FeedAngouleéme
ErdkundeBrockhaus 1882

Angouleéme, Hauptstadt der alten Grafschaft Angoumois und des jetzigen I Depart. Charente, Knotenpunkt der Orléansbahn und der Deux-Charentesbahn, ist am linken Ufer der Charente auf einem Plateau gelegen, an anDie ie Touvre sich mit der Charente vereinigt. Die alte Stadt, eng und winkelig gebaut, nimmt die Nordseite, die neue Stadt die Südseite der Höhe ein. Die sechs Vorstädte flankieren deren steile Abhänge und erstrecken sich bis in die Ebene, auf welche man von den terrassierten Promenaden, die an der Stelle der alten Festungswerke angelegt sind, eine herrliche Aussicht hat. A. ist Sitz eines Bischofs, zählt (1876) 28 665 . 30513) E., hat 21 bedeutende Papierfabriken, außerdem Branntweinbrennereien, Wachsbleichen, Leder⸗ und Waffenfabriken. Der Handel, dessen Hauptsitz die Vorstadt Houmeau ist, besteht vorzüglich im Umsatz von Papier, Getreide, Wein, Branntwein, Hanf, Flachs, Trüffeln, Kastanien, Seife, Salz, Kork, Stabholz, Eisen⸗ und Kupferwaren. Die bemerkenswertesten Gebäude sind die 1101— 36 gebaute, außerordentlich schöne Kathedrale St. Peter, die Präfektur (ehemals bischöfl. Palast), das prachtvolle neue Stadthaus, an Stelle des alten Schlosses, das Theater, das Hospital, das Findelhaus und die ehemalige Marineschule. Die Stadt besitzt ein blrgthei zwei theol. Seminare, eine öffentliche Bibliothek (im Justizpalast), einen botan. Garten und mehrere wissenschaftliche Gesellschaften. In der Umgegend wird viel Wein und Safran gebaut. In der Nähe der Stadt liegt die Pulvermühle von Thérouat mit 17 Werkstätten und im schönen Thale der Touvre, 6 km von A., die 1750 gegründete große Kanonengießerei von Ruelle, welche jährlich 680 Rohre liefern kann. A. ist das alte Inculisma in Aquitanien, seit 379 Bischofssitz und später Ecolisma oder Encolisma genannt. Chlodwig nahm den Ort den Westgoten 507 weg und legte den Grund einer Kathedrale. Schon damals bedeutend, spielt die Stadt auch in den folgenden Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der Kriegsgeschichte. Die Landschaft, in welcher A. liegt, hieß früher Angoumois und war in alten Zeiten eine Grafschaft. Das Grafen-Munnei starb 1218 mit Aymar Taillefer im annsstamme aus, und die Grafschaft ging durch die Erbtochter Isabelle an das Haus Lusignan über. Als Hugo XIII. 1303 ohne männliche Erben starb, zog Philipp der Schöne die Grafschaft ein, und seitdem diente sie zur Apanage und Betitelung von Angehörigen des königl. Hauses. So war Jean, der jüngste Sohn Ludwigs von Orléans, Graf von A., dessen Enkel als Franz I. den franz. Thron bestieg. Durch letztern wurde die Grafschaft 1515 zu einem Pairie-Herzogtum erhoben. Den Titel «Herzog von A. v Ipaen bestim I. dritter Sohn, Charles, der zweimal dazu bestimmt war, als Schwiegersohn Karls V. und Herrscher in Mailand den Frieden zwischen der span. und franz. Macht zu befestigen, und als Herzog von Orléans 1545 starb. Auch Karl IX. nannte sich so vor seiner Thronbesteigung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 653Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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