Armenak leiten die einheimischen Geschichtschreiber den Namen Armenier ab, während die Griechen und Römer den Namen teils auf einen phrygischen Ursprung, teils auf den Thessalier Armenios, einen Gefährten des Jason bei der Argonautenfahrt zurückführten. Nachdem der Sohn Arams, Ara, im Kampfe gegen Semiramis gefallen mußten die Regenten A.s die Oberhohelt Assyriens anerkennen. Paruir machte sich unabhängig und nahm den Königstitel an, aber seine Nachfolger waren Das ein1n wieder Vasallen der babylon. Könige. Das einzige direkte einheimische Zeugnis geben die in Wan, Palu und andern Orten enthaltenen Keilschriften in einer alten armen. Sprache, wo sich die Namen Minyas, Argistis finden, welcher letztere als mächtiger Gegner des Assyrers Sargon (710) in den Keilschriften genannt wird. Ein anderer Feind desselben Königs, Urzaha, König von Urart, findet sich wieder in dem armen. Hratschea oder Haik II., der nach armen. Sage als Bundesgenosse mit Nebukadnezar an der Belagerung Jerusalems teilgenommen haben soll. Unter den Gefangenen, die er von da mitbrachte, befand sich auch die vornehme Familie des Schambat, dessen Sohn Bagarat hieß. Durch Klugheit und Tapferkeit stieg dieselbe zu den höchsten Ehrenstellen empor, schwang sich endlich, im 9. Jahrh. n. Chr., auf den Thron von A. und Georgien, und sein Name lebt noch heute in der Jahnh. Bagration fort. Um die Mitte des 6. ahrh. v. Chr. gelang es Tigranes I., aus dem Hause Haiks und angeblichem Gegner des Meders Astyages, das fremde Joch abzuschütteln. Bald aber mußte A. von neuem die Oberherrschaft der pers. Könige anerkennen. In den altpers. Inschriften erscheint auch zuerst der Name Arminga. Das Land blieb abhängig von den Persern, bis Alexander d. Gr. mit der ganzen pers. Monarchie A. seinem Reiche einverleibte. ach dem Tode Alexanders fiel A. nach manchen Wechselfällen unter die Herrschaft der Seleuciden, die das Land durch Statthalter regieren ließen. Zwei von diesen, Artaxias (armen. Artaschas) und Zariadres (Dareh), machten sich jedoch zwischen 223 190 v. Chr. von ihrem Oberherrn, Antiochus d. Gr. (s. d.), während der Kämpfe desselben mit den Römern, unabhängig und teilten sich in das Land, das nun in Groß- und Kleinarmenien zerfiel. Artaxias nahm Großarmenien, das im N. von Pontus und Kolchis durch das moschische Gebirge, von Iberien und Albanien durch den Kyros, im O. von Medien durch den Araxes und das Gebirge von Atropatene, im S. von Assyrien durch das Niphatesgebirge und von Mesopotamien durch den Tigris und im W. von Kleinarmenien durch den Euphrat getrennt wurde. Die Dynastie des Artaxias kann aber nicht lange regiert haben, denn schon um die Mitte des 2. Jahrh. v. Chr. war Großarmenien in der Gewalt eines Zweigs der parth. Arsaciden (s. d.), der, mit Valarsaces oder Wagharschak J. beginnend, Großarmenien die zweite Dynastie gab, welche Nisibis zu ihrer Residenz wählte. Der berühmteste Fürst dieses Königsgeschlechts war Tigranes (s. d.) d. Gr., welcher zu den von seinen Vorfahren gemachten Eroberungen in Kleinasien und den Kaukasusländern auch noch Syrien, Kappadocien und Kleinarmenien fügte, die Parther schlug und diesen Mesopotamien, Adiabene und Atropatene abnahm. Der Konflikt mit den Römern, in welchen er durch Mithridates von Pontus, seinen Schwiegervater, geriet, beraubte ihn aber 63 v. Chr. fast aller seiner Eroberungen. Sein Sohn Artavazd ward durch Treulosigkeit des Antonius gefangen genommen und dem Römischen Reiche botmäßig gemacht. Die röm und griech. Autoren geben von hier an eine fast ununterbrochene Reihe von Namen armen. Könige, die von denen der armen. Historiker völlig differieren. Diese Verschiedenheit wird durch die Annahme erklärt, daß die letztern die Nachfolger der arsacidischen Dynastie festhalten, welche anfangs nur in dem südlichen, dem mesopotam. Teile A.s ein kleines, unbedeutendes Gebiet beherrschten und den Römern wie den Persern Tribut zahlten, daher auch von beiden meist unbehelligt blieben, während das eigentliche A. der Zankapfel der Perser und Römer wurde und bald von diesen, bald von jenen besondere Könige erhielt, welche die armen. Geschichtschreiber ignorieren. Ihnen zufolge vereinigte Eruvand (68 —88 n. Chr.) wieder ganz A. unter seinem Scepter und wurde von Vespasian und Titus nicht daran verhindert, da er den Römern den mesopotam. Anteil ganz überließ; auch seine 2100 2. blieben in dem Besitz. Trajan erklärte 106 A. zu einer röm. Provinz; doch rief Hadrian 117 die röm. Legionen jenseit des Euphrat zurück. Osroes (Chosrov J.) bekriegte viele Jahre lang den Artaschir (Artaxerxes), den Gründer der Dynastie der Sassaniden, um den Tod seines Stammgenossen Artavan, des letzten arsacidischen Königs von Persien, zu rächen, und trieb ihn bis an die ind. Grenze, wurde aber von einem treulosen Verwandten auf Anstiften Artaschirs meuchlings ermordet, worauf dieser sich ganz A. unterwarf. Unter dem mit Hilfe der Römer 286 wieder in den Besitz seines Erbreichs gesetzten König Tiridates (Terdat d. Gr.), dem Sohne Chosrovs „be-Aufr das Christentum sich in A. auszubreiten. nfangs hatten die Christen große Verfolgungen zu bestehen, bald aber, nachdem Tiridates das Christentum selbst angenommen, wurde es zur Landesreligion und verdrängte, freilich unter blutigen Kämpfen, völlig den alten Glauben, welcher ein modifizierter Parsismus war. Das Christentum vermochte weder den innern Verfall des Reichs aufzuhalten, noch ihm wirksame Hilfe von seiten der byzant. Griechen gegen das Andringen der Perser zu verschaffen. So kam es, daß der pers. König Bahram V. (armen. Wram) schon 428 A. zu einer Provinz des Sassanidenreichs machen und mit der Absetzung Artaschirs das Ende der Arsacidischen Dynastie auch in A. herbeiführen konnte. Nach griech. Quellen ergab sich schon 412 Tigranes VIII. dem Perser Teit den w Bei dieser Gelegenheit war ein kleiner Teil des westlichen A. an die byzant. Kaiser gekommen, welche zu gleicher Zeit Herren von Kleinarmenien waren; allein diese verloren jenen Teil ebenfalls nach und nach, zuerst an die Sassaniden, dann später an die Araber. Die Sa anidendynastie, deren Herrschaft Über A. vorzügli der Werß blutigen und doch erfolglosen Versuche der Perser, das Christentum in diesem Lande auszurotten, denkwürdig ist, fiel nämlich schon 636, und an ihre Stelle traten als Eroberer in Vorderasien die arab. Kalifen. H3 den Kämpfen zwischen . ur und den byzant. Kaisern ward A. aufs neue fürchterlich heimgesucht und teils von byzantinischen, teils von arab. Statthaltern regiert. Die Statthalter der Sassaniden hießen Marzpane (d. i. Markgrafen) und hatten in vieler Beziehung eine fast unumschränkte Gewalt; unter der Herrschaft der Kalifen wurde das Land von Ostikanen, unter der der Byzantiner von Kuropalaten verwaltet. Aschot I. (gest. 889), aus der alten und mächtigen armen. Lantee der Baratiden, setzte sich endlich, mit Erlaubnis des Kaifen Mutamid Billah, 885 die Krone aufs Haupt und ward so der Gründer der dritten großen armen. Dynastie, der Bagratiden oder Bagratunier, die bis 1046 Hurmene Unter seinen Nachfolgern hob sich Großarmenien aufs neue, bis um das Ende des 19. und den Anfang des 11. Jahrh. die unter den Mitgliedern der Bagratidendynastie selbst ausgebrochenen Streitigkeiten und der Abfall der Ardsrunier es von neuem in seinem Innern schwächten und darum —— machten, dem gleichzeitigen Andrange der Seldschuken (s. d.) und der Byzantiner zu widerstehen. So unterwarfen die Griechen A. fast ganz. Nur wenige einheimische Fürsten wahrten die Unabhängigkeit, die sie jedoch durch die Mongolen, 1242, die ganz A. eroberten, endlich auch verloren. Im J. 1472 ward Großarmenien eine pers. Provinz, deren westl. Teil 100 Jahre später der türk. Sultan Selim II. eroberte, während der östliche unter pers. Herrschaft verblieb. Seit dem Rus Hen ‚1519 f Kriege (1829) und dem Russisch-Türkischen (1878) ist dieser östl. Teil unter Rußlands Scepter geraten. n Kleinarmenien, das im N. durch die Gebirge Skydisses und Paryadres vom Pontus, im O. durch den Euphrat von Großarmenien, im S. durch den Tauros von Syrien und Cilicien und im W. durch einen Zweig des Antitauros von Kappadocien geschieden war, hatte 190 v. Chr. Zariadres (Dareh) sich auf den Thron geschwunen. Seine ·11 herrschte bis auf Walar-Ies (Wagharschak), den Gründer der Arsacidischen Dynastie in A., welcher den Sohn des Dareh, orphylikes, im Kampfe tötete. Tigran II. verlor das Land 62 v. Chr. an die Römer, die es dem Dejotarus, Vierfürsten von Galatien, gaben. Nach dem Tode des Sohnes desselben ward es von den Römern verschiedenen Herrschern verliehen und später zur röm. Provinz gemacht. Als solche fiel es bei der Teilung des Römischen Reichs dem morgenländ. Kaisertum zu, dessen Schicksale es bis gegen Ende des 11. Jahrh. teilte. Um diese 5 (um 1080) ward Cilicien mit einem Teile von leinarmenien, in deren Gebirge 19 schon seit längerer Zeit viele Armenier vor den Persern und Türken geflüchtet hatten, von Rhupen (Ruben), einem ebenfalls dahin geflüchteten Verwandten des letzten Bagratidenkönigs von Großarmenien, vom byzant. Joche befreit. Seine Nachfolger dehnten ihre Herrschaft bis nach Kappadocien aus, spielten eine bedeutende Rolle in den Kreuzzügen und wurden dadurch so mächtig, daß Leo II. vom Kaiser Heinrich VI. zum König erhoben und 6. Jan. 1198 zu Tarsus gekrönt wurde. Lange Zeit blühte das Kleinarmenische Reich unter der Dynastie der Rubeniden, die nMos sich mit den Mongolen abzufinden und den Moslems zu widerstehen wußten. Endlich brachen aber auch hier innere Unruhen, sowie das Einmischen der Päpste in die kirchlichen Angelegenheiten, die Macht des Reichs, sodaß es 1375 dem Angriffe des ägypt. Sultans Scha'ban unterlag. Der letzte König, Leo VI., aus dem der . der Könige von Cypern, vom Geschlechte der Lusignan, aber von mütterlicher Seite ein Rubenide, begab sich, nachdem er aus der ägypt. Ge-Imd. Alet befreit war, nach Paris, wo er 1393 tarb. Kleinarmenien blieb nun stets abhängig und kam 1403 aus der Botmäßigkeit der ägypt. Sultane unter die der Turkmanen, 1508 unter die der Perser, endlich 1522 und 1574 unter die der Osmanen. ů Die polit. Schicksale des Landes sind die Ursache, daß Armenier über ganz Vorder⸗ und Mittelasien bis nach China sowie über die Küstenländer des Mittelmeers zerstreut sind. Gegen 5000 leben in Afrika, ebenso viele in 920, i wohin sie, um dem sächich aus zu entgehen, aus Persien und hauptsächlich aus Dschulfa geflüchtet sind. In Persien und den benachbarten Gebieten Asiens mögen etwa 100000 leben. In Rußland, wo sie namentlich seit Peter d. Gr. Schutz fanden und Gemeinden in Petersburg, Moskau und Südrußland bilden, aber besonders zahlreich in der Krim und in Polen niedergelassen haben, wird ihre Zahl 5 500000 geschätzt. Im österr. Kaiserstaate beläuft sich ihre Zahl auf 16000, wovon die Hälfte auf Siebenbürgen, der Rest fast ganz auf Ungarn und Galizien kommt. Im übrigen Europa mögen etwa 1000 Armenier zerstreut leben. In London, Amsterdam und Marseille gibt es armen. Handelshäuser, und berühmt ist die Kongregation armen. Mechitaristen in Venedig (Triest) und Wien. In der europ. Türkei, wo sie namentlich in und um Konstantinopel (200000) wohnen, wird ihre Zahl auf 400000 geschätzt. In A. selbst nehmen einige 2 Mill., andere 4—5 Mill. an, wahrscheinlich aber beläuft sich ihre den Volte stens auf 1 Mill. Die Kopfzahl des ganzen Volks der Armenier mag kaum 2½ Mill. übersteigen. Vgl. außer den Werken der einheimischen Geschichtschreiber: Saint-⸗Martin, «Mémoires historiques et géographiques sur PArménie o (2 Bde., Par. 1818); Neumann, «Geschichte der übersiedelung von 40000 Armeniern» (Lpz. 1834).