Appius Claudius, der Decemvir, aus dem Geschlechte der Claudier (s. Claudius), wurde, 452 v. Chr. zum Konsul designiert, 451 unter die Decemvirn (s. Decemviri) gewählt, denen man die Ausführung des nach langem Kampfe von Senat und Patriciern angenommenen Gesetzvorschlags, daß ein allgemeines Landrecht für das ganze röm. Volk, Populus und Plebs, 10 estellt werden sollte, übertrug und zugleich die höchste Gewalt im Staate auf ein Jahr übergab. Als man nach dem ersten Jahre die Gewalt dieser Behörde noch um ein Jahr verlängerte, wurde A., der höchst plebejerfreundlich aufgetreten war, mit einer Reihe seiner Anhänger wiedergewählt. Nun aber begann nach der liberlieferung A. ein tyrannisches Regiment und führte wider alles Recht nebst seinen Genossen das Amt auch in dem dritten Jahre (449) fort. Damals machten die Aquer und Sabiner einen Raubzug in das röm. Gebiet. Die Decemvirn stellten Truppen auf und zogen den Feinden entgegen. Nur A. und Oppius waren mit zwei Legionen in Rom geblieben, um die Macht der Decemvirn aufrecht zu erhalten; aber ein unerwartetes Ereignis stürzte sie. A. hatte die heftigste Leidenschaft zu Virginia, der Tochter des Lucius Virginius, eines hoch angesehenen Plebejers, fobt h die dem frühern Volkstribun Icilius verobt war. Die Abwesenheit ihres Vaters, der sich bei dem Heere befand, benutzte A., & Kiien in seine Gewalt zu bringen. Einer seiner Klienten, Mareus Claudius, mußte vorgeben, Virginia sei die Tochter einer seiner Sklavinnen und von der kinderlosen Ehefrau des Virginius untergeschoben. Auf dem Wege zur Schule ergriff er sie und führte sie vor A. Richterstuhl, welcher entschied, daß die angebliche Sklavin einstweilen ihrem Herrn folgen solle. Darauf enthüllten Numitorius, ihr Oheim, und Jecilius, ihr Verlobter, die eecen Absichten des A. Da ein Aufruhr auszubrechen drohte, gab der Decemvir nach und ließ Virginia in den Händen ihrer Familie, erklärte aber, daß er am folgenden Tage sein Urteil sprechen werde. Virginius, von Numitorius und Ieilius herbeigerufen, erschien auf dem Forum nebst seiner Tochter in Trauerkleidern. Trotz der Versi Beriranen und Bitten des Vaters befahl A., im Vertrauen auf die Zahl seiner Bewaffneten, dem Claudius, die Jungfrau, seine Sklavin, die Erlaud Da bat Virginius den Decemvir um die Erlaubnis, nochmals die Wärterin in Virginias eigener Gegenwart befragen zu dürfen, um sich wenigstens zu seiner Beruhigung, wie er sagte, von dem bisherigen Irrtume zu überzeugen. A. willigte ein. Darauf umarmte der unglückliche Vater seine Tochter, erriff plötzlich das Messer eines in der Nähe befindichen Fleischers und stieß es der Tochter in die Brust. A. befahl ihn zu eCenntoe aber Virginius entfloh ins Lager. Die Senatoren L. Valerius und M. Horatius, welche die Tyrannei des A. verabscheuten, riefen das durch den Anblick des Leichnams empörte Volk zur Rache auf, und A. konnte den 15 fünte nur durch Zusammenberufung des Senats stillen. Inzwischen hatte Virginius auch das Heer zur Rache aufgerufen, kehrte mit diesem nach Rom zurück und besetzte den Aventin, um dort die Erhebung der Plebs zu leiten. Die Decemvirn, welche nun einsahen, daß sie ihre Macht nicht länger behaupten konnten, legten sie nieder, worauf der Senat 51 die Wiederherstellung der alten Verfassung beschloß. A. starb im Gefängnisse (448) 1— seine eigene Hand. Auch Oppius, der als sein Mitschuldiger angeklagt war, entleibte sich. — A. C. Cäcus, bekannt durch seine Censur, s. unter Claudius. Applandieren (lat.), mit den Händen schallend liles Beisalszteich ein schon im Altertum gebräuch⸗ „Appleby (spr. Appelbei), Hauptstadt der engl. Grafschaft Westmoreland (s. d.).