Hinterladung (Kammerladung) ist diejenige Art, eine Feuerwaffe zu laden, bei welcher Geschoß und Ladung statt von der Mündung aus von rückwärts her in das Rohr eingebracht werden. Letzteres muß zu dem Ende mit einem beweglichen hintern Verschluß versehen sein. Die H. ist älter als die Vorderladung (Schlacht bei Crecy 1346), doch trat sie mit der Anwendung des Bronze⸗ und Eisengusses bei Geschützen in den Hintergrund, wenn wir auch in der weitern Entwickelungsgeschichte der Feuerwaffen Modelle von Hinterladern zu allen Zeiten auftauchen sehen. Die hauptsächlichsten Schattenseiten der Hinterlader früherer Zeiten lagen in der Mangelhaftigkeit des Gasabschlusses nach rückwärts, der eine Schwächung der Pulverkraft, Gefährdung der Bedienung und häufige Ladehemmungen im achen N hatte. Erst den vervollkommneten technischen Mitteln des 19. Jahrh. blieb es gen, wondert die H. nicht bloß zu Ehren zu bringen, sondern ihr auch fast alleinige Geltung zu erwerben. Das erste kriegsbrauchbare Hinterladungsgewehr ist das Zündnadelgewehr (s. d.) von Dreyse (s. d.) gewesen. Erfolgreiche Bestrebungen, die H. bei Geschützen anzuwenden, machte der schwed. Hüttenbesitzer Baron von Wahrendorff(1840), dessen Kolbenverschluß Preußen für seine ersten gezogenen Geschütze verwertete. (S. Geschütz.) Der Hauptvorteil der H. bei Handfeuerwaffen liegt in der bedeutend erhöhten Schußgeschwindigkeit, bei Geschützen in der gesteigerten Präcision des Schusses, bei beiden in dem gesichertern Gebrauch der Waffe hinter Deckungen. (S. Geschütz und Handfeuerwaffen.) 438.