FeedAristotelische Philosophie
AllerleiBrockhaus 1882

Aristotelische Philosophie. Die Philosophie des Aristoteles ist aus der Platonischen Ideenlehre hervorgewachsen, und zwar durch das Bestreben, diese Lehre in innigern Zusammenhang mit den daher Aristoteles zu einer andern meiren Du des Verhältnisses der Ideen zu den einzelnen Dingen gedrängt sieht, als sie Plato gelehrt hatte, und indem er durch eine genaue Untersuchung der menschlichen Erkenntnisthätigleit seinem ganzen Systeme eine tiefere psychol. Begründung gibt, gewinnt er zu gleicher Zeit durch seine fortwährende Berücksichtigung des erfahrungsmäßigen Wissens eine Breite der Erkenntnis, welche im ganzen Altertum beispiellos dasteht und sein System als vollen Inbegriff der antiken Wissenschaft erscheinen läßt. Er bildet auch in dieser Beziehung wie in seiner histor. Stellung den reifen Abschluß der nationalwissenschaftlichen Entwickelung der Griechen, indem nach ihm auch die griech. Wissenschaft den Charakter jener Verschmelzung der nationalen Kulturen anzunehmen beginnt, welcher hauptsächlich durch seinen großen 360hng Alexander in ber ührt wurde. 99 diese Weise fassen sich in der ristotelischen Philos 2% die verschiedenen Linien der wissenschaftlichen Bestrebungen zu einer großartigen Einheit zusammen, um von da aus als ein organischer Zusammenhang von wissenschaftlichen Prinzipien weiter zu wirken. Vgl. Biese, «Die Philosophie des Aristoteleso (2 Bde., Berl. 1835— 42); Brandis, «übersicht über das Aristotelische Lehrgebäudey (Berl. 1860); derselbe, «Aristoteles, seine akademischen Zeitgenossen und nächsten Nachfolger» (Berl. 1853, als 2. Abteil. des 2. Tls. seines Handbuchs der Geschichte der griech.⸗röm. Philosophies); Lewes, «Aristotle, a chapter from the history of sciencer (Lond. 1864; deutsch, Lpz. 1865); Ed. Zeller, «Aristoteles und die alten Peripatetikero (Tüb. 1860 —62, als 2. Abteil. des 2. Tls. der Sotlenont der Griechen v, 2. Aufl.); Während die Platonische Ideenlehre den einzelnen Dingen nur eine unvollkommene Teilnahme an den ewigen und unveränderlichen Ideen zuschrieb, ing Aristoteles von der Ansicht aus, daß Deneen eine selbständige, von den einzelnen Dingen geschiedene Existenz zukommen könne, s ondern daß sie vielmehr als die innere Wesensform der Wirklichkeit betrachtet werden müßten. Aus diesem Grunde ist zund des Beion das Verhältnis des Allgemeinen und des Besondern, um welches sich die tiefsten und umfassendsten Untersuchungen des Aristoteles bewegen und durch dessen scharfe Feststellung er zum Begründer der Logik geworden ist. Indem er nämlich das Allgemeine als das in den einzelnen Dingen reale Wesen derselben betrachtete, wurde es ihm zur Aufgabe der Wissenschaft, durch den Begriffo und die denselben seststellende Definitiont dies Allgemeine zu erfassen, durch welches allein Wissen möglich sei. Deshalb lehrte er, daß die Arten der Vorstellung den Formen des Existierenden entsprechen, und seine Kategorieno, welche er (wie es scheint nicht ohne Einfluß der grammatischen Sprachformen) für die Im 9 Gattungen der Begriffe erklärte, waren ihm zugleich die höchsten Formen des Seins. In gleicher Weise betrachtete Aristoteles auch die im Urteil ausgesprochene Verknüpfung, resp. Trennung der Vorstellungen für den richtigen Ausdruck einer entsprechenden Verknüpfung oder Trennung in den Dingen, und er gab in diesem Sinne eine nde gereate und der Logik von da an stets zu Grunde gelegte Untersuchung über die verhuteiten: Formen der Begriffsverknüpfung in den rteilen; er begründete ferner die Bearife als die auf das richige Verhältnis der Begriffe stützte Form des wissenschaftlich fortschreitenden Erkennens. Um die Anwendung des logischen Beweises zu sichern, zeigte er, wie die Wissenschaft von dem durch die snnliche Erfahrung gegebenen Einzelnen 1. en d die Induktion zum Allgemeinen sch w und von da aus durch syllogistische Schlüsse sich weiter entwickelt. Andererseits aber verlangt er, da kein Beweis rückwärts ins Unendliche geht, daß für jedes Gebiet des Wissens eine Anzahl von Grundbegriffen und Grundsätzen als Prinzipien unmittelbar und intuitiv erkannt werden, zu weln er in erster, metaphysischer Linie den Satz des iderspruchs und denjenigen des ausgeschlossenen Dritten zählt. Auf diese Weise gewann die von Aristoteles gegen den Platonismus hervorgehobene Erfahrungserkenntnis zugleich ihre Begründung in dem innersten Wesen der Vernunft und der Wirklichkeit. Vgl. F. F. Kampe, „Die Erkenntnistheorie des Aristoteles (Lpz. 1870); R. Euken, „Die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 897Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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