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BaukunstBrockhaus 1882

Ansbach, sonst Onolzbach, vormals die Residenz der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, jetzt die Hauptstadt des bayr. Regierungsbezirks Mittelfranken, an der Fränkischen Rezat und an der Würzburg-Gunzenhausener und Nürnberg-Crailsheimer Bahn, ist Sitz der Kreisregierung, des mittelfränk. Schwurgerichts, eines Amts⸗ und eines Handelsgerichts sowie eines Bezirksamts und zählt (1880) 14 029 E. Ein schönes, im ital. Stil ausgeführtes Gebäude ist das 1713 — 32 errichtete Schloß, in dessen Nähe 1859 dem Dichter Graf Platen ein Denkmal gesetzt wurde. In dem Hofarten befindet sich der sog. Pavillon mit neuen Rreter eine große Orangerie, das Denkmal des ichters Uz und ein solches für den 1833 verstorbenen Kaspar Hauser, an der Stelle, wo er tödlich verwundet wurde. Außerdem sind bemerkenswert: die evang. Johanniskirche, 1441 erbaut, mit den fürstl. Grüften und Denkmälern; die Gumbertus- oder Stiftskirche mit zwölf Steindenkmälern von Schwanenrittern in der Georgskapelle; die neue Ludwigskirche im griech. Stile für die kath. Gemeinde und die Synagoge. Von höhern Unterrichtsanstalten besitzt A. ein Gymnasium, eine dem Schn chule und eine höhere Töchterschule. Auf dem Schlosse befinden sich eine Bibliothek und eine Gemäldegalerie. Sonst bestehen zu A. der Historische Verein für Mittelfranken und ein Gewerbeverein. Die Fabrikthätigkeit ist hauptsächlich auf baumwollene Zeuge, Tabak, Cigarren, Preßhefe, Cichorie, Beinknöpfe, Federbüsche, Stärke, Sprit, Pinsel, chirurgische Instrumente und Strohmosaik gerichtet. Auch sind Gerberei, Getreidemüllerei, Bierbrauerei, Gießerei, größere mechan. Werkstätten, Gold⸗ und Silberstickereien sowie Büchsenfabrikation gut vertreten. A. ist der Geburtsort der Dichter Cronegk, Uz und Platen. Ihre Entstehung verdankt die Stadt dem im 8. K0. gestifteten Gumbertusstifte, das 1057 in ein Kollegiatstift verwandelt und 1560 aufgehoben wurde. Die Vögte von Dornberg, die Schutz⸗ und Schirmherren des Stifts, verkauften die Stadt 1288 an die Grafen von Aendert und diese 1331 an die Burggrafen von Nürnberg. Das Fürstentum A., in alter Zeit ein Teil des Rangaues und meist von Slawen bevölkert, gehörte später zum Fränkischen Kreise. Nachdem der Burggraf von Nürnberg, Friedrich V., 1362 damit belehnt worden war, teilte er es 1398 für seine Söhne in das Land oberhalb des Gebirgs ulmbach und das Land unterhalb des Gebirgs (Kulmbach, nachher Bayreuth), welche Teilung indes schon 1464 wieder aufhörte. Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg bestimmte 1474 die fränk. Fürstentümer, wie man A. und Bayreuth nannte, seinemzweitgeborenen Sohne Friedrich, der somit der Stifter der Fränkischen Linie der Markgrafen von Brandenburg wurde, die sich wieder in die Linien A. und Bayreuth (s. d.) teilte. Die letztere Linie erlosch 1763, worauf die Fürstentümer wieder unter Einem Regenten vereinigt wurden. Der letzte Markgraf von A.⸗Bayreuth war Alexander, der „Freundo der Lady Craven (s. d.), der beide Fürstentümer 2. Dez. 1791 freiwillig an seinen Lehnserben, den König von Preußen, abtrat. Friedrich Wilhelm III. mußte A. 1806 Frankreich überlassen, worauf es nebst Bayreuth, das er später im Frieden von Tilsit ebenfalls an Frankreich abtrat, 1806 an Bayern kam. Vgl. Lang, «Neuere Geschichte des Fürstentums Bayreuthv (3 Bde., Gött. und Nürnb. 1798 —1811); Barth, Versuch einer Landes⸗ und Regentengeschichte der Fürstentümer Bayreuth und A. v (Hof 1795); Jacobi, Urgeschichte der Stadt A. und des Heschichtes Fürstentums A.v (Ansb. 1868); Hänle, Geschichte der Stadt A.» (Ansb. 1865); derselbe, Skizzen zur Geschichte von A.» (Ansb. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 692Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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