FeedAranjuez
ErdkundeBrockhaus 1882

Aranjuez, Stadt und berühmte Frühlingsresidenz in der span. Provinz Madrid, 49 km im Süden von der Hauptstadt, am linken Ufer des Tajo, den die Straße auf einer 36 mlangen Drahthängebrücke und die große Südbahn nach Alicante auf einer schönen, 73 melangen Steinbrücke überschreitet, in einem Laen waldigen Thale 519 m über dem Meere gelegen. Die Stadt ist von regelmäßiger, hübscher, Eit holländ. Bauart, mit breiten und geraden Straßen, die sich winkelrecht durchschneiden, und zählt (1877) 8154 E. Das von Juan de Herrera erbaute prächtige Schloß ist von großen Gärten, Wasserkünsten, weitläufigen, 110 km im Umfange haltenden Park⸗ und Waldanlagen voll der herrlichsten Baumgruppen, Laubholzbestände und Wiesen umgeben. Unter den vielen Gartenhäusern ist die von Karl IV. in gefälligem Stil erbaute Ca sa del Labrador (Bauernhaus) das berühmteste, ein größeres Lustschloß innerhalb eines Parks, welcher durch den Tajo und den nahe unterhalb A. mündenden Jarama bewässert wird. Im Innern ist dasselbe mit fürstl. Pracht ausgestattet und umschließt reiche Kunstschätze. Die Hauptzierde des Gartens sind die hohen Ulmenalleen, welche von einem runden Platze nach zwölf Punkten hin auslaufen. Sonst waren auch die dortige königl. Stuterei, die Maulesel⸗ und Büffelzucht sehr bedeutend. Philipp II. begann die Ausführung des Lustschlosses und der Anlagen. Zur Vergrößerung und Verschönerung trugen namentlich Ferdinand XI., Karl III. und Karl IV. bei. Die Schicksale Spaniens haben auch den Glanz des reizenden A. um vieles sinken lassen. In A. wurde 12. April 1772 zwischen Frankreich und Spanien ein Vertrag dand en, in welchem dieses jenem gegen England beizustehen versprach; hier brach 18. März 1808 die Revolution aus, welche den S Godoy (s. Alcudia) stürzte, sowie König Karl IV. zur Abdankung zwang; hier trat endlich die Centraljunta vom 25. Sept. desselben Jahres zusammen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 825Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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