FeedArgentan oder Neusilber
NaturlehreBrockhaus 1882

Argentan oder Neusilber, in China packfong, d. i. Weißkupfer, im Französischen maillechort oder argent d'Allemagne, im Englischen German silyer, nennt man eine Legierung von Nickel, Kupfer und Zink, welche ihrem silberähnlichen Ansehen Namen und Gebrauch verdankt. Das A. wurde schon seit der Mitte des 18. Jahrh. in deutschen Fabriken zu Anfertigung von Sporen, Gewehrgarnituren u. s. w. in beschränkter Weise benutzt, bis es seit 1824 durch Geitner in Schneeberg und die Gebrüder Henniger in Berlin, dann durch Gersdorf in Wien zu ausgedehnterm Gebrauche kam. Alles A. enthält zwar 10 Zink und Nickel 8 doch nicht immer diese drei Metalle in denselben Verhältnissen. Im allgemeinen läßt sich nur angeben, daß die Hälfte bis zwei Drittel Kupfer darin enthalten zu sein pflegt, und daß das Nickel meist weniger beträgt als das Zink. Die Bestandteile werden in Tiegeln bei starker Hitze zusammengeschmolzen und dabei vor dem Verbrennen durch eine Schicht von Kohlenpulver geschützt. Nach kräftigem Umrühren der geschmolzenen Masse mit einem eisernen Stabe gießt man diese in eiserne, mit Kienrus ausgestrichene, stark erwärmte Formen u Platten von 30 — 35 om Länge, 20 — 25 em reite und 1em Dicke. Manche Fabrikanten schmelzen die zerschlagenen Platten noch einmal um, um dadurch größere Homogenität zu erzielen. Die Kgossene Legierung ist mehr oder weniger krystallinisch und spröde, sie wird durch Bearbeitung duktil emacht. Zu diesem n Pas werden die Platten alt gewalzt, nach jedem Passieren des Walzwerks bis zur Kirschglut erhitzt und nach dem Erkalten wieder gewalzt, bis sie genügend dehnbar werden, um bei weiterm Auswalzen keine Kantenrisse mehr u erhalten. Die verschiedenen Verhältnisse der Bestandteile haben einen großen bgesehe auf Farbe, Härte und Geschmeidigkeit. Abgesehen von dem mehr oder weniger uf die Bberstä Aussehen, welches sich nicht bloß auf die Oberfläche (wie bei silberplattierten Waren und Alfeénide, s. d.), sondern durch die ganze Masse erstreckt, und von der Fähigkeit, sich zu allen möglichen Geräten geschmackvoll verarbeiten und polieren zu lassen, hat das A. zwei große Vorzüge: 1) daß es bei der Abnutzung, die wegen seiner größern Härte langsamer stattfindet als bei Silber, stets weiß bleibt; 2) daß es im Haus- und Shemr⸗ ebrauche nicht leicht Grund zu Vergiftungsbefürchtungen bietet, in welcher Beziehung es dem Kupfer und Messing voransteht. Viele Neusilberwaren werden gegenwärtig, wie schon beim Alfénide erwähnt, mit einer 100 vanischen Versilberung versehen. A. von Silber zu unterscheiden, reicht der Probierstein allein nicht aus, indem A. einen ebensolchen Strich gibt wie 75prozentiges Silber. Wenn man aber den Strich durch einen daraufgebrachten Tropfen reiner Salpetersäure auflöst und dann ein Tröpfchen Salzsäure hinzubringt, so bleibt die Flüssigkeit von A. klar, während die von Silber weißlich trübe oder milchig wird. Das tiers-argent (Drittel-Silberlegierung), welches besonders in Frankreich als Silbersurrogat . und Anwendung findet, besteht aus 62,5 Teilen A. und 27,5 Teilen Silber. Das Scheidemünzmetall der Schweiz besteht seit 1850 ebenfalls aus n A. Aus Nickelkupfer prägt man Scheidemünzen in den Vereinigten Staaten, in Belgien und im Deutschen Reiche. Die deutschen 10- und 5-Pfennigstücke (erstere seit 1873, letztere seit 187⁴ Hen n bestehen aus einer Legierung von 25 Teilen Nickel und 75 Teilen Kupfer; von erstern wiegen 125, von letztern 200 Stück ein Pfund. Vgl. Kerl u. uch der technischen Che Encyklopädisches Handbuch der technischen Chemier (Bd. 3).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 869Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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