FeedAntonius (Marcus)
GeschichteBrockhaus 1882

Antonius (Marcus), der Triumvir, der Sohn des Prätors und Enkel des Redners Antonius, durch seine Mutter Julia mit Cäsar verwandt, wurde 83 v. Chr. geboren. Er lebte in seiner Jugend höchst ausschweifend; von land. Gläubigern gedrängt, ging er nach Griechenland, wo er kaum angefangen hatte, die Philosophen und Redner 0 hören, als 91 der Prokonsul von Syrien Gabinius zum Anführer seiner Reiterei ernannte. Sowohl bei dem Feldzuge gegen Aristobulos in Palästina wie in I+1. wo er für die Einsetzung des Ptolemäus Auletes wirkte, zeigte er viel Mut und Geschick. Von Cäsar, zu dem er 54 nach Gallien ging, unterstützt, erhielt er für 52 die Quästur. Er verwaltete dieselbe bei Cäsar und blieb bei ihm bis 50, wo er nach Rom U. 4 7 Er wurde jetzt Augur und Volkstribun. Als Anhänger Cäsars legten er und Cassius Longinus Anfang Jan. 49 v. Chr. im Senat zu Gunsten desselben die tribunicische Intercession ein; diese wurde aber nicht respektiert, vielmehr mußten beide Tribunen ihrer persönlichen Casar, in halber Kurie und Stadt räumen, was Cäsar, in dessen Lager sie flohen, als ein Grund zum Krieg diente. Als Cäsar hernach Italien verließ, Ubertrug er dem A. den Befehl über die Truppen daselbst; später setzte A. von da eine beträchtliche Macht nach Illyrien über, wo ihn Cäsar erwartete. In der pharsalischen Schlacht befehligte er den linken Flügel. Mit einem Teile des Heers ihn 6 er sodann nach Rom zurück, und Cäsar machte ihn hernach als Diktator zu seinem Magister equitum, behandelte ihn aber, als er selbst nach Rom geeilt war, weil er mit ihm unzufrieden war, mit Kälte. A. verheiratete sich dann mit Fulvia, des Clodius Witwe. Als Cäsar aus Spanien zurückkam, gewann er dessen Gunst wieder, ward 44 neben Cäsar Konsul und suchte, jedoch vergebens, das Volk dazu zu bewegen, — als König anzuerkennen. Bald darauf wurde Cäsar ermordet, und A. würde dasselbe Schicksal gehabt haben, wenn nicht Brutus dagegen gewesen wäre. Allein A. bemächtigte sich nun des ee Sniars, 5 und des Vermögens sowie der Papiere Cäsars, verband sich mit Lepidus, welcher Truppen von der Armee, die unter seinem u laf vor der Stadt stand, in dieselbe hatte einrücken lassen, hielt dem Cäsar eine Leichenrede und entflammte durch diese, zumal er dabei dessen blutiges Gewand vorwies, das Volk zur Wut und Rache. Die Mörder mußten flüchten, und A. herrschte einige Zeit mit unumschränkter Gewalt. Aber indessen war dem A. in dem anfangs unterschätzten Octavian (s. Au gustus), dem Erben und Adoptivsohn Cäsars, ein gefährlicher Rival erstanden. A. suchte ihn zuerst hinzuhalten; doch brach A., als er sich noch durch das Volk statt Macedonien Gallien diesseit der Alpen (d. h. südlich davon) und den größten Teil des jenseitigen hatte übertragen lassen, mit Octavian unter dem Vorwand, dieser habe Mörder gegen ihn gedungen. Aber während A. zu den auf seinen Befehl aus Macedonien herübergekommenen Legionen ging, sammelte Octavian ein Heer aus Veteranen seines Adoptivvaters und erreichte es, daß selbst ein Teil von A. Legionen jenen verließ und sich ihm anschloß. A. begab sich nun in das eisalpinische Gallien, um es dem Decimus Brutus, einem der Verf chworenen, der noch nach Cäsars Bestimmungen die Provinz innehatte, zu entreißen, und belagerte denselben, da er sich nach Mutina warf, in dieser Stadt, während Octavian, der sich für jetzt an die von Cicero geführte Senatspartei lehnte, von dieser dann auch ein Kommando gegen ihn erhielt. Unterdes hielt Cicero seine berühmten Reden gegen A.; der Senat faßte Beschlüsse gegen ihn wie egen einen Feind des Staats, freilich ohne ihn vor der Schlacht bei Mutina ausdrücklich für einen solchen zu erklären, und die beiden Konsuln Hirtius und Pansa sowie Octavian rückten gegen N ins Feld. A. schlug Mitte April 43 unfern Mutina (Modena) Pansa, wurde dann aber von Hirtius geschlagen und einige Tage später von Hirtius und Octavian in einer entscheidenden Schlacht besiegt und art Flucht genötigt (in dem sog. Mutinensischen Krieg). Aber beiden Konsuln kosteten diese Schlachten das Leben, und A., der über die Apenninen nach Etrurien floh, erhielt schon dort von Ventidius drei Legionen zugeführt. Er ging dann über die Alpen in das 20% Gallien, wo Lepidus befehligte, der sich (aber mehr zum Schein) von seinem Heere zwingen ließ, sich mit A. zu verbinden. Auch Pollio und Plancus verstärkten seine Armee mit ihren Heeren, und A. kehrte an der Spitze von 17 Legionen (sechs ließ er in Gallien zurück) und 10000 Reitern nach Italien zurück. Jetzt ließ Oetavian, der sich nur zum Schein als Anhänger des Senats und als Lertehtn der republikani —4• eyed gezeigt hatte, die Maske fallen; er zog A. und Lepidus entgegen und hatte mit ihnen auf einer Insel des Flüßchens Lavino unweit Bologna die berühmte Zusammenkunft, wo sie die röm. Welt in der Form eines vom Volk zu Rom zu bestätigenden fünfjährigen Triumvirats unter sich teilten. Darauf zogen die Triumvirn nach Rom, und mit ihnen kam Mord und Raub über ganz Italien. Es eWriaen die berüchtigten Proskriptionen (s. d.); die Triumvirn verhängten den Tod über viele Hunderte von angesehenen und reichen Männern, nach Appian, dessen Angaben allerdings die Wöchlen sind, über fast 300 Senatoren und 2000 itter, indem sie ihre Namen Il. H l ten und auf ihre Tötung Preise aussetzten. A. ließ Ciceros Haupt und rechte Hand auf derselben renet zur Schau stellen, auf welcher dessen Beredsamkeit so oft gesiegt herbe Nachdem die zum Kriege nötige Summe herbeigeschafft war und die Triumvirn Magistratspersonen auf mehrere Jahre ernannt hatten, gingen A. und Octavian 42 nach Macedonien, wohin ihre Gegner Brutus und Cassius ein mächtiges Heer führten. Bei —9 61 (. d.) befehligte A. üaln Cassius, der sich, als der blutige Kampf unglücklich für ihn ausgefallen war, von einem seiner Sklaven töten ließ. Auch in der zweiten Schlacht, 20 Tage später, war A. es vorzüglich, der Brutus nötigte, denselben verzweiflungsvollen Entschluß zu fassen. A. und Octavian schlossen dann unter sich zu Ungunsten des Lepidus einen Separatvertrag. Hierauf ging A. nach Griechenland. Hier machte er sich namentlich in Athen durch 44 auf griech. Sitten und Anschauungen beliebt. Von da begab er sich nach Asien, wo er das zur Belohnung der Soldaten erforderliche Geld zu-Eönten von Aan hatte. In Cilicien befahl er der Königin von Agypten, Kleopatra, sich wegen ihres den Triumvirn mißfälligen Betragens zu rechtfertigen. Sie erschien persönlich und wußte ihn völlig in ihre Netze zu verstricken. A. folgte ihr nach Alerandrien, wo er in ununterbrochenen Zerstreuungen nicht an die e Nachrichten n der Welt dachte, sodaß ihn kaum die achrichten von den in Italien zwischen seinem Bruder Lucius Antonius und seiner Gemahlin Fulvia und Octavian ausgebrochenen Feindseligkeiten und von einem siegreichen Einfall der Parther aus seinem Rausche weckten. Der Krieg in Italien zwischen Octavian und Lucius Antonius wurde noch vor A. Aufbruch zu Octavians Gunsten entschieden. Der Tod der Fulvia erleichterte dann die Aussöhnung, die durch die Vermählung des A. mit Octavia, der Schwester Octavians, besiegelt ward. Beide nahmen nun (40) eine neue Teilung des Römischen Reichs zu Brundusium vor. A. erhielt den Orient, Octavian den Occident. Dem schwachen Lepidus wurde, entsprechend dem Vertrage von Philippi, Afrika zugeteilt. Mit Sextus Pompejus, der das Mittelländische Meer beherrschte, ward (39) ein Vertrag bei Misenum geschlossen, in welchem diesem Sicilien, Sardinien und der Peloponnes überlassen wurde. Sodann ging A. nach dem Osten zurück, wo sein Legat Ventidius siegreich gegen die Parther kämpfte. Neue Mißhelligkeiten zwischen Octavian und A. wurden durch die Vermittelung der Octavia (37) in Tarent beigelegt und das Triumvirat auf weitere fünf Jahre verlängert. Nach seiner Rückkehr nach Asien ergab A. sich jedoch dem zügellosesten Leben und verschwendete, das Interesse des Staats verletzend, Provinzen und ganze Reiche an die Königin Kleopatra (s. d.) und ihre Kinder. Nachdem er 36 einen Zug gegen die Parther ohne Erfolg unternommen und nur unter den schwersten Verlusten den Rückzug hatte durchführen können, nahm er 34 den König von Armenien, Artavasdes, den er der Treulosigkeit beschuldigte, durch Hinterlist gefangen und feierte darauf einen Triumph zu Alexandrien. Octavian, der indessen den Sextus Pompejus besiegt und Lepidus beiseite geschoben hatte, versäumte nicht, mit Der Rom auf A. Betragen, das r Krteg zwisch der Römer gegen ihn zu reizen. Der Krieg zwischen beiden Nebenbuhlern ward unvermeidlich, und beide fingen an sich zu rüsten. A. versäumte, unter beständigen Festen, seine 3,am de Angelegenheiten und schwelgte in rend Del auf der Insel Samos und in Athen, während Octavian mit unermüdlicher Konsequenz sein Ziel verfolgte. Von Octavia trennte A. sich öffentlich. Dieser Maßregel mußte allgemeine Mißbilligung folgen, da der Octavia Edelmut bekannt und der fremdländischen Kleopatra hochfahrender Sinn allgemein verhaßt war. Endlich erklärte man zu Rom der Königin Agyptens den Krieg; dem A., der für das nächste Jahr zum Konsul designiert war, wurde dieses Amt und seine hre Su Gewalt aberkannt. Jede Partei sammelte ihre Streitkräfte, und A. verlor 31 in der Seeschlacht bei Actium (s. d.) die Herrschaft der Welt. Er war der schimpflich fliehenden Kleopatra gefolgt. Sieben Tage harrte seiner das Landheer, dann unterwarf es sich dem Sieger. Darauf ging A. nach Libyen, wo ein nicht unbedeutendes, von ihm daselbst zurückgelassenes Heer seine letzte Hoffnung war. Bei seiner Ankunft mußte er sehen, daß es die Partei Octavians ergriffen hatte, und sein uit Müh darüber war so groß, daß man ihn nur mit Mühe am Selbstmord hinderte. Nach Agypten zurückgekehrt, lebte er in der Zurückgezogenheit, um dann aber wieder plötzlich zu der vorigen Lebensweise mit Kleopatra zurückzukehren. Ihre Feste wurden durch Octavians Herannahen (30 v. Chr.) unterbrochen, der alle Vorschläge des A. zur Unterwerfung abwies. Bei seinem Eintreffen vor Alexandrien schien A. den alten Mut wiederzufinden. Er machte einen Ausfall an der Spitze seiner Reiterei und schlug die feindliche zurück. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. Später aber, von der ägypt. Flotte und seiner Reiterei verlassen, während sein Fußvolk geschlagen wurde, und in dem begründeten Argwohne, von Kleopatra selbst verraten zu werden, verlor er aufs neue den Mut. Auf das von ihr selbst ausgesprengte falsche Gerücht ihres Todes stürzte er sich in sein chwert. A., unstreitig ein Mann von vielen Gaben, ein wirksamer Redner, ohwohl nicht im vollen Besitz der hohen Bildung der Zeit, gewandt und geschickt in Behandlung von Menschen und Geschäften, aber ohne einen konseguenten Willen, eine Beute seiner Sinne und Leidenschaften und dabei doch auch energischer Gahm und Thaten fähig sowie hochherzigen Gefühlen zugänglich, war so eine aus den verschiedensten Elementen gemischte bedeutende Persönlichkeit, aber kein durchgebildeter und fester Charakter. lund Mutterkorn.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 735Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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