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GeschichteBrockhaus 1882

Anglesey, engl. Peerschaft, nach der Insel und Grafschaft A. benannt. — Der erste Graf von A. war Christopher Villiers, Bruder des Herzogs von Buckingham. Der Sohn desselben, Graf Charles, starb 1659 ohne männliche Erben. — Arthur Annesley, geb. 10. Juli 1614, Sohn Franeis Annesleys, Barons von Mountnorris und Viscounts von Valentia, ward 1661 von Karl II. zum engl. Peer, unter dem Titel eines Barons von Newport-Pagnell und Grafen von A., erhoben. Während der Bürgerkriege und unter Cromwell hielt er zur königl. Partei, wirkte mit Monk für die Rückkehr Karls II. und war dann bis 1682 Großsiegelbewahrer. Er starb 6. April 1686 in Zurückgezogenheit. Der Titel A. erlosch 14. Febr. 1761 mit dem Tode seines Nachkommen Richard Annesley, des sechsten Grafen von A., und wurde erst 23. Juni 1815 als Marquisat in der Person des Grafen von Uxbridge erneuert. — Henry William Paget, Graf von Uxbridge, Marquis von A., geb. 17. Mai 1768, war der Sohn des Sir Henry Baily, dessen Mutter von den alten Lords Paget, Grafen von Uxbridge, abstammte, die 1769 ausstarben, und der infolge dessen den Familiennamen Hπ annahm, 1784 zum Grafen von Uxbridge erhoben ward und 13. März 1812 starb. In Oxford gebildet, trat der junge Lord Paget zu Anfang der Französischen Revolution in das brit. Heer, focht 1793 — 94 an der Spitze eines selbstgeworbenen Infanterieregiments in Flandern und erwarb sich im Kriege auf der Pyrenäischen Halbinsel 1808 als Generalmajor und Kommandeur der brit. Reservekavallerie großen Ruhm, besonders bei der Deckung des Rückzugs des Generals Moore nach Coruna und im Treffen bei Benavente, 28. Dez. 1808, wo er den General Lefebre-Desnouettes gefangen nahm. In der Schlacht von Waterloo, wo er sieben Brigaden kommandierte, verlor er ein Bein. Nach der Rückkehr nach England wurde ihm nebst dem Titel eines Marquis von A. der Dank des Parlaments zuteil. Er wurde 1827 Generalfeldzeugmeister und im Febr. 1828 Vizekönig von Irland, wegen seiner den Katholiken freundlichen Verwaltung aber von Wellington schon im Dez. 1828 zurückberufen, worauf er im Oberhause entschieden für die Emancipation eintrat. Als er jedoch unter Greys Ministerium 1831 wieder an die Spitze der Verwaltung Irlands gestellt wurde, vermochte — er den Sturm nicht mehr zu beschwören. Er legte daher im Sept. 1833 seinen Posten nieder. An Lord Hills Stelle ward er Ende 1842 Oberst der Leibgarde zu Pferd (Horse Guards) und erhielt 1846 den Feldmarschallsstab. In demselben Jahre wurde er zum zweitenmal Generalfeldzeugmeister (Master-General of the ordnance). Er starb 27. April 1854. A. war zweimal vermählt: zuerst mit einer Tochter des Grafen von Jersey, die sich von ihm scheiden ließ, dann mit der Gherigen vo Gattin Sir Henry Wellesleys, des nachherigen Lord Cowley. Aus beiden Ehen hinterließ er eine zahlreiche Nachkommenschaft. — Als zweiter Marquis von A. folgte sein ältester Sohn Henry Paget, Graf von Uxbridge, geb. 6. Juli 1797, welcher 1833 als Baron Haget in das Oberhaus berufen wurde und unter dem Ministerium Melbourne bis 1841 Lord-Kammerherr der Königin Victoria war. Er starb 8. Febr. 1869. — Diesem folgte sein Sohn Henry William George Paget, geb. 9. Dez. 1821, gest. 30. Jan. 1880 zu London. — Ein Bruder des zweiten Marquis, Lord Clarence Edward Paget, geb. 17. Juni 1811, nahm an der Schlacht von Navarino und an den Feldzügen in der Ostsee 1854 —55 teil, wurde 1858 Contreadmiral und 1859 Sekretär der Admiralität, in welcher Stellung er sich um die Reorganisation der engl. Marine durch die Errichtung einer Pandung d Verdienste erwarb. Bald nach der Bilr des Ierteserd Russell-Gladstone (im Herbst 1865) verließ er das Parlament und wurde zum Oberbefehlshaber der engl. Flotte im Mittelmeere ernannt. Diesen Posten bekleidete er bis 1870. Seit 1874 ist er Hhe heißt die G. Anglesey. „Anglikanische Kirche heißt die Staatskirche in Großbritannien und Irland, welche in der Lehre reformiert, in Kultus und Kirchenverfassung eine eigentümliche Mittelstellung zwischen prot. und kath. Wesen behauptet. Im Unterschiede von den übrigen reform. om Oeundft in England, welche sämtlich, den reform. Grundsätzen gemäß, presbyteriale Ordnungen haben, Köre sie auch die Bischöfliche und den Kcls irche. Außer Großbritannien und den Kolonien zählt dieselbe nur noch in Nordamerika zahlreiche Anhänger. Die ganz eigentümliche Stellung der Anglikanischen Kirche unter den prot. Kirchengemeinschaften erklärt sich aus den eigentümlichen Wechselfällen der engl. Reformationsgeschichte. England hatte in der zweiten Hälfte des Mittelalters mehr als irgendein anderer Staat Europas unter der Gewaltherrschaft der röm. Hierarchie gelitten und war dadurch bereits im 14. Jahrh. für reformatorische Meinungen empfänglich geworden. John Wicliffe (s. d.) hatte lange vor Luther durch sein Wirken namentlich unter den gebildeten Ständen eine religiöse Bewegung hervorgerufen, welche gegen das ganze hierarchische Wesen, gegen Heiligenverehrung, Ablaß, Ohrenbeichte, Brotverwandlung, Fegefeuer u. s. w. sich richtete und die Rückkehr zur Einfachheit der Heiligen Schrift und der Auhannen Presbyterialverfassung erstrebte. Die nhänger Wicliffes, von den Gegnern Lollharden genannt, wurden grausam verfolgt, aber sein Andenken lebte in der Nation fort und bahnte den Schriften Luthers, welche seit 1519 auch in England Eingang fanden, den Weg. Seit 1526 begannen darauf John Fryth und William Tindal das Neue Testament ins Englische zu übersetzen. König Heinrich VIII. (seit ar ue der zuerst ein Gegner Luthers war, später aber wegen seiner Ehe mit Anna Boleyn mit dem Papsttum zerfiel, erklärte auf den Rat Thomas Cranmers (s. d.) und Thomas Cromwells (s. d.) sich selbst für das oberste Haupt der iche von England. Das Parlament stimmte bei, aber während die Klöster auf-Rirchense Bilder und Reliquien verbrannt und die klder Könt für Staatsgut erklärt wurden, befahl der König an den sieben Sakramenten, Transsubstantiation, Priestercölibat, Stillmesse und Ohrenbeichte bei Todesstrafe und Güterkonfiskation festzuhalten (1539). Der König rühmte sich, an Gottes Statt unmittelbar unter Christus die Kirche zu regieren: er sei in seinem Reiche awie die Seele im Leibe, wie die Sonne in der Welt ». Die königl. Pseudoreformation konnte sich jedoch nur durch den Schrecken erhalten, und mit Heinrich VIII. ward auch seine Theologie zu Grabe getragen (1547. Die Regentschaft für seinen minderjährigen Sohn Eduard VI., an ihrer Spitze der Lerdis von Somerset und Thomas Cranmer als Erzbischof von Canterbury, schaffte Heinrichs Glaubensgesetze ab und bereitete die Reformation vorsichtig vor. Martin Pete und Paul Fagi wurden nach Cambridge, Peter Martyr und Bernardin Occhino nach Orford berufen, um das heranwachsende Theologengeschlecht im reform. Glauben zu dalten seh Die 42 Glaubensartikel von 1542 enthalten schon einen . evang. Lehrbegriff, woegen man die bischöfl. amonun 5 und einen grodun Teil der alten Ceremonien beibehielt. er Versuch der blutigen Maria (1553 — 58), den Katholizismus wieder mit Gewalt einzuführen, mißlang. Unter ihr starben gegen 400 Gegner des Papsttums, darunter teler, Cranmer, die Bischöfe Hooper von Glocester, Ridley von London, Latimer von Worcester, den Märtyrertod. Nach Marias Tode bestieg 2.—7 die Tochter Anna Boleyns, den Thron, den ihr die Katholiken zu Gunsten der schott. Maria Stuart vergeblich streitig machten. Unter ihrer langen und kräftigen Regierung (1558 —1603) wurde die Derfafsune siegreich durchgeführt. Die bischöfl. Verfassung ward ebenso wie ein großer Teil der röm. Ceremonien, Bilder ten Oa Kerzen, Meßgewänder u. s. w. beibehalten. agegen erhielt die Königin aufs neue die oberste Macht über die Kirche, welche nur durch die Gesetze beschränkt ist, und das auf einer Synode zu London (1562) mit verschiedenen vorsichtigen Milderungen in den zwischen Reformierten und Lutheranern streitigen Stücken in Neununddreißig Artikel zusammengezogene Glaubensbekenntnis Eduards VI. wurde 1571 unter den Schutz des Parlaments gestellt. Dieselbe Ordnung der Dinge ward unter Widerstreben des kath. Volks auch in Irland eingeführt. aneben erhoben „Puesby unter Elisabeth in den Puritanern (s. d.), Presbyterianern (s. d.) und Independenten (s. d.) noch weiter gehende reformatorische Parteien, welche die königl. Kirchengewalt, die Bischöfe und die kath. Ceremonien als «überreste des Antichristsov verabscheuten, und trotz der strengen Maßregeln, welche gegen diese Dissenters oder Nonkonformisten (s. d.) ebenso wie gegen die Katholiken getroffen wurden, sah sich die «kköniglichev Reformation noch 100 Zeit hindurch von beiden Seiten bedroht. nter Jakob J. (1603 — 25), dem Sohne der Maria Stuart, welcher die Hoffnungen der dere Presbyterianer täuschte, machte der Haß der Katholiken in der Pulververschwörung sich Luft, während sein Sohn und Nachfolger Karl I. seine Hinneigung zum Katholizismus und zur absoluten N5 tengewalt auf dem Schafott büßte (1649). Die Puritaner, welche seit 1640 im Parlament die Oberhand hatten und auf der Westminstersynode (1643—49) Verfassung, Kultus und Lehre in ihrem Sinne zu ändern versuchten, mußten den noch weiter fortgeschrittenen Juhner der leh den Platz räumen, und der polit. hrer der letztern, Oliver Cromwell, regierte fast als theokratischer Diktator die engl. Republik (1649—58). Die Wiederherstellung der Monarchie (1660) war gleichbedeutend mit der Wiederaufrichtung der bischöfl. Verfassung. Den erneuten Versuchen der Stuarts, das Land katholisch, die Regierungsform absolutistisch zu machen, ward durch die zweite Revolution von 1688 ein Ziel gesetzt. W dem Vertrage, welchen das Parlament mit ilhelm von Oranien abschloß (1689), wurde die kath. Linie für ewige Zeiten der Erbfolge verlustig erklärt und die Verfassung des Reichs und der erlassene Testakte (s. d.), kraft deren jeder, der die Hoheit des Königs über die Kirche nicht anerkennt und nicht in einer bischöfl. Kirche das Abendmahl nimmt, von allen öffentlichen Amtern ausgeschlossen sein soll, war 10 Gunsten der prot. Dissenters verändert und blieb nur gegen Katholiken (und Socinianer) in Kraft. Erst durch die Parlamentsakten vom 9. Mai 1828 und 13. April 1829 wurden die Katholiken ins Parlament und zu den meisten Staatsämtern zugelassen, wenn sie schwören, die prot. Religion oder Regierung des vereinigten Königreichs in keiner Weise stören zu wollen und namentlich nicht zu glauben, daß der Papst irgendwelche weltliche oder bürgerliche Jurisdiktion im brit. Reiche üben dürfe, oder daß ihrer Wi welche vom Papste exkommuniziert oder ihrer Würde verlustig erklärt werden, abgesetzt oder ermordet werden dürfen. Doch dürfen noch heute keine kath. Priester im Parlament sitzen; ausländische Ordensgeistliche werden ausgewiesen, einheimische unter strenge Aufsicht gestellt, die Führung geistlicher Titel ist bei hohen Geldstrafen verboten. Trotzdem haben alle diese Vorsichtsmaßregeln die geheime oder offene Hinneigung namhafter anglikan. Geistlicher und hochgestellter Laien zum Katholizismus, ja sogar zahlreiche übertritte nicht hindern können. Papst Pius IX. teilte angesichts der enaohunde des Katholizismus England in acht Sprengel und ernannte 1850 in der Person des Kardinals Wiseman (s. d.), dem 1865 der Kardinal Manning (s. d.) folgte, einen Erzbischof von Westminster und Primas der kath. Kirche in England: ein Eingriff in die Staatsgesetze, welcher die öffentliche Meinung gewaltig erregte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 648Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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