FeedAndernach
ErdkundeBrockhaus 1882

Andernach, Stadt im Kreise Mayen des preuß. Regierungsbezirks Koblenz, liegt 17 km unterhalb Koblenz am linken Rheinufer unweit der Einmündung der Nette und an der Eisenbahn Köln-Bingerbrück, die hier nach Mayen abzweigt, ist Sitz eines Amtsgerichts, zum Teil mit einer Ringmauer umgeben, unregelmäßig gebaut und zählt (1880) 5669 E., welche großenteils Ackerbau, Handel mit Kartofféln und Getreide, besonders aber mit Mühlsteinen und Tuffsteinen treiben. Außerdem besitzt A. Brauereien, 450 handet Parfümerie-⸗ und Ciarrenfabriken, Holzhandel und Bimssandsteinfabrikation. Die Stadt han ein Progymnasium und ein altertümliches Rathaus mit einem Museum röm. Altertümer. Zu den Merkwürdigkeiten des Ortes auhause! das Judenbad, ein altes, hinter dem Rathause befindliches Verlies mit einem aus dem Rheine gespeisten Bassin in der Tiefe; der 1448—52 erbaute Runde Turm; der 1554 erbaute Rheinkrahn, die monumental bedeutende Pfarrkirche mit vier Türmen (Rundbogenstil), welche roßenteils dem 13. Jahrh. angehört; die im 15. arr restaurierte Kirche des ehemaligen Franzisanerklosters, welche seit 1818 Artilleriekaserne war, aber 1856 dem evang. Gottesdienste zurückgegeben ward. In der Nähe der Stadt werden röm. Grabmäler gefunden, besonders am benachbarten Kirchberg. A. (Antoniacum, Antenacum) ist von Drusus als röm. Kastell gegründet. Karl der Kahle erlitt 876 bei A. durch Ludwig II., Sohn Ludwigs des Deutschen, eine Niederlage; ebenso wurden hier 939 die Herzöge von Franken und Lothringen von Otto d. Gr. und 1114 Kaiser Heinrich V. von den mit dem Erzbischof von Köln vereinigten Sachsen besiegt. Um diese Zeit kam die Stadt an das Erzstift Köln und erhob sich durch Handel bald zu Heteltendez t. Im J. 1608 war hier die die Liga vorereitende Zusammenkunft der drei geistlichen Kurfürsten; 1632 wurde A. von den Schweden eingenommen, 1633 von Josias Rantzau mehrere Wochen hindurch gegen die Spanier und Kölner mutvoll verteidigt und 1688 durch die Franzosen großenteils eingeäschert. Zu Anfang des Spanischen Erbfolgekriegs hausten hier abermals franz. Truppen, mußten aber 1702 wieder abziehen. Mit der Erwerbung der Rheinlande 1815 kam das seit 1801 ir Ander gewesene A. an Preußen. ndersen (Hans Christian), berühmter dän. Dichter, geb. 2. April 1805 zu Odense auf Fünen, wo sein Vater als armer Schuhmacher lebte. Nach dessen Tode schickte ihn die Mutter 1819 nach Kopenhagen, wo er nach vielfachen Widerwärtigkeiten in dem Musikprofessor Siboni, dem Komponisten Weyse, dem Dichter Guldberg und namentlich in dem Konferenzrat Collin warme Gönner und Beschützer fand. Mit Hilfe dieser Männer ward er unächst als Schüler der Tanz- und Singschule des heaters aufgenommen, und später erhielt er durch sie die Mittel zum Studium. Während seiner Gymnasialzeit in Slagelsee und Helsingör lenkte er durch mehrere Gedichte die Aufmerksamkeit auf sich, und insbesondere fand Das sterbende Kindv außerordentlichen Beifall, sodaß er schon ziemlich bekannt war, als er 1828 die Universität bezog. Nun entfaltete er sofort eine reiche Dichterwirksamkeit, die mit der satirischen Erzählung «Fußreise vom Holmekanal bis zur Ostpitz von Amak v (1829) begann und in einer Reihe von Arbeiten fortgesetzt wurde, die teils in der Heimat, teils während seiner vielfachen Reisen im Auslande entstanden. Seine Gedichte, von denen seit 1830 mehrere Sammlungen erschienen, zeichnen sich durch warme Empfindung und lebendige Phantasie aus. Zu denselben gehört auch ein größerer Cyklus „Aarets tolv Maanedero (Kopenh. 1832), das dramatische Gedicht »Agnete und der Meermann v (1834) und die epische Dichtung Ahasveruso (1848). Unter seinen dramatischen Arbeiten sind ferner zu nennen: „Der Mulatte (1840), Der Unsichtbare auf Sprogöer und vor allem «Die neue Wochenstube v, welche viel Glück machte und sich auf der Bühne erhalten hat. A.s Oper «Klein Karino kam zuerst in Weimar zur Aufführung. Für den Kapellmeister Gläser schrieb er «Die Hochzeit am ComerseeZv und die «Wassernixe v. Auch verfaßte er für das Kasinotheater in Kopenhagen mehrere Stücke, von denen die Märchenkomödien „Ole Luköien und «Fliedermütterchen » die gelunensten sind. Unter seinen Romanen nimmt Der mprovisatoro (1835) einen hohen Rang ein. Das Werk ist die Frucht einer Reise nach Italien, dessen buntes Volksleben und reiche Natur er hier in einer Reihe von Lebensbildern mit glänzenden Farben schildert. Diesem folgte der Roman &O. T.y (1836), welcher gelungene Bilder aus dem Norden gibt, Dneile Nur ein Geigero (1837), der durch indiviuelle Züge und eine wahre Volkstümlichkeit auf die Grundlage des eigenen Lebens des Dichters hinweist. In Die beiden Baronesseny (1849) werden dän. Verhältnisse geschildert. Ein späterer Roman ist «Sein oder nicht sein» (1857). Den Höhepunkt erreichte A. indessen unzweifelhaft in seinen Märchen. In diesen ist seine Dichtereigentümlichkeit am kräftigsten ausgeprägt. Hier hatte seine lebendige Phantasie den freiesten Spielraum, und seine wunderbare Naivetät, sein Rui cher Humor und sein kindliches Gemüt treten in ihnen weit stärker hervor als in den andern Dichtungen. Die erste Sammlung der Märchen, welche in viele 2.9 übersetzt worden sind, ließ er bereits 1835 erscheinen. Sie sind zunächst von Petersen und neuerdings von L. Richter, Thumann, Pletsch u. a. illustriert worden. Außer den Ausgaben seiner Sämtlichen Märchen (21. Aufl., Lpz. 1880) veröffentlichte er auch Ausgewählte Märchen für die Jugendo (mit Illustrationen von Kretzschmar, 17. Aufl., Lpz. 1878). Nahe verwandt mit den Märchen sind die „Historienp, die ebenfalls von Petersen (1855) illustriert wurden. Sie zeichnen sich sämtlich durch Schilderungen einfacher Situationen, durch Bilderreichtum, jugendliche Laune und Frische aus. Den ungeteiltesten Beifall hat auch sein «Bilderbuch ohne Bildero (deutsch, 17. Aufl., Lpz. 1879) gefunden. Häufige „Asei in ganz Europa, selbst nach Kleinasien und Afrika, übten auf seine poetische Thätigkeit einen anregenden Einfluß aus. Eindrücke dieser Reisen schildern: Eines Dichters Bazaro (1842), «Reiseschatteno (1831), In Schwedeny (1851). Sein Leben hat er selbst beschrieben, zuerst deutsch in Das Märchen meines Lebensv (2 Bde., Lpz. 1847, bis zum Tode ergänzt von Emil Jonas, 2 Bde., Berl. 1879), dann ausführlicher dänisch in „Mit Livs Eventyrs (1855). Im Frühjahr 1861 besuchte er zum viertenmal Rom und 1862 die bedeutendsten Städte Spaniens, von wo er auch den Ausflug nach Afrika machte. Diese Reise schilderte er in dem Werke: «In Spanieno (1863). Nach derselben verließ A. Kopenhagen nicht wieder, erkrankte 1872 schwer und starb 4. Aug. 1875. Die «Gesammelten Schrifteno A.s erschienen dänisch in 23Bänden (Kopenh. 1853 — 62), deutsch in 50 Bänden (Lpz. 1847—72, und als „Werker, Lpz. 1876 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 621Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6