Arad, königl. Freistadt in Ungarn, im gleichnamigen Komitat, zum Unterschied von dem im Temeser Komitat gelegenen Neu-A. auch Alt-Arad (O-A.) genannt, liegt am rechten Ufer der Maros, des östl. Zuflusses der Theiß, und zählt (1880) 37349 E., Ungarn, Rumänen, Deutsche und Serben. Die Stadt beste t aus der innern Stadt und fünf Vorstädten und hat in den letzten Jahren sich namhaft verschönert. Sie ist der Sitz eines griech.⸗ orient., rumän. Bischofs und hat ein Obergymnasium, eine Realschule, eine städtische Bürgerschule, ein königl. Lehrerseminar und eine griech.⸗ orient., rumän. Lehrerpräparandie. Von . aus wird ein bedeutender Handel nach Deutschland und dem S warzen Meere betrieben, besonders mit Spiritus, Getreide Wein, Tabak und Vieh. Unter den Einwohnern befinden sich sehr viele und reiche Juden. Durch die ungar. Staatseisenbahn, die sich bei A. an die Erste Siebenbürger anschließt, die A.Körösvölgyer und die A.⸗Temesvarer Bahn, welche die Verbindung mit Bazias und der untern Donau vermittelt, hat A. bedeutende Vorteile erlangt und ist bereits der Mittelpunkt des Handels und der Industrie (namentlich Spiritus, dann Maschinen⸗, Leder⸗, Stärkefabrikation, Holz) im südöstl. Ungarn. Sehr bedeutend ist auch die hiesige Viehmastung. m Innern verbindet eine Pferdebahn die einzelnen tadtteile. Die Stadt wurde als Festung in den Kriegen des 17. Jahrh. oft von den Türken erobert und zuletzt zerstört. Die neue Festung, obwohl von geringem Umfange, jedoch bedeutend, ward seit 1763 hergestellt und spielte in dem Revolutionskriege von 1849 eine wichtige Rolle. Sie liegt auf einer von der Maros umschlungenen Landspitze und wurde von dem österr. General Berger 1849 lange gegen die Ungarn verteidigt; seit April war sie gänzlich abgesperrt, und Berger mußte am 1. Juli kapitulieren. Anfang August mußten sich die Mitglieder des Kossuthschen Reichstags von Szegedin nach A. flüchten. Von hier erließ Kossuth die Proklamation vom 11. Aug. 1849, in der er der Verzweiflung an seiner Sache den glühendsten Ausdruck lieh. Sogleich nach der Katastrophe von Vilägos (13. Aug.) ward die Festung A. auf Anordnung Görgeis den Russen übergeben. Die Stadt hat durch das Bombardement der Ssterreicher sehr Nden Man brachte die Gefangenen in großen Nassen in den Kasematten der Festung unter, und 6. Okt. wurden auf Haynaus Befehl zu A. dreizehn ungar. Generale teils durch den Strang, teils durch Pulver und Blei hingerichtet. Gegenwärtig bildet die Festung nur noch ein Waffendepot. (S. Ungarn.) — Alt-A. gegenüber, auf dem linken Ufer des Flusses, über den eine Brücke führt, liegt Neu-Arad (Uj-A.), zum Temeser Komitat gehörig, mit 4900 E. und ziemlichem Handel mit Mehl und Holz. Die von vielen Deuts Krie bewohnte Stadt verdankt ihre Entstehung den Kriegen der Türken. Letztere legten hier, der Festung Alt-A. gegenüber, Schanzen an und damit den Grund zu der neuen Stadt. Das Komitat A. umfaßt 6326 qkm und zählt (1880) 269079 E., welche die gleichnamige königl. Freistadt, 23 Marktflecken und 270 Dörfer bewohnen. Es grenzt im O. an Siebenbürgen, im S. an Krassö und Temesvar, im W. an Csanäd und Bekes, im N. an Bihar. Der östl. größere Teil ist von und Nor der siebenbürg. Karpaten, den Hegyes- und Moma-Kodru-Gebirgen erfüllt; der westl. Teil ist eben. Der Hauptfluß ist die Maros an der Südgrenze; mitten durch das Komitat fließt die Weiße Körös mit der Csiger (Tschiger), im N. die Schwarze Körös. Das Komitat ist Wein, r an Getreide, Kukuruz, Obst, Tabak und Wein. Auch wird Viehzucht, Bienenzucht und Bergbau auf wenig Go und Silber, dann auf esliehe und Eisen betrieben; auch findet man vortreffliche Kalk⸗ und Thonerde. Die Einwohner sind Magyaren, Deutsche, Serben, Slowaken, größtenteils aber Walachen (65 Proz.) und zwar rücksichtlich der Religion zumeist orient. Griechen. Die vorzüglichsten Weinsorten bauen die Ortschaften Menes (Meneser), Magyaräd, Vilägos, Kovaszincz, Kuvin, Gyorok und Paulis; im Handel sind die Méneser und Magyaräder Weine bekannt.