FeedHeinrich I. mit dem Beinamen Beauclere
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich I. mit dem Beinamen Beauclere, d. i. der Gelehrte, König von England und Herzog der Normandie 1100—35, der dritte Sohn Wilhelms des Eroberers, geb. zu Selby in Norkshire 1068, bemächtigte sich, gleich nachdem sein Bruder Wilhelm II. auf der Jagd erschossen war, der engl. Krone, zum Nachteile seines ältern Bruders Robert, welcher damals noch nicht vom Kreuzzuge zurückgekehrt war. Letzterer trat später sein Recht um Geld ab und geriet, als er trotzdem zu den Waffen griff, in H.s Gefangenschaft, der U bis an seinen Tod festhielt. H. hatte sich in England dadurch Anhang verschafft, daß er in dem ersten großen Freibriefe die Gesetze der angelsächs. Zeit bestätigte. Auch im Kampfe mit dem Erzbischof Anselm von Canterbury um die Investitur der Bischöfe blieb er Sieger, da er zwar die formale Belehnung mit Ring und Stab verlor, aber den Lehnseid der Bischöfe und den Einfluß auf ihre Wahlen behauptete. Da ein Sohn früh starb, bestimmte er die Nachfolge seiner Tochter Mathilde, der Witwe des Kaisers Heinrich V., welche er mit dem viel jüngern Gottfried Plantagenet, dem Sohne Fulcos von Anjou, vermählte. Er begünstigte aber andererseits auch einen reicen Stephan von Blois, welcher die Hand der reichen Erbtochter des Grafen Eustach von Boulogne gewann und, als H. 1. Dez. 1135 in der Nähe von Rouen starb, die Abwesenheit Mathildens und ihres Gatten benutzte, um sich selbst zum Kö— nige ausrufen zu lassen. Erst 1154 gelangte Gottfrieds Sohn, Heinrich II. Plantagenet, in den unbestrittenen Besitz der Krone.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 53Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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