FeedArany (spr. Oronj, Jänos)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Arany (spr. Oronj, Jänos), ungar. Dichter, geb. 2. März 1817 zu Nag ⸗Szalonta im Biharer Comitat als Sohn eines reform. Landmannes, besuchte seit 1832 das Kollegium in Debreczin, wirkte dann zu Szalonta als Lehrer der lat. Sprache an der reform. Schule und wurde 1840 zum zweiten Notar des Ortes ernannt. Als die Kisfaludy-Gesellschaft in Pest w1843 einen Preis auf das beste komische Volksepos aussetzte, sandte A. seine erste Dichtung A2 elveszett alkotmänyy (Die verloren gegangene Aden amit anonym ein, welche die Umtriebe bei den Komitatswahlen humoristisch darstellte und den Preis gewann. Gleichen Erfolg hatte sein zweites und bedeutendstes Werk „Toldiv (deutsch von Kertbeny, Lpz. 1851; von Kolbenheyer, Pest 1855; serbisch von Jovanovics, Neusatz 18585, as er 1847, ebenfalls infolge einer Preisausschreibung der Kisfaludy-Gesell chaft, IO anr sandte. Diese poetische epichen Lenogte sängen ist der erste Teil einer epischen Trilogie, deren Mittelstück der Dichter erst 1879 vollendete. Der Stoff, die Heldenthaten des dem Bauernstande entstammten und später zu hohen Ehren gelangten Toldi, des ungar. Simson, ist der Volkssage entnommen, welche Toldis ns in die Zeit Ludwigs d. Gr. oder des Matthias Corvinus verlegt und bereits 1574 von Peter Ilosvai poetisch behandelt worden war. A.s „Toldio ist eine in Stoff, Auffassung und Darstellung wahrhaft nationale Dichtung, ausgezeichnet durch echt epischen Ton, klare Komposition, vortreffliche Charakterzeichnung und meisterhafte Lokalfärbung. Bei einem dritten Preisausschreiben der Kisfalud ⸗Gesellschaft 1848, welche nun die übergabe der Feste Muräny durch Maria Szecsi an Franz Wesselényi als Stoff einer poetischen Erzählung verlangte, gewann er mit Muräny ostroma bmr, Eroberung von Muräny v, deutsch von Kerteny, Lpz. 1851) den zweiten Preis. Während des ungar. reiheitskampfes wirkte A. als Konzipist im Ministerium Szemere, lebte dann mehrere Jahre in seinem Heimatsorte, bis er 1854 als Professor der ungar. Sprache und Litteratur an das reform. Gymnasium zu Nagy-Körös berufen wurde, wo er mit ausgezeichnetem Erfolge wirkte. Im J. 1860 kam er als Direktor der Kisfaludy-Gesellschaft nach Pest und begründete das vorzügliche und einflußreiche belletristische Wochenblatt Koszorũ (Kranzo), in dem er seine Gedichte und wertvollen litterarhistor. und 1555 Nitg Studien veröffentlichte. Er wurde 1858 Mitglied der ungar. Akademie, in welcher er seinen Sitz mit einer ausgezeichneten Studie über den Dichter Zriny einnahm. Nach dem Tode des Geschichtschreibers Lad. Szalay wurde er Generalsekretär der Akademie, welche Stelle der kränkliche, von Erblindung bedrohte Dichter 1878 niederlegte. A. veröffentlichte 1850 eine erzählende Dichtung Katalino (Katharinav, deutsch von Dur, Pest 1861), 1852 ein komisches Epos «Die Zigeuner von Groß-Idav, 1854 «Toldis Abendo, den Schlußteil seiner Toldi-Trilogie (deutsch von Kolbenheyer, Pest 1856; . von Jovanovics, Neusatz 1870); 1864 die hunnische Sage in zwölf Lpz. 1879), den ersten in sich abgeschlossenen Teil einer epischen Trilogie, den die Akademie 1864 krönte; endlich 1880 Toldis Lieber, das Mittelstück der Toldi-Trilogie, das den Dichter noch in der Vollkraft seines Lesen ungar Talents zeigt. A. ist zugleich einer der besten ungar. Balladendichter und ein Meister der übersetzungskunst, wie seine Übertragungen aus Tasso, Goethe, Shakspeare (König vor allem seine voliständige übersetzung des Aristophanes (3 Bde., Pest 1880) beweisen. Seine „Prosaischen Schriften v (Pest 1879) erweisen A. als gründlichen Kenner aller Litteraturen und als feinfühligen, selbständigen AÄsthetiker. A.s gesammelte Werke sind in vielen wähfter5⸗ auch illustriert, erschienen. Ausgewählte Gedichte A.s übersetzten ins Deutsche Kertbeny 1 1860), Dux (Pest 1861), L. Körodi (Kronst. 1863) und Sponer (Lpz. 1880). — Sein an Na Sohn, Laszlo A., geb. 24. März 1844 in Nagy-Szalonta, Direktor der ungar. Bodenkreditanstalt, hat sich durch treffliche ästhetische Arbeiten, gelungene übersetzungen Shakspearescher und Moliere cher Foemet und wertvolle Sammlungen ungar. Volksmärchen und Volkslieder verdient gemacht. Von seinen Originaldichtungen sind «Elfride v, eine poetische Erzählung, für welche ihn die Kisfaludy-Gesellschaft zu ihrem Mitgliede wählte, «Die Hunnenschlachto, anknüpfend an Kaulbachs Gemälde eine dichterische Behandlung des Antagonismus zwischen Germanen und Magyaren, und das humoristisch-satirische Preisgedicht in vier Gesängen: „A délibäbok höse (KDer Held der Träume », 1873), die bedeutendsten. Er ist seit 1372 Mitglied der ungar. Akademie, in der er seinen Sitz mit einer trefflichen Arbeit über die Geschichte der polit. Poesie in Ungarn einnahm. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 825Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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