FeedArétin
GeschichteBrockhaus 1882

Arétin, ein freiherrliches der Atter in Bayern das sich im Staatsdienst wie in der Litteratur vielfa ausgezeichnet hat. Stammvater desselben ist . u BaptistE ristoph Aroution Caziadur, geb. 24. Juni 1706 zu Konstantinopel aus armen. Geschlechte; er kam als zweijähriges Kind nach Venedig und wurde von da durch die Kurfürstin Oracht Kunigunde von Bayern nach München gebracht, wo er am bum auferzogen ward, später die Stelle eines Hofammerrats bekleidete, 11. April 1769 in den Freierrenstand erhoben ward und 11. Okt. desselben ahres starb. — Sein Enkel, Freiherr Adam von „geb. 24. Aug. 1769 zu Ingolstadt, stieg unter Montgelas bis zum Vorstande der diplomatischen Sektion im Ministerium des Auswärtigen und wurde 1817 ihdurth Massaunge⸗ zu Frankfurt a. M., wo er sich durch Mäßigung, aber auch durch die energische Verteidigung der bayr. Verfassungsurkunde allgemeine Achtung erwarb. Er starb 16. Aug. 1822 auf seinem Landgut Haidenburg bei Passau. A. war mit Stein der Stifter des Vereins 53 ältere deutsche Geschichtskunde und besaß eine er größten ahl von Hewälden. O und eine bedeutende Anzahl von Gemälden, die nach seinem Tode versteigert wurden. Vgl. Brulliot, Cataloue des estampes du cabinet d'A.v (3 Bde., Münch. 1827). — 9 29.W Georg ivon A., Bruder des vorigen, geb. 29. März 1771 zu Ingolstadt, ward 1793 Administrator des bayr. Donaumoos-Donam und machte sich um die Trockenlegung des onaumooses sehr verdient. Im J. 1796 erfolgte seine Ernennung zum Hofkammerrat, 1799 zum Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. Landesdirektor in Amberg und 1806 zum Straßen- und Wasserbau-Inspektor in Tirol. Als 1809 der Aufstand in Tirol ausbrach, war er Generalkommissar des Eisackkreises zu Brixen und wurde als österr. Gefangener nach Fünfkirchen in Ungarn abgeführt. Nach seiner Freilassung erhielt er 1810 vom Könige von Bayern ein Lehngut und eine ansehnliche Lensen worauf er sich ganz den Wissenschaften, Künsten und der Landwirtschaft widmete. Er starb 22. heben 1844. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: Versuch eines Defensionssystems von Bayerno (Regensb. 1820) und „Zeitbedürfnisse mit besonderer Rücksicht auf Bayerno (3 Bdchn., Sulzb. und Regensb. 1818 — 19). — Ein dritter Bruder von Adam von A., Freiherr Christoph svon A., geb. 2. Dez. 1772 zu Ingolstadt, wurde 1799 zum Landesdirektionsrat ernannt und ward nach Aufhebung der Klöster 1803 als Regierungskommissar zur Durchsuchung der Klosterbibliotheken abgeschickt und 1806 Oberbibliothekar an der Centralbibliothek zu München. Die Schrift: Die Pläne Napoleons und seiner Gegner in Deutschlando (1809), worin er von einer Konspiration von Borussomanen und Anglomanen mit einer prot. Liga gegen Napoleon sprach und letztern für den Repräsentanten der Deutschheit, d. h. des Kosmopolitismus erklärte, erregte einen heftigen Streit, infolge dessen A. 1811 auf Veranlassung des Königs seine Amter niederlegte und als Appellationsgerichtsdirektor nach Neuburg kam, wo er 1813 — 19, bis zu seiner Ernennung zum Appellationsgerichtsprä identen zu Amberg, Vizepräsident des Appellationsgerichts war. Er starb 24. Dez. 1824 zu München. Seine zahlreichen jurist.⸗politischen, durch volkstümlichen Ton ausgezeichneten Schriften beziehen sich meist auf die damaligen Verhältnisse. Seine letzte Schrift war das „Staatsrecht der konstitutionellen Monarchier (neue Auflage mit einer Fortsetzung von Rotteck, 3 Bde., Lpz. 1838—40). — Der älteste Sohn des letztern, Freiherr Karl Maria von A., geb. zu Wetzlar 4. Juli 1796, wohnte den Kriegen von 1813—15 bei, schlug dann die diplomatische Laufbahn ein, diente aber nachher im bayr. Generalsche und im Kriegsministerium. Später zog er ich auf das Land zurück; seine Neigung für archivalische Forschungen bewog ihn rerhielt sich wieder nach München zu wenden. Er erhielt 1834 eine Stelle als Legationsrat im Ministerium des Außern und ward auch durch den König zum Geh. Haus- und Staatsarchivar ernannt. In dieser Stellung schrieb er die streng kath. gefärbten Werke: (Bayerns auswärtige Verhältnisse seit dem Anfang des 16. Jahrh. v ten Marmat „(Geschichte des Herzogs und Kurfürsten Maximilian I.v (Pass. 1842) und «Wallensteino» (Regensb. 1846). Ende März 1847 ward A. seiner Eigenschaft als Vorstand des Archivs enthoben und der bayr. Gesandtschaft in Berlin als Legationsrat beigegeben. Als der König 1854 die Errichtung eines bayr. Nationalmuseums 9. ward A. mit dessen Einrichtung beauftragt. In Verbindung mit dieser Thätigkeit stand die bis zu seinem Tode von ihm geleitete PayreHerri⸗ der Altertümer und Denkmale des ayr. Herrscherhausesv (Heft 1—9, Münch. 1855— 71). Schon 1851 zum Wirkl. Nalnralic befördert, wurde er 1859 auch zum lebenslänglichen Mitgliede der Kammer der Reichsräte ernannt. A. starb 29. April 1868 zu Berlin, wo er sich als Abgeordneter zum Zollparlament befand. — Der —r r — des obengenannten Freiherrn Adam, Freiherr Peter Karl von A. (geb. 3. Mai 1814) ist seit 1871 (für den Wahlkreis Ingolstadt) Mitglied des Deutschen Reichstags; dessen Sohn Freiherr Ludwig von A. (geb. 19. März 1845) gehörte 1874—78 (für den Wahlkreis Illertissen) demselben ebenfalls an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 865Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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