Angers (Juliomagus oder Andecavi), Hauptstadt des alten Herzogtums Anjou und jetzt des franz. Depart. Maine-⸗Loire, Knotenpunkt der Orléans- und der Westbahn, liegt an der schiffbaren Mayenne, 9 km von chrer Mündung in die Loire, teils am Ufer des breiten Flusses, der hier einen belebten Hafen bildet, teils amphitheatralisch am Abhange einer Anhöhe. Die ältere obere Stadt mit engen, steilen Straßen, altertümlichen, mit Schiefer gedeckten und zum Teil damit bekleideten Holzhäusern hat ein düsteres Ansehen, bietet aber dem Freunde des Altertums manches Interessante dar. Seltsam kontrastiert mit ihr die sie umgebende untere Stadt (Doutre genannt), mit ihren neuen Quartieren, geschmackvollen steinernen Gebäuden, breitem Quai, Boulevards und allem modernen Luxus und Komfort. Die Kathedrale St.⸗ Maurice, eins der schönsten Baudenkmäler des 13. Jahrh., bis auf das Chor im byzant. Stil erbaut, hat ein einziges, sehr großes Schiff, ein schönes Portal, zwei 70 mehohe Türme und eine berühmte Orgel von Danville. Auch die Kirche des heil. Sergius und die Dreifaltigkeitskirche sind interessante Bauten des Mittelalters. Das alte Schloß, begonnen unter Philipp II. August und beendet unter Ludwig dem Heiligen, erhebt sich auf einem 32 m hohen, steilen Felsen und ist von 18 dicken, schwarzen Rundtürmen umgeben; früher Festung und Residenz, dient es jetzt als Pulvermühle. Bemerkenswert sind außerdem das alte, ö große Armenhaus, der schöne, bedeckte Fischmarkt und eine schöne Statue des Königs René (von David). A. ist Sitz eines Bistums, zählt (1876) 56846 E. und hat ein Lyceum, eine Kunst⸗ und Gewerbeschule, ein theol. Seminar, ein Taubstummeninstitut, eine Reitschule, eine ökonomische und andere Gesellschaften; ferner eine öffentliche Bibliothek von 40000 Bänden, eine Volksbibliothek von 6000 Bänden, eine Gemäldegalerie, ein Skulpturenmuseum, ein Naturalienkabinett, einen botan. Garten, zwei Theater sowie ein 5 ent-Gestüt. Einen lebhaften Gewerbsbetrieb entwickeln besonders die Segeltuchfabrik, die Baumwollspinnerei, die Taschentuch-, Kattun⸗ und Zwirnstrumpfmanufakturen sowie die in der Nähe befindlichen, 3000 Arbeiter beschäftigenden Schieferbrüche. Handel treibt die Stadt besonders mit ihren Manufakten, mit Getreide, Hanf, Kleesamen, Gl, Wein, Branntwein, Essig, Senf, Pferden u. s. w. A. ist der Geburtsort des Herzogs René von Anjou, des Gelehrten Menage, des Publizisten J. Bodin und des Bildhauers David, dessen Standbild auf der Place-de-Lorraine 24. Okt. 1880 enthüllt wurde. — Ursprünglich Hauptort der Andes oder Andecavi, wurde A. unter den röm. Kaisern ein wichtiger Platz, wie die freilich spärlichen Reste eines Kapitols, Amphitheaters, Aquädukts sowie Gräber, Münzen und andere Antiuitäten zeigen. Seit dem 5. Jahrh. unter fränk. Herrschaft, wurde es später Hauptstadt von Anjou (. d.)., Unter dem Schutze seiner Bischöfe blühte die Universität auf, welche bereits im 13. Jahrh. bedeutenden Ruf hatte. Unter Herzog René gelangte A. durch Hoffeste und Turniere, durch Kunst und Wissenschaft zur Berühmtheit. In den Hugenottenkriegen hielt es zur kath. Partei und öffnete erst 1598 Heinrich IV. die Thore. Von Ludwig XIV. erhielt es eine Akademie der Wissenschaften. Am 18. Sept. 1793 siegten hier die Royalisten unter Charette über die Republikaner unter Kleber und besetzten die Stadt. Schon am 4. Dez. desselben Jahres wurden jedoch die Sieger wieder zurückgeschlagen, worauf der Konventsdeputierte Tallien die Schreckensherrschaft in Stadt und Umgegend übte. ngestückt, Ausdruck in der Heraldik, wenn bei einem Heroldsbilde, welches einen der Schildränder berührt, z. B. bei einem Schildeshaupte, Schildesfuße, Pfahle oder dergleichen, Metall an Metall oder Farbe an Farbe zu stehen kommt.