Kaspischen Meere führende alte Ilnebett verfolgt. Es Ereit Usboi, d. i. niedrige Ebene, ist 425 — 850 m breit und 20 — 25 m tief; seine steilen Wände bestehen aus regelmäßig geschichtetem Steppenlehm und treten im N. hier und da dicht an das Ustürt-Plateau heran, wo sich Mergel und Muschelkalk finden. In neuester Zeit ist das Aufoise Mear t worden, den A. wieder in das aspische Meer zurückzuleiten und dadurch eine Wasserstraßenverhindung Europas mit Asien herzustellen. Den Strom ersetzt hier jetzt eine Reihe langgestreckter Salzseen und zahlreicher Brunnen mit gutem Wasser. Man hielt den A. für den das Land der Massageten durchfließenden Araxes des Herodot, welcher nach Strabo und Ptolemäus sich ins Kaspische Meer ergoß; neuere Untersuchungen bestätigen diese ann Vgl. J. Wood, 4„A journey to the source 0o (Lond. 1873).