Aristophänes, der größte Lustspieldichter der Griechen und des Altertums überhaupt, Sohn eines Philippos, wurde etwa 444 v. Chr. geboren und starb zwischen 387 und 380 v. Chr. zu Athen. Im J. 427 v. Chr. brachte er seine erste Komödie, jedoch wie auch einige andere noch unter fremdem Namen, zur Aufführung. Als er schon das Jahr darauf (426) in seinen Babylonierno den mächtigen Demagogen Kleon verspottet hatte, wurde er von diesem vor dem Rate der Bun daß er in Gegenwart der Abgeordneten der Bundesgenossen die Politik Athens geschmäht und verhöhnt habe. Später erhob Kleon gegen ihn die in Athen gern versuchte Anklage, daß er den Titel eines athenischen Bürgers unrechtmäßigerweise angenommen habe. Er verteidigte sich vor Gericht angeblich mit Homers Versen: Meine Mutter die sagt's, er sei mein Vater; doch selber Weiß ich's nicht; denn von selbst weiß niemand, wer ihn Kleon griff er mit besonderm Nachdruck in dem Lustspiel: «Die Rittero an; daß A. darin selbst, und zwar ohne Maske, die Rolle des Kleon spielte, da kein Schauspieler den Mut dazu hatte, ist schon im Altertum aus einigen mipberstandenen Versen des Stücks ohne Zweifel mit Unrecht gefolgert worden. Wenig mehr wird von A.' Leben erzählt, den die Alten vorzugsweise den Komiker, wie Homer den Dichter nannten. on etwa 44 Lustspielen, die A. schrieb, sind noch 11 erhalten: «Die Acharnerv, «Die Ritterv, Die Wolkeno (diese aber nur in einer spätern, vom Dichter nie vollendeten Umarbeitung), Die We-Weiber am Feste der Thesmophorieno, Die Frösches, Die Weiber in der Volksversammlungo und „Plutoso (ebenfalls in der zweiten, aber vollendeten und zur Aufführung gebrachten Bearbeitung). Diese Reliquien sind ohne Zweifel die Blüte der alten Komödie. Um sie aber zu würdigen, bedarf es eines mit dem Leben und der Geschichte jener Zeit vertrauten Lesers. Nur einem solchen werden ihre geistreichen Anspielungen, ihr zierlich reiner Attizismus, die Gewandtheit und Sorgfalt in der Anlage und Ausführung und andere Vorzüge der Form, durch welche A. sich den Ruhm der Meisterschaft erworben hat, nicht entgehen. Sein Witz und seine Laune sind ebenso unerschöpflich wie seine Kühnheit ohne Grenzen. Die Griechen waren von der Feinheit und Anmut seiner Stücke bezaubert. Ein dem Philosophen Plato zugeschriebenes Epigramm sagt, die Grazien hätten sich seinen Geist zur Wohnung ausersehen. In polit. und moralischem Sinne ist er, doch mehr in seiner ältern als in seiner spätern Periode, ein Anhänger alter Sitte, Lehre und Kunst, daher seine Ausfälle gegen Sokrates oder eigentlich gegen die sophistischen Grübeleien jener Heit in den „Wolkeno und gegen Euripides in den «Fröscheno und andern Komödien. Die Freiheit der alten Komödie gewährte der persönlichen Satire weiten Spielraum und A.' Kühnheit und Phantasie machte einen so schrankenlosen Gebrauch von derselben, daß nichts be darbof und Menschliches, wo es irgend eine Blöße darbot, von ihm verschont blieb. Selbst das athenische Volk scheute und schonte er nicht. Unaufhörlich wirft er ihm Wankelmütigkeit, Leichtsinn, Liebe für Schmeicheleien, thörichte Leichtgläubigkeit und Neigung ser überspannten Hoffnungen vor. Diese ungemessene Freiheit war überhaupt der Charakter des alten Lustspiels, bis dasselbe noch während des Peloponnesischen Kriegs mehr eingeschränkt wurde. Ein ward um 415 v. Chr. durchgebracht, das schon früher einmal, aber nur wenige Jahre, bestanden hatte und das der zügellosen persönlichen Verspottung gewisse Grenzen setzte. A. Dramen sind ein klarer Spiegel des attischen Lebens seiner Zeit, wenn die Figuren und Verhältnisse darin auch vielfach phantastisch übertrieben und verzerrt erscheinen. In seiner ersten Periode wählte er sich mehr das öffentliche Leben und dessen Vertreter zum Gegenstande; in den spätern Stücken tritt das polit. Leben immer mehr zurück. Der übergang zur mittlern, beziehungsweise zur neuern Komödie läßt sich so bei A. selbst verfolgen. (S. Antiphanes.) In seinen letzten Jahren brachte A. unter dem Namen eines seiner Söhne den Kokaloso zur Aufführung, ein Stück, in welchem ein junger Mensch ein Mädchen verführt und, nachdem er 19e Abkunft entdeckt, sie heiratet. Mit diesem Lustspiel vollends lieferte A., wie man schon im Altertum sagte, den Vorläufer der neuern Komödie. Wie in allem Formellen war A. auch ein Meister im Versbau; eine Gattung des anapästischen Verses wird nach ihm benannt (katalektischer Tetrameter, metrum Aristophanium). Das Grundschema derselben ist folgendes: Dieser Vers wird in leidenschaftlicher, aufgeregter Rede angewendet. Vgl. Rötscher, «A. und sein Zeitalterd (Berl. 1827); F. Ranke, De Aristophanis vitas (Lpz. 1845); Müller-Strübing, A. und die histor. Kritiks (Lpz. 1873). Unter den Ausgaben des A. sind, außer den frühern von Manutius (Vened. 1498) und von Küster und Bergler (Leid. 1760), vorzüglich zu nennen: die von Brunck (3 Bde., Straßb. 1781—83); die von Invernizzi aus der vorzüglichsten Handschrift zu Ravenna unter der Aufsicht Becks (Lpz. 1794) begonnene, vom 7. Bande an von W. Dindorf fortgeführte und mit dem 13. Bande (1826) vollendete; die von Bekker (5 Bde., Lond. 1829), wiederholt von Dindorf (zuletzt Lpz. 1869); die von Blaydes (Halle 1880 fg.); die Handausgaben von Bergk (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1860) und von Meineke (2 Bde., Lpz. 1860); endlich die KAuswahlo mit deutschen Anmerkungen von Kock (Lpz. seit 1852 in mehrern Auflagen). Unter den einzeln herausgegebenen Stücken sind hervorzuheben: YPlutosvon Hemsterhuis (Harlingen 1744 u. Lpz. 1811); „Die Wolkenv von Hermann (Lpz. 1799 u. 1830), von Reisi 90 18²20) und Hirschi ( 1863 u. 1868); Die Wespeno von Hirschig (Leid. 1847) von Fritzsche (Lpz. 1838), Thiersch (Halberst. 1832) und von Velsen (1878); «Die Acharnero von Müller (Hannov. 1863) und W. Ribbeck (Lpz. 1864); (Der Frieden von Richter (Berl. 1860); «Die Fröschev von Fritsche (Zür. 1845) und von Velsen (Lpz. 1881); «Die Rittero von W. Ribbeck (Berl. 1867) und von Velsen (Lpz. 1869). Einzelne Stücke sind übersetzt von Wieland im «Attischen Museumo, von Welcker (2 Bde., Gieß. 1810); «Die Wolkeno von Wolf (Berl. 1812); «Die Vögels von Rückert im Nachlaßo (Lpz. 1867); «Sämtliche Werker von J. H. Voß (3 Bde., Braunschw. 1821), von Droysen (3 Bde., Berl. 1835—38; 2 Bde., Lpz. 1871), von Hieron. Müller (3 Bde., Lpz. 1843—46), von Seeger (3 Bde., Frankf. 1842 — 48), von Schnitzer und von Donner (3 Bde., Frankf. 1861—62). Eine Sammlung der äußerst wichtigen alten Scholien besorgte Dübner (Par. 1842). Welcker ——— in einer Doppelherme zu Bonn eine gute Nachbildung der Züge des Dichters nachgewiesen.