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ErdkundeBrockhaus 1882

Arnheim (holländ. Arnhem, vielleicht das Arenacum der Römer), Hauptstadt der niederl. Provinz Geldern, in reizender Lage rechtsrheinisch gelegen, ist Sitz des Gouverneurs sowie eines Provinzial⸗, eines Bezirks⸗ und eines Kantonalgerichts und zählt (1881) 41800 E. Unter den Bauwerken der Stadt zeichnen sich aus: die Eusebiuskirche, in welcher sich viele Denkmale der Herzöge von Geldern sowie ein prächtiges Grabmal Karl von Egmonds befinden; das Regierungs⸗ und Justizgebäude, das Rathaus, das Provinzialarchiv, das erste Gebäude in den Niederlanden, das bei seiner Stiftung zu diesem Zwecke eingerichtet wurde, die neue Kaserne, das Museum Wessel Knoops, das Museum der Altertümer, der Saal der Genossenschaft „Tot Nut van het Algemeeno, das Lesemuseum, die Realschule, die beiden Societätsgebäude in und außer der Stadt, ferner das Festgebäude «Musis sacrumo und das Bronbeek' genannte Invalidenhaus für Krieger aus Niederländisch-Indien. Von höhern Bildungsanstalten bestehen zu A. eine Kunstschule, eine öffentliche Bibliothek, ein Gymnasium, eine * für Knaben und eine für Mädchen, eine Lehrerinnenschule mit 60 internen Eleven u. s. w. Die Industrie erstreckt sich 10 Wagenbau, Spiegel⸗ und Tischlerwaren, mathem. und physik. Instrumente; der Handel in der Nach Export von Getreide und Tabak (der in der Nachbarschaft stark angebaut wird), sowie bedeutende Speditionsgeschäfte nach Deutschland. Seit der Anlage von Eisenbahnen, durch die jetzt A. mit Amsterdam, Rotterdam, Emmerich, Zütphen und Nimwegen verbunden ist, hat sich der Verkehr ungemein belebt. In Bezug auf die Lage ist A. unbestritten die schönste Stadt der Niederlande. Ihre Umgebungen haben in neuerer Zeit, nachdem die alten Festungswerke abgetragen worden, eine große Anziehungskraft auf die reichen Holländer chrte⸗ namentlich auf die aus Indien zurückgeehrten, deren schöne Wohnhäuser und Villen der Stadt selbst eine größere Ausdehnung, den Ortschaften der Um vltero⸗ wie den Dörfern Velp, Roozendaal und Oosterbeek, einen freundlichen Anstrich verleihen. A. wird zuerst 996 urkundlich erwähnt; 1233 erhob es Graf Otto III. von Geldern zur Residenz und befestigte es; später trat die Stadt der Hansa bei. A. wurde 1473 von Herzog Karl dem Kühnen von Burgund, 1585 von den Holländern und 1672 von den Franzosen erobert, welche die Stadt aber nach zwei Jahren wieder räumten. Die Preußen unter Bülow nahmen 30. Nov. 1813 A. mit Sturm, wodurch die östl. Provinzen der Niederlande von der Napoleonischen Herrschaft befreit wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 939Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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