FeedAnker
TechnikBrockhaus 1882

Anker heißt im S 0 swesen das Werkzeug, welches von einem Schiffe mittels einer Kette oder eines Taues in die Tiefe gelassen wird, sich vermöge seiner Gestalt und Schwere im Grunde eingräbt und dadurch das 7 an einem bestimmten Punkte auf dem Wasser festhält. Die Hauptteile eines A. sind der Schaft, die Arme mit den Flüen (Flügeln) und der Stock. Erstere beide sind aus Schmiedeeisen verfertigt. Der Stock besteht bei den A. neuern Modells ebenfalls aus Eisen, bei den schwerern ältern Modells jedoch aus Holz. An dem untern Ende des Schaftes, der das Mittelstück des A. nach altem Modell bildet, gehen die Arme bogenförmig aus und endigen in die schaufelförmien, mit einer Spitze zum Eingraben 6e Scaflüen. Der Stock ist um den obern Teil des Schaftes befestigt und steht perpendikulär auf der Richtung der Arme. Ist der Stock von Eisen, so geht vermittelst einer dazu bestimmten Sffnung durch den Schaft; die hölzernen Stöcke sind jedoch aus zwei Hälften zusammengesetzt, welche um den dann quadratisch geformten Schaft gelegt und durch eiserne Bänder zu einem Ganzen verbunden werden. Der Stock ist länger als die Sehne zwischen den beiden Flüen, sodaß er sich, sobald die Ankerkette oder das Tau straff gezogen wird, in eine horizontale Lage wirft. Dadurch wird eine der Flüen dem Grunde zugekehrt und zum Eingreifen gebracht. Der Schaft ragt über den Stock hinaus und hat hier eine runde offnung zur Aufnahme eines beweglichen eisernen Rings, des Röhrrings, in dem die Ankerkette oder das Tau befestigt ist. Alle größern Schiffsanker haben nur zwei Arme, dagegen Bootsanker und A. für Flußfahrzeuge deren fünf bis sechs, und in diesem Falle fehlt ihnen der Stock. Bisher waren die Arme fest an den Schaft geschmiedet. In neuerer Zeit macht man sie jedoch auch beweglich, indem man die als ein Ganzes geschmiedeten Arme durch einen Bolzen mit dem untern Ende des Schaftes verbindet. Die Folge dieser Konstruktion ist, daß, wenn sich der eine Arm eingräbt, der andere sich nach unten biegt, bis die Spitze seiner Flüe gegen den Schaft liegt. Man will hierdurch einen «unklareno A. vermeiden. Wenn nämlich ein zu Anker liegendes Schiff durch wechselnden Wind oder Strömung auf der Oberfläche des Wassers einen Kreis um den A. beschreibt, so kommt es frerhin vor, daß sich dabei die Ankerkette um die aufrechtstehende Flüe schlingt, wodurch der A. bei eintretender Spannung der Kette aus dem Grunde gerissen und das Schiff gefährdet wird. Diesem Übelstande ist durch die neue Einrichtung vorgebeugt. Eine noch neuere Konstruktion ist das System von Martin. Die aus einem Stück geschmiedeten Flüen sind in der Weise durch ein Scharnier mit dem Stock verbunden, daß die durch sie gelegte Ebene nicht wie bei den übrigen A. senkrecht, sondern parallel zur Ebene des Stocks liegt. Der Zweck ist, daß beide Flüen, welche sich von der Achse des Stocks nur bis zu einem gewissen zweckentsprechenden Winkel entfernen können, in den Grund eingreifen und dadurch die Haltekraft des A. verdoppeln. Die Folge davon ist, daß das Gewicht des ganzen A. bedeutend verringert werden kann (etwa 30 Proz.), letzterer daher sowohl billiger als leichter zu handhaben ist. Außerdem haben die Martinsanker den Vorteil, daß man, weil Stock und Flüen sich in dieselbe Ebene legen lassen, sie viel beguemer am Bord der Schiffe verstauen und befestigen kann. Die Namen der verschiedenen A. waren in früherer Zeit, je nach ihrer Größe, ihrer Lage im Schiffe und — speziellen Bestimmung, sehr mannigfaltig. In der Neuzeit hat man jedoch diese Bezeichnungen vereinfacht und die einzelnen Klassen auch an Größe und Gewicht einander näher gebracht. Die jetzt gebräuchlichen Benennungen sind für die größern A. eines Schiffs Bug⸗ und Rüstanker, je nachdem sie am Bug oder in den Rüsten des Schiffs ihren Platz haben. Kriegsschiffe führen zwei von jeder Art, Kauffahrteischiffe gewöhnlich nur zwei Buganker und einen Reserveanker, der jedoch meistens auf dem Oberdeck liegt. Bug⸗ und Rüstanker macht man jetzt gleich schwer. Für mittlere Handelsschiffe beträgt ihr Gewicht 20 — 30 Ctr., für Fregatten 50—60 Ctr., für größere Panzerschiffe bis zu 80 Ctr., und das Gewicht wächst im Verhältnis zum Quadrat der Breite des Schiffs. Außer den erwähnten unterscheidet man noch den Stromanker und die Werpanker. Ersterer ist leichter als Bug⸗ oder Rüstanker und wird dort angewandt, wo man wegen veränderlicher Winde, Strömung u. s. w. nur auf kurze Zeit ankert und die mit dem Gebrauche der großen A. verbundene schwerere Arbeit vermeiden will. Die Werpanker sind Kasleichter und werden benutzt, um auf Reeden, Flüssen u. s. w. in Windstillen und bei ruhigem Wasser das Schiff von einem Punkte zum andern zu verholen. Man bringt den Werpanker zu diesem Zwecke mit einem Boote aus und zieht dann das Schiff an dem im A. befestigten Tau nach dem gewünschten Punkte hin. Ein Schiff treibt vor seinen Ankern, wenn diese nicht festhalten, sondern Wind oder Strömung das Schiff treiben und den oder die A. über den Grund nachschleppen. Dies kann sowohl durch unklare A. als durch schlechte Beschaffenheit des Ankergrundes herbeigeführt werden. Ein guter Ankergrund darf nicht über 19 m Tiefe haben und muß sandig oder lehmig sein. Auf felsigem Grunde faßt der A. entweder nicht oder er kann leicht brechen. Anker heißen im Bauwesen eiserne Schienen oder Stangen oder auch hölzerne Balken, welche dazu bestimmt sind, Mauer-oder Holzwerken einen festern Zusammenhang zu geben. Man unterscheidet Zuganker, welche der Seitenausweichung von Mauern, Gewölben, Dächern u. s. w. vorbeugen, und Traganker, durch welche Vorbaue, Decken, Gewölbe u. s. w. vor dem Herabstürzen oder Herabsenken verhindert werden sollen. Für Mauerwerk werden gewöhnlich eiserne Zuganker angewendet. Diese bestehen aus einer einfachen oder auch aus einer aus mehrern Schienen zusammengesetzten Stange, welche an dem einen Ende einen angeschmiedeten oder angeschraubten Kopf besitzt, an dem andern aber mit einer Öse versehen ist, durch welche eine Schließe oder Splint gesteckt wird. Die A. laufen entweder innerhalb der Mauern von einem Ende zum andern fort, oder sie liegen frei zwischen zwei Spildenden Bianer oder miteinander einen Winkel bildenden Mauern oder Pfeilern, deren Auseinanderweichen sie verhindern sollen. Eine besondere Art der Zuganker bilden die Balkenanker, welche an beiden Enden von durch die ganze Gebäudetiefe reichenden Balken angebracht werden (s. Balken). Die Traganker bringt man meist in senkrechter, teilweise aber auch in wagerechter Lage an. Die erwähnten Schließen erhielten im Spätmittelalter oft eine künstlerische, blumenartige Bildung, besonders an den Wohngebäuden niederländ. Städte, oder auch die Form von Ziffern (Jahrzahlen), während man jetzt dieselben meist unter dem Putz versteckt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 668Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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