FeedArägo (François Victor Emmanuel)
GeschichteBrockhaus 1882

Arägo (François Victor Emmanuel), franz. Advokat und Staatsmann, ältester Sohn von Dominique Frangois A., geb. 6. Juni 1812 zu Paris, hatte, nachdem er die Rechte studiert und bis 1837 95 die Bühne litterarisch thätig gewesen war, als dvokat in polit. Prozessen (1839 Barbes und Martin Bernard) eine gewisse Berühmtheit erworben, als er 1848 von der Honmnisar dg Regierung zum außerordentlichen Kommissar der Republik im Rhönedepartement ernannt wurde. Er vertrat nachher das Depart. Ostpyrenäen in der Konstituierenden und Gesetzgebenden Versammlung, wo er der neuen Bergpartei beitrat. Franz. Gesandter in Berlin (Mai bis Dez. 1848), gab er seine Entlassung bei der ersten Nachricht von der Wahl Ludwig Bonapartes zum Präsidenten der Republik. Während des Kaiserreichs gehörte er zu den heftigsten republikanischen Gegnern desselben, verteidigte den Polen Berezewski, der 6. Juni 1867 gegen den Kaiser Alexander II. einen Mordanschlag gerichtet, und trat im November 1869 in das Corps legislatif ein, wo er im Juli 1870 der erste war, welcher die Kriegserklärung gegen Preußen mißbilligte. Infolge der Ereignisse vom 4. Sept. 1870 erhielt A. zunächst einen Ministerposten ohne Portefeuille, dann das der Justiz bei der Regierung der nationalen Verteidigung. Nach dem Abschlusse der Waffenstillstandsübereinkunft vom 28. Jan. 1871 war er kurze Zeit Minister des Innern. Als Mitglied der Nationalversammlung stimmte er mit der republikanischen Linken, zu deren einflußreichsten Mitgliedern er gehört; seit 30. Jan. 1876 vertritt er das Depart. Ostpyrenäen im Senate, wo sein Mandat 1882 ahleh Im Mai 1880 wurde A. zum Gesandten in Bern ernannt. — Sein Bruder, Alfred A., widmete sich unter Paul Delaroche der Malerei und hat durch einige Bilder, 3. B. Karl V. im Kloster von St.⸗Just, Die Erholung Ludwigs XI., Der Blinde, sich einen Namen gemacht. Im J. 1852 wurde er Generalinspektor Walraad: Künste im Staatsministerium. ragöna, Stadt in der ital. Provinz Girgenti auf der Insel Sicilien, nördlich von Girgenti, hat ein altes Schloß und zählt (1880) 13 126 C. In der Umgegend befinden sich der Schlammvulkan Maccaluba und reiche Schwefelminen. „Aragonien, Arägon, eine Generalkapitanerie des nordöstl. Spanien, mit dem Titel eines Königreichs, wird im N. durch die Centralpyrenäen von Frankreich geschieden, grenzt im NW. an Navarra, im W. an Alt⸗ und Neucastilien, im S. und SO. an Valencia, im O. an Catalonien und zerfällt jetzt in die drei Provinzen Saragossa, Teruel und Huesca, die zusammen auf 46 565 akm eine Bevölkerung von 894 727 E. (Ende 1877) zählen. In südöstl. Richtung durchfließt als Hauptstrom der Ebro die Provinz, der, von den nördl. Höhen Altcastiliens herabkommend, unterhalb Tudela in A. eintritt. Auf der rechten Seite nimmt er den Jalon mit dem Jiloca bei Salinas und den Guadalope bei Caspe, auf der linken unterhalb Saragossa den Gallego und bei Mequinenza den Segre mit der Noguera-Pallaresa, der Noguera-Ribagor-Den (Grenzfluß zwischen A. und Catalonien) und en CEinca auf. Die Schiffahrt vermittelt der Kaiserkanal. (S. Ebro.) Der 160 km lange Aragon, der in den Pyrenäen in 2000 m Höhe am Col de Somport entspringt, das Thal von Canfranc durchfließt und bei Jaca in 731 m Höhe aus den Pyrenäen tritt, gehört nur in seinem obersten Laufe zu A. und mündet in Navarra. Die Provinz zerfällt in die Ebene zu seiten des Hauptstroms und das nördl. und südl. gebirgige Oberaragonien. Die mittlere Ebene ist eine öde Steppe, dürr, wasserarm, quellenlos, durchfurcht von tiefen Wasserrissen (barrancos) zwischen Döen oder —. Kämmen niederer Kalk⸗ und Gipshöhen oder reiten Bänken, an denen oft das Steinsalz zu Tage tritt. Ungeheuere Strecken, auch des besten Bodens, liegen wüst und sind mit Disteln und Gestrüppe bedeckt und mit zahlreichen Trümmern ehemaliger Wohnstätten, die infolge der Auswanderungen nach Entdeckung Amerikas und nach Vertreibung der Mauren (wodurch hier 130 Dörfer entvölkert wurden) untergegangen sind. Der Anbau beschränkt sich auf Weizen, Wein und Oliven, die in lichten Gehölzen mit niederm Eichengebüsch wechseln. un Heiden Sen ist der landschaftliche Charakter zu beiden Seiten des Ebro, wo zwischen zahlreichen Wasseradern weite Reisfluren, Maulbeerbaum⸗ und Weinpflanzungen prangen, ebenso in den Bergterrassen Oberaragoniens, die mit einer reichen und kräftigen Vegetation geschmückt sind. Im südlichen A. bilden die Stufen der Serrania de Cuenca und der Parameras de Molina den Rand der neucastil. und valencischen Berglandschaften, zu denen der Puerto de San-Martin und der Puerto de Daroca hinaufführen, während im N. die Sierren de Sobrarbe, Guaro und Ribagorza den Pyrenäen vorliegen und die Sierra de Alcubierre nahe an den Ebro tritt. So umfaßt A., außer den span. BenCait des Oit mit deren Vorterrassen, einen großen Teil des östl. Abhangs des centralen Tafellandes von Castilien, und ist ungefähr zur Hälfte gebirgig. Das Klima ist in den Bergrevieren kühler als in der Ebene, die oft unter fast unerträglicher Sommerhitze schmachtet. Durch diese klimatische Verschiedenheit wird ein großer Produktenreichtum Henmmshlei neben Hanf und Flachs gedeihen Weizen und Reis, neben den Wiehyu bstsorten öl und herrliche Weine. Die Viehzucht beschränkt sich fast nur auf Schweine- und Schafzucht, und in der Wollproduktion Spaniens leistet A. verhältnismäßig noch das meiste. In der Wollweberei zeichnen sich die Städte Saragossa, Alcaniz und Tarazona aus. Flachs⸗ und Hanfbau ist am bedeutendsten in Borja und Calatayud, Weinbau bei Saragossa. Durch Lederwaren und Gerbereien thun sich Calatayud und Barbastro, G9 433 auch durch seine Seifensiedereien hervor. Das Mineralreich gewährt schätzbare Produkte in Kupfer (Gruben bei Albarracin), Blei, Eisen (ebenda), Salz (bei Montalban), Alaun (bei Alcafiz), Salpeter, Steinkohlen u. s. w. Auch ist eine große Menge von Mineralquellen vorhanden. ½ trie und Handel liegen sehr danieder. Nächst Estremadura ist A. der unkultivierteste und vernachlässigtste Teil Spaniens. Die Industrie hat Teruel und Saragossa, der Ackerbau auch Caspe zu Mittelpunkten. Außer Rohprodukten besteht jedoch die Ausfuhr nur in wenigen Leinen⸗ und Wollfabrikaten. Der Handel, und infolge dessen auch der Ackerbau und die Industrie, wird indes durch die in neuerer Zeit vorgenommene Entsandung und Schiffbarmachung des Ebro sowie durch die Eisenbahn und nach Pamplona und Vitoria andererseits fortgesetzt worden ist, nach und nach mehr Aufschwung gewinnen. Die Aragonesen zeichnen sich durch Stärke und Kraft, aber auch durch Härte, Mut, i Schweigsamkeit sowie durch Kälte und Stolz aus; sie sind die besten Soldaten Spaniens, treffliche Jäger, kühne Contrebandiers, unermüdliche Fußgänger. Ihr Charakter trug nicht wenig ait bei, daß dieses Land so oft ein Ducch die Rom erbittertsten Kämpfe war. Zeitig durch die Römer erobert (von denen die schöne Wasserleitung bei Teruel stammt) und in eine Provinz verwandelt, kam es dann in den Besitz der Westgoten und seit dem 8. Jahrh. in den der Araber, denen es endlich nebst Castilien und Navarra durch die Christen entrissen wurde. Ein kleiner Haufe von Goten hatte sich in die unzugänglichen Gebirge von Jaca geflüchtet und dort mit keltiberischen Bergbewohnern zwischen Thälern des Aragon und Gallego die Republik Sobrarbe gegründet, die sich später in eine Grafschaft verwandelte und um 1030 an Navarra kam. Nach dem Tode Sancho d. Gr. von Navarra 1035 kam Sobrarbe an dessen dritten Sohn Gonzalez, während der jüngste, Ramiro I., das übrige A. erhielt, mit welchem schon nach wenigen Jahren Sobrarbe vereinigt wurde. Durch die Heirat des Grafen Berengar IV. von Barcelona mit Petronella, der Erbin von A., wurde 1137 Catalonien und A. vereinigt. Es begann nun die Glanzperiode A.s, welche nach der im 13. und 14. Du erfolgten Eroberung Valencias 1238 und der Balearen, Siciliens und Sardiniens ihren Höhepunkt erreichte und bis zum Tode Ferdinands des Katholischen (1516) dauerte. 5. die on Cahilten dieses letzten Königs mit Isabella von Castilien 1469 erfolgte die Vereinigung der Reiche Castilien und A., womit der Grundstein zu der jetzt behielt den span. Monarchie gelegt wurde. Doch behielt A. seine alten Vorrechte und Gesetze, die es infolge standhafter Parteinahme für den habsburgischen Prätendenten Karl (III.) im Spanischen Erbfolgekriege, in welchem das Land furchtbar verheert wurde erst unter den Bourbonen fast gänzlich verlor. Seitdem ward es von einem Vizekönige verwaltet. Saragossa ist die Hauptstadt von ganz A., Sitz des Generalkapitäns und des Erzbischofs. Vier Bischöfe residieren in Huesca, Teruel, Jaca und Tarazona. Die Landesuniversität befindet sich in *** die ältere von Huesca ist eingegangen. Vgl. chmidt, „Geschichte A.s im Mittelalter» (Lpz. 1828); Pidal, Historia de las alteraciones de Aragon en el reinado de Felipe IIo (3 Bde., Madr. 1862—63).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 820Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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