FeedAntinori (Marchese Orazio)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Antinori (Marchese Orazio), ital. Afrikareisender und Zoolog, geb. 28. Okt. 1811 in Perugia, wurde im Benediktinerkloster seiner Vaterstadt unterrichtet und studierte dann an dortiger Universität und in Rom hauptsächlich Naturwissenschaften. Im J. 1835 nahm er seinen dauernden Aufenthalt zu Rom, wo er dem Fürsten von Canino in der Einrichtung von dessen zoolog. Sammlungen Beihilfe leistete und ihm für seine Lconogratia della fauna italicas Zeichnungen lieferte. Um 1845 wendete er sich hier mit Eifer, zunächst journalistisch thätig, der politischen, auf die nationale Unabhängigkeit hinzielenden Bewegung zu, trat 1848 als Freiwilliger in die Reihen der röm. Truppen ein, kämpfte bei Velletri gegen die Neapolitaner, wurde Hauptmann und nahm hierauf an der Verteidigung Roms gegen die Franzosen teil. Nach der Einnahme Roms (3. Juli 1849) ging er nach Athen, später nach Smyrna, von welchen Orten aus er wissenschaftliche Erkursionen unternahm, die sich hauptsächlich auf Ornithologie bezogen. Im J. 1854 begleitete A. die Fürstin Belgiojoso nach Syrien, wandte sich dann nach Smyrna und durchkreuzte von hier aus Kleinasien nach allen Richtungen. Im J. 1859 brach er nach Agypten auf und bereiste mit Carlo Poggia 1860 —61 die obern Nilländer (Land der Djur-Neger u. s. w.), wo er mit Al. Tinne und von Heuglin zusammentraf. Nach Italien loaishe San verkaufte er seine wertvolle mm, sch ogische Sammlung an das turiner Museum, schrieb einen ausgezeichneten, 1864 zu Mailand erschienenen Katalog derselben und ward 1867 Mitbegründer der Italienischen Geographischen Gesellschaft, in deren „Bulletinoy er seine Reise in Nubien beschrieb. Nachdem A. bei den Cröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals (1869) als einer der Vertreter Italiens zugegen Lecrat war, unternahm er in Gemeinschaft mit Beccari u. a. eine Reise nach dem Bogoslande nördlich von Abessinien, über welche er ebenfalls im Bulletinoy Bericht erstattete, wogegen er die zoolog. Ausbeute dieser Reise ital. Museen und dem Zopiogischen Garten zu Florenz überließ; hierauf ernannte ihn die Italienische Geographische Gesellschaft zu ihrem Sekretär; 1875 ging er nach Tunis behufs Untersuchung der Ausführbarkeit des Roudaireschen Projekts, einen Teil der Sahara unter Wasser und durch die Schotts mit dem Mittelmeere in Verbindung zu setzen. Im März 1876 verließ er Neapel an der Spitze der ital. Erpedition nach Centralafrika. Unter vielen Widerwärtigkeiten drang er von Zeila am Busen von Aden nach Schoa, südlich von Abessinien, vor und starb während dieser Forschungsreise im April 1879 im Lande der Somali.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 722Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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