Anchra (grch. Ankyra, das heutige Angöra, türk. Engüri), im nördl. Kleinasien, im Altertum eine Stadt, welche anfänglich . Phrygien gehörte, von Midas gegründet sein soll und schon frühzeitig zu einer gewissen Bedeutung gelangt war. Alexander d. Gr. hielt sich auf seinem Zuge gegen das Perserreich eine Zeitlang daselbst auf. Nachdem sich gallische Stämme in Kleinasien niedergelassen, machten es die zu ihnen gehörenden Tektosagen zu ihrer Hauptstadt. Zur höchsten Blüte gelangte jedoch A. erst unter den Römern, die es zur Hauptstadt der Provinz Galatien und zum Mittelpunkte für die große Heerstraße von Byzanz nach Syrien erhoben, wodurch der Ort der Hauptstapelplatz des ganzen morgenländ. Karawanenhandels wurde. Der Kaiser Augustus hatte die Stadt sehr verschönert, weshalb die dankbaren Bewohner ihm in Verbindung mit der Göttin Roma einen Tempel errichteten, in welchem sie eine Kopie des von Augustus selbst veröffentlichten Rechenschaftsberichts über seine Thaten in griech. und lat. Sprache auf einer Anzahl Marmortafeln aufstellten. Diese unter dem Namen des Monumentum Ancyranum bekannten, für die röm. Geschichte höchst wichtigen daun 155Kenid wurden zuerst von Augier de Busecg 1554 entdeckt, der die von ihm oder seinen Begleitern angefertigten Abschriften an A. Schott und J. Lipsius mitteilte; eine neue Kopie, vollständiger als alle frühern, verdankt man dem franz. Reisenden G. Perrot; danach ist das Denkmal herausgegeben und erläutert worden von Th. Mommsen: Res gestae divi Augustio (Berl. 1865) und von Th. Bergk, «Augusti rerum a se gestarum index cum graeca méetaphrasid (Gött. 1873).