FeedAchäer
ErdkundeBrockhaus 1882

Achäer ist der Name eines griech. Stammes, an welchen sich Mythen und Sagen der Hellenenwelt vor der thessal.⸗dor. Wanderung knüpfen. Wegen der heroischenZeit Rolle, welche dieses Volk in jener heroischen Zeit spielte, wird sein Name in den Homerischen Gedichten, gleich dem der Argiver und Danaer, auch zur Bezeichnung der Griechen insgesamt gebraucht, wie denn auch neuere Forscher die Entwickelungsphase des griech. Volks aus dem ursprünglichen Pelasgertume bis zum Hellenentume im spätern Sinne unter dem Namen des Achäischen Zeitalters . von Achäos pflegen. Die Sage leitete die A. von Achäos einem Sohne des Xuthos und Enkel des Hellen, ab. Ihre ursprüngliche Heimat ist die Landschaft Phthiotis in Thessalien; von da in den Peloponnes eingewandert, grundeten sie daselbst namentlich in Argolis und Lakonien Reiche, die vor der dor. Wandenung die mächtigsten in Griechenland waren. Aus diesen Wohnsitzen durch die Dorier nach langen Kämpfen verdrängt, wandte sich ein Teil nach Kleinasien, wo A. die Hauptmasse der äolischen Bevölkerung auf Lesbos und den gegenüberliegenden Küsten bildeten, Em ein anderer Teil, der Sage nach unter Führung des Orestiden Tisamenos, sich auf die an der Nordküste des Peloponnes angesessenen Jonier warf, welche den Ankömmlingen ihr Land, dessen Name Ägialeia jetzt in Achaia (.. d.) verwandelt wurde, überlassen mußten. Die A. wurden hier in ihren zwölf Städten anfangs von Königen beherrscht, den Nachkommen des Tisamenos, deren letzter Ogyges war. Auf das Königtum folgte nicht, wie sonst fast überall in Griechenland, eine aristokratische Herrschaft, sondern eine gemäßigte Demokratie. Die zwölf alten Städte oder Kantone bildeten einen Staatenbund mit einem gemeinsamen Mittelpunkte zu Agion. Nach außen verhielt sich derselbe bis zum Peloponnesischen Kriege völlig neutral. Nachdem hierauf die A. längere Zeit ein Werkzeug der spartan. Politik gewesen, wurden sie in die Kämpfe mit den Thebanern und den Macedoniern verwickelt, während welcher der schwache Staatenbund sich immer mehr lockerte und endlich durch die Eingriffe des Demetrius, Kassander und Antigonus aufgelöst ward. Eine Erneuerung fand derselbe 281 v. Chr. durch die Vereinigung der vier Städte Dyme, Phara, Paträ und Triteia, wodurch der Grund zu dem vorzugsweise 100 Achäischen Bunde gelegt wurde, der sich ber Achaia hinaus durch den Beitritt vieler anderer Städte erweiterte. (S. Griechenland.) 456 Gerhard, «Über den Volksstamm der A.» (Berl. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 100Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6