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NaturlehreBrockhaus 1882

Aluminium (chem. Zeichen Al; Atomgewicht — 27,4), ein Metall, welches im freien Zustande bisher 1. aufgefunden worden ist, welches aber in seinen Verbindungen, namentlich in Form von Silikaten, ungemein verbreitet ist und einen Bestandteil vieler Gebirgsmassen ausmacht. Als Thonerdesilikat findet sich das A. im Thon, Lehm, Mergel, in jeder Ackerkrume, als Thonerde-Kalisilikat bildet es den Feldspat, der wesentlicher Gemengteil des Granits und anderer Gesteine ist. Im freien Zustande ist das A. zuerst von Wöhler im J. 1827 als graues Pulver, dann später 1845 von demselben in Form kleiner glänzender Metallkugeln erhalten und in allen seinen TDarstelng beschrieben worden, die technische Darstellung desselben ist seit 1854 von Sainte Claire Deville wesentlich vervollkommnet worden. Das Ver-Deten welches sich bei seiner Darstellung am besten bewährt hat, besteht in folgendem: 400 Teile A.⸗Natriumchlorid, 200 Teile Kochsalz und 200 Sluisder werden jedes für sich scharf getrocknet und gepulvert, dann mit 75—80 Teilen kleingeschnittenem Natrium gemischt, in geräumige Thontiegel eingetragen und anfangs gelinde erhitzt, es tritt dabei unter Erglühen der Masse eine uly lebhafte Reaktion ein, worauf man, um das pulverförmig abgeschiedene A. zum Zusammenfließen zu bringen, stärker, fast zur Silberschmelzhitze, glüht und dabei die Masse häufig mit einem Thonspatel umrührt. Von den angewandten Gemengteilen beteiligen sich nur das im A.⸗Natriumchlorid enthaltene Chloraluminium und das metallische Natrium an der Zersetzung, aus welcher metallisches A. und Chlornatrium hervorgehen, die übrigen Gemengteile dienen teils als schützende Schlacke, durch welche der Einfluß des Sauerstoffs abgehalten wird, teils als Flußmittel, um die Vereinigung der kleinen Aluminiumkörner zu erleichtern. Ist die Operation richtig ausgeführt, so kann man nach beendigter Schmelzung zunächst die dünnflüssige Schlacke abgießen und nachher das auf dem Boden des Tiegels befindliche Metall in eine Zainform entleeren. Im wesentlichen dasselbe Verfahren befolgen Rousseau und Morin, sie verwenden aber statt der Tiegel einen Flammofen, der so eingerichtet ist, daß seine Sohle nach der Mitte zu vertieft und hier mit einer Abstichöffnung versehen ist. Das Gemenge der Materialien wird mit Schaufeln in den zur Rotglut gebrachten Flammofen eingetraen, nach beendigter Schmelzung wird zuerst das etall abgestochen, hierauf folgt eine noch mit Metall durchsetzte Schlacke und Aun 5 reine Schlacke; die metallhaltige Schlacke kann bei der nächsten Schmelzung, nachdem gröbere Metallkörner durch Handscheidung ausgesondert sind, den Materialien wieder zugefügt werden. Da die Darstellung des A.⸗Natriumchlorids nicht unerhebliche Schwierigkeiten darbietet, so bedient man sich bei einem andern Verfahren der entsprechenden Fluorverbindung, welche als Mineral Kryolith in Grönland in großen Mengen aufgefunden worden ist; die Arbeitsweise ist im wesentlichen dieselbe wie bei der Verwendung der Chlorverbindung. Außerdem sind noch zahlreiche andere Methoden in Vorschlag gebracht, welche die immerhin kostspielige Verwendung des Natriums unnötig machen sollen, bislang hat sich aber noch keine derselben bewährt. Das im Handel vorkommende A. ist nicht chemisch rein, es enthält von der Fabrikation herstammend 2—12 Proz. fremde Stoffe, meist Silicium und Eisen. Seine Farbe und Glanz stehen in der Mitte zwischen Silber und Platin, vollkommen streck⸗ und dehnbar, läßt sich bei wiederholtem schwachen Erwärmen zu dünnem Draht ausziehen und zu feinster Folie schlagen; betreffs der Festigkeit steht es dem Zink nahe, übertrifft dieses aber nach kaltem Hämmern bedeutend. Das spezifische Gewicht ist 2,56, durch Bearbeitung, Hämmern u. dgl. wird dasselbe auf 2,67 erhöht, es ist daher dreimal leichter als Kupfer, viermal leichter als Silber. Sein Schmelzpunkt liegt auter Lester bei 700 C. Es ist kaum magnetisch, guter Leiter für Wärme und Elektrizität, gibt beim Anschlagen einen ausgezeichnet schönen hellen Ton. An der Luft verändert es Farbe und Glanz nicht, widersteht der Feuchtigkeit. Von konzentrierter Schwefelsäure und Salpetersäure wird es nicht angegriffen, dagegen wird es mit Leichtigkeit von Salzsäure und vielen schwachen Säuren, selbst wenn diese mit reichlichen Mengen von Wasser verdünnt sind, gelöst, auch löst es sich leicht in wässerigen Lösungen der Alkalien unter Entwickelung von Wasserstoffgas. Von Schwefelwasserstoff wird es nicht verändert, es läßt sich, selbst bei Zutritt von Luft, umchmelzen, ohne oxydiert zu werden. Es läßt sich urch Pressen, Treiben, Walzen, Löten in jede larden bringen, daraus dargestellte Gegenstände assen sich durch Schleifen, Guillochieren sowie durch topische Vergoldung und Versilberung auf die mannigfachste Weise verzieren. Trotz dieser vielen vorzüglichen Eigenschaften ist die Verwendung des A. noch weiie gur Aufet gering; es dient bislang vorzugsweise zur Anfertigung von billigen Luxusgegenständen, auch hat man wissenschaftliche Instrumente, bei denen ein geringes Gewicht erwünscht ist, wie Balken von Präzisionswagen, Röhren großer Telestope u. s. w. daraus gefertigt. Die jährliche Produktion beträgt etwa 2500 kg. Was die Alumin iumverbindungen anbetrifft, so ist zunächst zu bemerken, daß das A. ein vierwertiges Metall ist, in seinen Verbindungen aber nicht als solches wirkt, sondern als Doppelatom auftritt, in welchem die beiden Atome durch je eine Verwandtschaftseinheit untereinander verbunden sind, wodurch die Atomgruppe Al sechswertig wirkt und also 6 Atome einwertiger oder 3 Atome zweiwertiger Elemente bindet. Die wichtigsten Verbindungen des A. sind folgende:

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 507Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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