Armagnae, alte Landschaft im südl. Frankreich, welche als ein Teil der Gascogne größtenteils dem heutigen Depart. Gers entspricht und früher, von den Pyrenäenabfällen bis zur Garonne reichend, in Ober⸗ und Niederarmagnac geteilt wurde. Ihre Hauptstadt war Lectoure am Gers. Der fruchtbare, besonders für Getreide, den ausgezeichnetsten Wein und den Betrieb der Viehzucht günstige Boden ist in außerordentlich viele Güter erstückelt und unter einem zahlreichen, aber armen del verteilt. Der Hauptindustriezweig besteht in Branntweinbrennerei, deren Produkt als Eau d' Armagnac im Handel mit dem von Saintonge und dem von Cognac wetteifert. Die einfachen, kräftigen und mutigen, aber in Aberglauben und Unwissenheit lebenden Bewohner wurden vormals insbesondere zu Kriegsdiensten gesucht. A. führte den Titel einer 9 chaft, und das alte, vom König Chlodwig, dem Merovinger, abstammende Geschlecht der Armagnaces se Armaniacus) in Aquitanien hat wiederholt in der Graf Her Frankreichs eine wichtige Rolle gespielt. Graf Bernhard VII., ein tapferer und mächtiger Parteiführer, der auf der Seite der Orleans gegen die Burgunder stand, wurde 1415 Connetable, bald darauf aber in Paris, das die Burgunder n men und wo er sich durch Härte verhaßt gemacht hatte, hn en und den 12. Juni 1418 ermordet. Sein Sohn Johann IV. suchte in dem engl.⸗franz. Kriege die Unabhängigkeit von der franz. Krone zu erringen und hielt sich auf seiten Heinrichs M. von England, der 1442 mit ihm in Unterhandlung über die Vermählung mit seiner Tochter trat; doch fiel er in franz. Gefangenschaft und mußte seine Pord heit mit der polit. Unterwerfung erkaufen. Er starb 1450. — Sein Sohn Johann, geb. um 1420, lebte mit seiner Nerlaltn Schwester Isabelle in blutschänderischem Verhältnis und ließ sich sogar, nachdem er sie und den Hauskaplan durch eine untereschobene Bulle getäuscht hatte, mit ihr trauen, fodaß er deshalb in Bann und Acht verfiel. Er floh nach Aragonien, kehrte im Vertrauen auf einen Geleitbrief nach Frankreich ch eir ward hier aber von dem Parlament gefänglich eingezogen und nur gegen das Wort, nicht zu entweichen, auf ben. Rach esett. Dies brach er und floh nach Italien. Nach arls VII. Tode erwirkte er sich Absolution und Rückgabe seiner Güter, schlug sich aber seit 1465 auf die Seite der Gegner Ludwigs XI. und ward endlich nach langen — 1473 in Lectoure getötet. Mit dem Grafen Karl erlosch 1497 das Geschlecht, und die Güter fielen an die Krone. Franz J. verlieh aber die Grafschaft seinem Schwager, dem Herzog Karl von Alencon, durch dessen Witwe sie an das Haus Albret in Navarra kam. Erst Heinrich IV. brachte sie für immer an die Krone. Die Armagnaken bildeten zur Zeit des Königs Karl VII. von Frankreich den Kern der von dem Grafen von Armagnac und andern Rottenanführern befehligten Scharen, welche Eail in Frankreich Mord und Verheerung übten. Um nach Jo-Land IV. von Armagnac Unterwerfung 1444 das and von dem Gesindel zu befreien und zugleich, womöglich, den Rheinstrom als Grenze zu gewinnen, sandte Karl VII. auf Kaiser Friedrichs III. und der Großen von Elsaß und Schwaben Einladung, welche so die Schweiz zu unterdrücken hofften, 1— Heere dieser Armagnaken, das eine 20000 Mann stark nach Metz, Toul, Verdun und Elsaß, das andere 30000 Mann stark unter dem Dauphin gegen den ensich die und Mömpelgard. Von hier aus wandten sich die Armagnaken gegen die Schweizer. Diese aber befreiten sich von dem Raubgesindel durch den Ing. 144. Tag bei St. Jakob an der Birs, 26. Aug. 1444, wo das kleine Bauernheer mit seinem Untergange den vorteilhaften Frieden von Ensisheim (28. Okt. 1444) erkämpfte. Aus dem Elsaß wurden die Armagnaken 1445 teils durch Waffengewalt, teils meh Vergleiche entfernt, worauf Karl VII. die noch übrigen verabschiedete. Dieser sog. Armagnakenkrieg wurde in Deutschland, wo man den Namen A. in Armer Gecko verstümmelte, Armegeckenkrieg genannt. Vgl. Barthold,Der Armegeckenkrieg 1444 und 14450 im „Histor. Taschenbuchv (2. Folge, Jahrg. 3, Lpz. 1842);, Wülcker, Urkunden und Schreiben, betreffend den Zug der Armagnakenv (Frankf. a. M. 1873).