FeedAnstett (Joh. Protasius von)
GeschichteBrockhaus 1882

Anstett (Joh. Protasius von), russ. Diplomat, geb. 1766 als der Sohn eines Advokaten zu Straßburg, begab sich nach vollendeten Studien 1789 nach Rußland. Nachdem er hier zuerst den Prinzen von Nassau mit der Armee nach Schweden begleitet hatte und während des Feldzugs zum Offizier ernannt worden war, erhielt er nach beendigtem Kriege eine Anstellung bei der Kanzlei des Kollegiums der auswärtigen Angelegenheiten und wurde zur russ. Gesandtschaft nach Wien gesandt, wo er, zum Legationsrat befördert, bis 1811 blieb. Noch vor seiner Rückkehr nach Petersburg wurde er zum Staatsrat ernannt und 1812 als Direktor der diplomatischen Kanzlei bei der Armee Kutusows preuß. . als welcher er 7. April 1813 mit dem preuß. Generallieutenant von Lottum die Konvention von Kalisch abschloß. Nach Kutusows Tode befand sich A. nebst 22 11210 andern Diplomaten im Gefolge des Kaisers Alexander I., brachte im Verein mit Nesselrode 16. Juni 1813 den Traktat von Reichenbach zu Stande und wohnte als russ. Bevollmächtigter dem Kongreß von Prag bei. A. begleitete hierauf als Wirkl. Staatsrat seinen Monarchen über Frankfurt nach Paris. Später auf dem Kongreß von Wien 1814 und 1815 nahm er nur an den Arbeiten einiger Ausschüsse teil. Während des letzten Feldzugs gegen Napoleon von 1815 war A. zunächst mit Cancrin bei dem Abschluß einer Supplementarkonvention zu der von Kalisch thätig, folgte dann der Armee nach Paris und wirkte hier bei der 20. Nov. 1815 unter Wellingtons Vorsitz unterzeichneten Konvention über die Occupationsarmee. Seit 1818 war er außerordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter Rußlands beim Deutschen Bunde. Als solcher starb er 14. Mai 1835 zu Frankfurt a. MR.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 698Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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