Amusetten waren Feldgeschütze sehr geringen Kalibers (Kugelgewicht etwa 1 Pfd.) mit der Bestimmung, der Infanterie beigegeben zu werden. Die Lafetten der A. waren entweder mit einer Protze verbunden oder unmittelbar mit einer Gabeldeichsel versehen. Bei dem sehr geringen Gewicht dieser Geschütze genügte ein Pferd zu ihrer Fortschaffung. Der Vorzug der A. vor den übrigen Regimentsgeschützen, welche drei⸗ bis sechspfündigen Kalibers waren, bestand in ihrer ungemeinen Beweglichkeit, vermöge deren sie sich besonders auch für den Gebirgskrieg eigneten. Die A. sind zuerst vom Marschall von Sachsen vorgeschlagen worden; demnächst sind diejenigen des Grafen Wilhelm von Schaumburg-⸗Lippe erwähnenswert. Vermittels der von N. Dreyse (in Sömmerda) konstruierten fahrbaren Zündnadelstandbüchse von 31 mm Kaliber, einem Geschoß von 200 g Gewicht und einer Schußweite von 1500 megedachte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Idee der A. in einer wirksamern Gestalt wieder ins Leben treten zu lassen; man nahm aber später wieder Abstand davon und bestimmte dieselbe lediglich für den Festungskrieg, bis sie ganz in Wegfall kam. Amusie (grch.), Mangel an Kunstsinn oder Schönheitsgefühl, überhaupt Roheit; auch Mißklang, Disharmonie; amu sisch, ungebildet, roh. Amygdalaceae (Mandelgewächse, au [Prunéae, Pflaumengewächse oder Drupassceae, Steinfrüchtler genannt), eine Abteilung der Rosenblütler, die bald als eigene Familie, neuerdings häufiger nur als Unterfamilie der Rosengewächse (Rosaceae) betrachtet wird. Sie enthält Bäume und Sträucher mit sommer⸗ oder immergrünen, einfachen, meist gesägten und fast durchweg auch mit Nebenblättern versehenen Blättern. Die regelmäßigen, in der Regel zwitterigen, in Kelch und Krone gewöhnlich fünfzähligen Blüten stehen in (oft nur ein⸗ bis zweiblütigen) Dolden oder Trauben an seitlichen Kurztrieben und durch deren Knospenschuppen gestützt. Der in den meisten Buchern fälschlich als «Kelchröhre» bezeichnete Blütenboden (das Receptaculum oder Hypanthium) ist becher⸗, glocken⸗, krug⸗ oder in der Kudipe und trägt auf seinem Rande erst den in der Knospe dachigen, fünfblätterigen Kelch, mit letzterm abwechselnd die fünf meist ansehnlichen, in der Knospe ebenfalls dachig übereinander liegenden Kronblötter und innerhalb dieser 10 — 30 freie Staub-Recevt Nach der Blütezeit löst sich das ganze eceptaculum samt Kelch, Krone und Staubgefäßen am Grunde vom Blütenstiele los (sehr selten bleibt ein ringförmiges Stück oder der ganze Blütenboden stehen) und läßt so das frei in seinem Grunde stehende einzige (selten sind zwei oder fünf Pistille vorhanden), mit endständigem Griffel und verbreiterter bis kopfiger Narbe versehene Pistill sichtbar werden, das in seinem einzigen Fruchtlnotenfache zwei nebeneinander hängende Samenknospen besitzt. Die aus dem Fruchtknoten sich entwickelnde Steinfrucht ist infolge des Fehlschlagens der einen Samenknospe meist nur einsamig; ausnahmsweise ist auch die zweite Samenknospe zum Samen ausgehildet (3z. B. in den zum sog. ielliebchen-Essen benutzten zweikernigen Mandeln). Die Mittelschicht (Mesokarp) der Fruchtschale ist bald sehr mishi und saftig (Pflaumen, Kirschen), bald trocken (Mandel), der knochenharte oder holzige Stein von verschiedener Form. Der endospermlose Same enthält einen sehr großen Keimling mit großen, ölig-⸗fleischigen Keimblättern und sehr kurzem Würzelchen. Die weit über die nördl. Erdhälfte zerstreute Familie enthält etwa 100 Arten, von denen allein etwa 80 auf die Gattung Pflaumenbaum (Prunus) kommen, wenn man diese Gattung, wie jetzt oft geschieht, im weitesten Sinne auffaßt, d. h. außer den eigentlichen Pflaumen (Prunus) mit Einschluß der Kirschen (Cerasus) und Ahlkirschen (Padus) auch die Gattungen Mandel (Amygdalus), Pfirsich (Persica), Aprikose Armeniaca) und Kirschlorbeer (Laurocerasus) zu derselben rechnet. (S. die betreffenden Artikel.) Im allgemeinen ist über die Familie noch zu bemerken, daß dieselbe schon mit etwa 40 Arten zur Tertiärzeit existierte, ferner, daß ihre Mitglieder namentlich in den Samen, —— aber auch in Rinde und Blättern Amygdalin (s. d.) enthalten, das unter der Einwirkung von neben ihm vorhandenem Emulsin (s. d.) und bei Gegenwart von Wasser in einer Temperatur von 20 bis 40* C. in Bittermandelöl, Blausäure und wasserfreien Traubenzucker nebst Ameisensäure und Ammoniak zersetzt wird.