FeedAnglesey oder Anglesea
ErdkundeBrockhaus 1882

Anglesey oder Anglesea (spr. Anglsi, im Altertum Mona, im Mittelalter Anglorum Insula), Insel und Grafschaft in der Irischen See, an der Nordwestküste von Wales, getrennt von dem Festlande Großbritanniens durch den zweifach überbrückten Menaikanal (s. d.), mit 783 qkm und (1881) 50964 E. Im J. 61 n. Chr. unterwarf der röm. Feldherr Suetonius Paulinus die Insel und zerstörte die heiligen Haine der Druiden. Der Aufstand der Boadicea vertrieb die Römer, welche jedoch 76 wiederkehrten. Im 9. Iir nahm der Sachse Egbert die Insel in Besitz. Sie wurde ihm durch die Fürsten von Nordwales bald wieder entrissen und blieb dann Herrschersitz derselben, bis Eduard I. Wales für immer unterwarf. Das Klima der Insel ist milder als das der benachbarten Küste, doch im Herbst herrschen viele und dichte Nebel, in deren Folge Fieber zu grassieren pflegen. Die Küste ist steil, das Land hügelig, im ganzen kahl, nur bei Beaumaris und zu Plas Newydd, dem Sitze des Marquis von A., am Menagikanale, finden sich ansehnliche Waldungen. Der Ackerbau ist ergiebig an Hafer und Gerste, weniger an Weizen und Roggen. Kartoffeln werden mehr gewonnen als irgendwo in Nordwales und auch ziemlich viel Rüben. Vornehmlich aber wird der Boden als Weideland benutzt, das zehn Elftel des ganzen Flächeninhalts einnimmt. Die Farmers ziehen Rinder und Schafe, letztere die größten unter den walisischen, mit weißen Füßen und Köpfen und meist ohne Hörner, auf, die sie in großen Herden ausführen. Der Mineralienreichtum ist bedeutend. Die Kupferminen von Mona und Parys an der Nordostküste wurden 1768 eröffnet. Gegenwärtig ist die jährliche Produktion von 3000 t auf 700 Wheter Der Wänden i hat auch silberreiches Bleierz. Ebenso finden sich Kalkstein, weißer und farbiger Marmor, Mühlsteine; Steinkohlen werden jährlich 20500 t gewonnen, außerdem Torf. Einst war die Insel ein wichtiger Handelsplatz, jetzt sind ihre Buchten und Häfen verödet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 648Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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